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Zum Tod von Egon Ammann : Aus der Nische ins Licht der Welt

Egon Amman, 1941 bis 2017 Bild: action press

Pessoa, Mandelstam, Hürlimann: Der Schweizer Verleger Egon Ammann hatte ein Gespür für exzellente Autoren. Nun ist er im Alter von 75 Jahren gestorben.

          „Auf der Karte Europas ein Fleck“, so hieß der Band, den der Lyriker Manfred Peter Hein 1991 bei Ammann herausgab: Eine Sammlung von Avantgarde-Gedichten aus den Jahren 1910 bis 1930, entstanden in den kleinen Nationen zwischen dem deutschen und dem russischen Reich, wahrlich ein blinder Fleck also und damit wie geschaffen für ein Verlagsprogramm, das sich oft genug dem Ausleuchten solcher Bereiche gewidmet hat.

          Nun täte man dem Verleger Egon Ammann, geboren 1941 in Bern, großes Unrecht an, wenn man vermutete, dass es ihm um das Abseitige an sich gegangen sei. Eher trieb ihn die Suche nach Texten in der Nische an, denen er zutraute, weit größere Kreise zu erreichen, eben weil sie ihn selbst begeistert hatten. Oft genug ging die Rechnung auf, auch wenn er mit seinem ersten Unternehmen, dem in den sechziger Jahren gegründeten Kandelaber Verlag nach kurzer Zeit Schiffbruch erlitten hatte und ihm erst das Angebot Siegfried Unselds, im Schweizer Suhrkamp-Büro zu arbeiten, ins Verlagswesen zurückführte.

          Sechs Jahre darauf war es ein Manuskript von Thomas Hürlimann, das Ammann – gemeinsam mit seiner Frau Marie-Luise Flammersfeld – zur Gründung eines neuen Verlags motivierte, der nun den eigenen Namen trug und im ersten Programm 1981 Hürlimanns Erzählung „Die Tessinerin“ publizierte.

          Sorgfältige Übersetzungen, liebevolle Werkausgaben

          Der Name hatte bald einen exzellenten Klang. Die literarische Welt verdankt ihm große, sorgfältig übersetzte und liebevoll gestaltete Werkausgaben wie die von Ossip Mandelstam oder Fernando Pessoa, Ammann beförderte nachdrücklich Swetlana Geiers Dostojewski-Übersetzungen, verlegte László Krasznahorkai und Ulrich Peltzer und Wole Soyinka – dass der Nigerianer danach mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, war einer vieler Glücksfälle, die den von Geldsorgen geplagten Verlag über einen längeren Zeitraum am Leben erhielten. „Er war einer von denen, die in der Kurve Gas geben“, beschreibt ein Weggefährte den Mut des Verlegers, gerade in finanziell schwierigen Zeiten Projekte für die kommenden Programme anzugehen. Und weil seine Bücher so bezwingend waren, fand der Verleger auch immer wieder Förderer für sein Unternehmen.

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          Vor sieben Jahren hat Ammann den Verlag geschlossen, nachdem er dafür keinen geeigneten Nachfolger gefunden hatte. Welch glückliche Hand er bei der Auswahl seiner Autoren bewies, zeigt heute der Blick in die Programme anderer Verlage, in denen viele dieser Autoren heimisch geworden sind. Jetzt ist Egon Ammann im Alter von 75 Jahren in Berlin gestorben.

          Quelle: F.A.Z.

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