http://www.faz.net/-gr0-16txs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 09.06.2010, 12:32 Uhr

Zufallsfund: Rimbaud-Fotografie Schemen im Jemen

Vom Lyriker zum Waffenhändler: Vor zwei Monaten tauchte eine Fotografie des französischen Dichters Arthur Rimbauds auf, das ihn in Aden zeigt. Jetzt wurde die Echtheit des Bildes bestätigt.

von
© AFP Libraires Associes / addoc-photos agency Arthur Rimbaud, der Dichter mit der interessanten Zweitkarriere. Das Bild wurde auf einem Flohmarkt gefunden

Es ist das einzige Foto, das Arthur Rimbaud (1854 bis 1891) im besten Mannesalter zeigt: vor zwei Monaten wurde es der Öffentlichkeit präsentiert, per Zufall hatten es zwei Buchhändler gefunden. Es ist auch umgehend verkauft worden. Weltweit wurde es kopiert und kommentiert. Das Nachrichtenmagazin „L'Express“, das es der Menschheit offenbarte, legt nun weiteres Material vor: das Porträt ist zweifellos echt.

Jürg     Altwegg Folgen:

Die Publikation hat es ermöglicht, weitere Personen zu identifizieren. So wurde auf dem Bild der Forscher und Abenteurer Edouard-Henri Lucereau erkannt. Man weiß genau, wann Lucerau im Hotel Univers in Aden war,
auf dessen Terrasse die Aufnahme entstand: 1880, im August - während Rimbauds erstem Aufenthalt. Lucereau war von der französischen Regierung beauftragt worden, die Quelle eines Nebenflusses des Nils zu suchen.

Mehr zum Thema

Wer ist der Mann, den sie „Pyjama“ nennen?

Auch die anderen Figuren des Fotos erregen die Phantasie der Rimbaud-Gemeinde, der Älteste auf
dem Gruppenporträt geistert wegen seines Anzugs als „Pyjama“ durchs das Internet. Die Befürchtungen sind widerlegt: Die Legenden von Rimbauds ewiger Jugend und dichterischem Genie hat das erste Bild, das ihn als Erwachsener und in seiner Zeit als Waffenhändler zeigt, nicht beschädigt. Der Mythos lebt.

Rimbaud-1 © AFP Vergrößern Er ist's: Arthur Rimbaud, zweiter von rechts, aufgenommen 1880 in Aden (Jemen) vor dem Hotel Univers


Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kunststoffchemie Bevor es Plastik gab

Die Geburt der Kunststoffe aus dem bürgerlichen Streben nach Luxus: Was zunächst Ebenholz, Jade oder Elfenbein imitieren sollte, kam schließlich der Technik zugute. Mehr Von Jenny Niederstadt

24.04.2016, 09:00 Uhr | Wissen
Frühe Fotografie Scharf wie 140 Gigapixel

Anderes Licht, höchste Auflösung, fast wie gemalt: Frühe Fotografien waren absolut wirklichkeitsgetreue Abbilder. Sie wurden mit Apparaten hergestellt, die geradezu extrem analog waren. Mehr Von Fritz Jörn

26.04.2016, 15:55 Uhr | Aktuell
Prinz Charles auf der Bühne Royale Hamletbetonung

Wie man den Prinz Hamlet richtig gibt, das weiß nur ein Prinz: Charles, seines Zeichens britischer Thronfolger, entert die Bühne und belehrt Englands Schauspielelite. Mehr

24.04.2016, 13:30 Uhr | Feuilleton
Nepal ein Jahr danach Lichtblicke in der Trümmerlandschaft

Bei dem verheerenden Erdbeben in Nepal starben fast 9000 Menschen. Viele Kulturgüter wurden zerstört, Häuser stürzten ein, Straßen zersprangen. FAZ.NET zeigt Ihnen am Beispiel vergleichender Fotos, was wiederaufgebaut wurde. Mehr

25.04.2016, 15:34 Uhr | Gesellschaft
Ein Pate für den Brexit Shakespeare, der englische Patriot

Niemand sei so durch und durch englisch wie Shakespeare, heißt es. Der Dichter hat deshalb schon für politische Anliegen aller Art herhalten müssen – jetzt auch noch für den Brexit. Mehr Von Gina Thomas

21.04.2016, 14:13 Uhr | Feuilleton
Glosse

Haben Sie auch schon einen Anteilsschein?

Von Michael Hanfeld

Nach der Geburt seiner Tochter schien es, als gebe Mark Zuckerberg seine Facebook-Anteile ab. Doch jetzt wird klar, dass er es nicht so meint. Dieser Konzernchef hat besondere Vorstellungen von Selbstlosigkeit. Mehr 1 24

Abonnieren Sie den Newsletter „Literatur“