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Stephen Hawkings Autobiographie : Warum hat es geknallt und nicht vielmehr nicht geknallt?

Stephen Hawking im vergangenen Jahr als Science Luminary in Seattle. Bild: dapd

Stephen Hawking legt seine Erinnerungen vor: Der Star am Himmel der Himmelsforscher erzählt, wie man dazu kommt, eine Theorie zu allem in Angriff zu nehmen - Schöpfung eingeschlossen.

          Stephen Hawking ist theoretischer Physiker und vielleicht der bekannteste Wissenschaftler der Gegenwart. Diese Berühmtheit verdankt sich der Verknüpfung einiger Faktoren. Zuerst natürlich dem Arbeitsgebiet des mittlerweile Einundsiebzigjährigen, der bis vor wenigen Jahren den einst von Newton eingenommenen Lukasischen Lehrstuhl in Cambridge innehatte: der Kosmologie. Die Aussicht auf eine vollständige „Theory of everything“ (TOE) mag zwar auch manche Teilchenphysiker bewegen, doch unter explizit kosmologischem Gesichtspunkt lässt sie sich noch sinnfälliger präsentieren: mit den Fragen nach Anfang und Ende der Welt verknüpft, nach Endlichkeit und Unendlichkeit, dem Wesen von Zeit und Raum. Oder gleich noch etwas vollmundiger als Suche nach dem Schlüssel der Schöpfung und Beantwortung der Frage, ob es überhaupt einen Gott brauchte, um die ganze Sache in Gang zu bringen.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton.

          Die vollmundigen Varianten haben wir von Stephen Hawking selbst entliehen, der sie seit dem durchschlagenden Erfolg seines ersten Buchs für eine breite Leserschaft, der „Kurzen Geschichte der Zeit“ (1988), ausgesprochen gern verwendet. Dass sein vielleicht berühmtestes Theorem, mit dem er Allgemeine Relativitätstheorie und quantenmechanische Beschreibungen verknüpfte, das Verhalten von Schwarzen Löchern zum Gegenstand hat, war wohl ein zusätzlicher Reiz für das Publikum. Aber selbst Gravitationskollapse, Quantenfluktuationen, die Umwege zur Behebung der „Urknall“-Singularität und Newtons Lehrstuhl hätten mit ziemlicher Sicherheit nicht hingereicht, Hawking zum Weltstar zu machen.

          Stationen seines privaten wie professionellen Lebens

          Was hinzukam, ist Hawkings Krankheit, die mit einundzwanzig Jahren bei ihm einsetzte und schrittweise alle seine Muskeln lähmte, so dass er sich zuletzt nur noch über eine mit minimalen Impulsen gesteuerte Computerschnittstelle und einen Sprachsynthesizer verständlich machen konnte. Selbst wer ihn nicht gelesen hat, kennt die Bilder, die ihn reglos im Rollstuhl zeigen, der mit Elektronik und Beatmungsapparatur versehen ist - und die gern hinterlegt werden mit Panoramen der „fernen Tiefen des Weltalls“, wie sie ihn nach eigenem Bekunden schon früh anzogen.

          Dass die körperliche Hinfälligkeit, der er Leben und Karriere auf beeindruckende Weise abtrotzte, sein Bild in der Öffentlichkeit prägt, weiß Hawking natürlich. In seinem neuen Buch „Meine kurze Geschichte“, das heute auf Deutsch im Rowohlt Verlag erscheint und Stationen seines privaten wie professionellen Lebens auf knappem Raum Revue passieren lässt, resümiert er mit leichter Ironie die Besprechungen, die sein erster Bestseller erhielt. Positiv seien sie durchaus gewesen, dabei aber doch wenig erhellend und fast alle einem Strickmuster folgend: zuerst der Hinweis auf den Autor im Rollstuhl, der sich so gut wie gar nicht mehr bewegen und nicht mehr sprechen könne. Dann die Überleitung, dass er sich trotzdem der größten aller Fragen verschrieben habe, nämlich woher wir kommen und wohin wir gehen, und als Finale Hawkings eigene Schlusswendung, dass die angepeilte TOE Gottes Plan enthüllen würde.

          Ein einsamer Geist, der das Körperliche transzendiert

          Wobei Hawking, wie er nun schreibt, diese Passage um ein Haar gestrichen, damit aber wohl die Verkaufszahlen des Buchs halbiert hätte. Außerdem habe sein Kampf gegen die Krankheit eben für einen förderlichen Human-Interest-Touch gesorgt. Die Einschätzung ist sicher nicht falsch, aber sie streift nur den sehr speziellen Effekt der körperlichen Hinfälligkeit für das öffentliche Image von Hawking: nämlich auf eine Form der Körperlosigkeit hinauszulaufen, die im Kontrastverfahren dem auf sich gestellten Geist des genialen Physikers zum Auftritt verhilft - ein einsamer Geist, der das Körperliche transzendiert und bis in die Tiefen des Weltalls schweift; ein Geist schließlich, der es mit einem anderen körperlosen Geist aufnimmt, dem das Geheimnis der Weltkonstruktion abzuluchsen und dabei gleichzeitig das Privileg eines undurchsichtigen Schöpfungsakts abzuerkennen ist.

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