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Zum Tod von Gabriele Wohmann : Kämpferin auf Samtpfoten

  • -Aktualisiert am

Gabriele Wohmann 1932 - 2015 Bild: Frank Röth

Mit unnachahmlicher Schärfe beschrieb Gabriele Wohmann die unerfüllten Sehnsüchte des Bürgertums und wurde zu einer der großen Schriftstellerin der Bundesrepublik. Jetzt ist sie im Alter von 82 Jahren gestorben.

          Gabriele Wohmann hatte unter der Decke ihres virtuos dahin fließenden Stils eine sehr spezifische Schärfe. Sie konnte von sanftem Unwillen bis hin zu knackigem Sarkasmus chargieren, das macht ihre Texte unverwechselbar. Und damit ging sie seit Beginn der sechziger Jahre auf Erfolgskurs in der Bundesrepublik, aber auch darüber hinaus.

          Unbedingt hatte Gabriele Wohmann mit der deutschen Frauenbewegung nach 1968 zu tun. Ihre Texte schließen deren Themen auf, die weiblichen Protagonisten müssen um ihre Selbständigkeit ringen. Aber sie hatte wenig gemein mit Autorinnen wie Christa Reinig oder auch Verena Stefan. Sie stellte sich nicht auf die Seite von Entmannungen oder von Häutungen, von Geschlechterantagonismus oder Selbstentblößung. Sondern sie spielte in ihrer eigenen Liga, und sie operierte gewissermaßen mit dem literarischen Skalpell. Die kämpferische Attitüde kam auf Samtpfoten, und sie zeigte sich vor allem in ihren Kurzgeschichten und Erzählungen. Auf der Kurzstrecke mit ihrem fein abgezirkelten Timing und den präzisen Wendungen war sie die absolute Herrscherin.

          Als vor drei Jahren unter dem vielversprechenden Titel „Eine souveräne Frau“ ein Band mit ihren besten Erzählungen erschien, glänzte ihre Skepsis in Sachen Einvernehmen der Geschlechter mit all seiner Mangelhaftigkeit und fehlenden Herzensbildung noch einmal gebündelt und aufs schönste. Zumal auf Seiten ihrer Protagonistinnen: Diese sind zwar beinah durchgängig, wie übrigens ihre Autorin selbst, von gutbürgerlicher Prägung. Aber Gabriele Wohmann präpariert ihre unerfüllten Sehnsüchte heraus; nicht selten mündet das Geschehen in der Katastrophe.

          Zu ihrem umfangreichen OEuvre gehören Romane und Gedichte, von´denen zahlreiche in dieser Zeitung erschienen sind, Fernseh- und Hörspiele und eben großartige Erzählungen. Vor allem diese kurzen präzisen Prosastücke brachten ihr die höchste Anerkennung beim Publikum und machten sie für zwei, drei Jahrzehnte zur gefeierten Schriftstellerin, deren Ruhm seit ihrem achtzigsten Geburtstag wieder aufblühte. Geboren wurde Gabriele Wohmann am 21. Mai 1932 in Darmstadt, mitten in eine Pastorenfamilie. Sie studierte Geisteswissenschaften, war kurz Lehrerin und entschied sich früh, als freie Schriftstellerin zu leben. Ihrer Heimatstadt blieb sie treu. In Darmstadt ist sie jetzt im Alter von 83 Jahren auch gestorben.

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