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Uri Avnery zum Neunzigsten : Der israelische Friedenskämpfer

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Uri Avnery Bild: dpa

Sein Kriegstagebuch aus dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg brachte ihm den Ruf eines Nestbeschmutzers ein. Seitdem ist Uri Avnery eine der wichtigsten kritischen Stimmen Israels. Dem Friedenskämpfer zum Neunzigsten.

          Der als Helmut Ostermann in Beckum geborene und in Hannover aufgewachsene israelische Schriftsteller, Journalist und Friedensaktivist Uri Avnery war stets eine Ausnahmeerscheinung. In seinem letzten Schuljahr im Hannoverschen Kaiserin-Auguste-Victoria-Gymnasium - schon 1933 wanderte die Familie nach Palästina aus - war er der einzige jüdische Schüler in der Klasse. Diese Zeit reflektierte er als Erster seiner Einwanderergeneration in dem 1961 in Israel erschienenen Buch „Das Hakenkreuz“. Damals war Avnery im Land längst als schnelle und scharfe Feder bekannt und gefürchtet. Schon 1945 hatte er nach dreijähriger Mitgliedschaft in der jüdischen Untergrundorganisation „Etzel“ deren zunehmende Radikalisierung in der Schrift „Der Terrorismus, die Kinderkrankheit der Hebräischen Revolution“ gegeißelt.

          Im Jahr darauf gründete er mit Gleichgesinnten die Gruppe „Junges Eretz Israel“, die mit ihrer Zeitschrift „Im Kampf“ für Wirbel sorgte. Denn Avnery und seine Mitstreiter, die sich als „semitische“ Patrioten begriffen, plädierten für einen antikolonialen Zusammenschluss der jüdischen und palästinensischen Nationalbewegungen und lehnten die Teilungspläne für Palästina ab. Als aber 1948 mehrere arabische Staaten den gerade gegründeten Staat Israel angriffen, meldete sich auch Avnery an die Front und kämpfte begeistert bis zu seiner Verwundung. 1949 beschrieb er in dem Band „In den Feldern der Philister“ als Einziger seiner Generation ebenso ihre Kriegsbegeisterung wie ihre Verrohung. Avnerys Kriegsbericht wurde in Israel zum Bestseller, er selbst aber war von dem Erfolg und seiner Verehrung als Kriegsheld irritiert. So publizierte er 1950 ein kritisches Kriegstagebuch, das nach seinem Erscheinen verboten wurde und Avnery nun den Ruf eines Nestbeschmutzers einbrachte.

          Als solcher galt er auch weiterhin vielen im Land, als er Anfang der fünfziger Jahre das Wochenmagazin „Haolam haze“ (Diese Welt) in Leben rief, das mit seiner Mischung aus regierungskritischem investigativem Journalismus und Boulevard häufig für Skandale sorgte. Den Erfolg seines Nachrichtenmagazins, das sich über drei Jahrzehnte halten sollte und in dem Avnery unbeirrbar für eine Politik der Versöhnung mit den Arabern eintrat, nutzte er, um eine gleichnamige Partei zu gründen. Mit dieser zog er Mitte der sechziger Jahre für zwei Legislaturperioden ins israelische Parlament ein, vermochte jedoch politisch nur wenig zu bewirken.

          Geschichte schrieb er hingegen, als er sich mitten im Libanon-Krieg 1982 mit Palästinenserführer Jassir Arafat in Beirut traf und diese Begegnung in dem international beachteten Buch „Mein Freund, der Feind“ schilderte. Unermüdlich für den Frieden kämpft Avnery seitdem mit seiner 1993 gegründeten Organisation „Gush Shalom“, die mittlerweile allerdings an Bedeutung verloren hat. Nicht so aber Uri Avnery, der an diesem Dienstag neunzig Jahre alt wird. Trotz oder gerade wegen seiner von der israelischen Rechten als „linksradikal“ verunglimpften Ansichten ist er als Publizist, im Ausland mehr als daheim, nach wie vor gefragt. In Österreich erschien im Frühjahr sein Essayband „Israel und der arabische Frühling“.

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