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Jane Austens Sidekicks (VII) : Was zum Kuckuck zirkuliert denn hier?

Ein Buchanfang, der nur aus Nebenfiguren besteht: Die Reinschrift des Manuskripts von „Sanditon“ fertigte Jane Austens Schwester Cassandra an. Bild: Jane Austen House Museum

Zwölf Kapitel von „Sanditon“ standen auf dem Papier, als Jane Austen starb. Ihr letzter Roman gewährt einen aberwitzigen Ausblick in eine Gesellschaft des Konsums und der Spekulation.

          Mr. Parker ist in Eile, denn er hat Großes vor mit Sanditon. Auf der Suche nach einem Arzt für das Seebad in spe, kommt er faktisch wie metaphorisch vom Weg ab, stürzt mit seiner Kutsche in die agrarische Welt der Familie Heywood, deren Familienoberhaupt gerade die Heuernte beaufsichtigt. In „Sanditon“ (der Titel des 1925 postum veröffentlichten Romanfragments stammt nicht von ihr) verhandelt Jane Austen zeitgenössische ökonomische Debatten: Die Tory economy des produktiven Landbesitzers Mr. Heywood steht dem wirtschaftlichen Liberalismus des konsumenthusiastischen Amateurs Parker entgegen. Der kann über wenig anderes sprechen, denn „Sanditon war ihm wie eine zweites Set von Frau und Kindern – kaum weniger teuer – und sichtlich vereinnahmender“.

          Jürgen Kaube
          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in München und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Parkers Projekt ist auf Menschen angewiesen, die Zeit und Finanzen für Konsum haben. In diese Wunde legt Mr. Heywood gleich zu Beginn des Fragments seinen Finger, wenn er fragt, woher diese denn nun alle kommen sollen. Der Wirtschaftshistoriker Oliver MacDonagh bezeichnet Parker als einen Keynesianer avant la lettre, der Investionen, Konsum und Wachstum als Basis allgemeinen Wohlstands fördern will.

          Diese Stadt ist auf Sand gebaut

          Allerdings steckt er all seine Energie in ein Phantasieprojekt, für das die Garanten dieser Entwicklungen fehlen: die Konsumenten. Sanditon oder „sandy town“ ist ganz wörtlich auf Sand gebaut, ein Ort, in dessen Läden sich zwar „alle nutzlosen Dinge dieser Welt“ befinden, aber kaum Seebadende. Stattdessen scheint der Ort voller Bauruinen und ungenutzter Pensionen zu sein. Er muss deshalb mit den eigenen hypochondrischen Schwestern und reichen kreolischen Erbinnen bestückt werden.

          Moralisch problematisch ist das Unternehmen nicht nur, weil der planungswütige Parker für sein „hobby horse“ seinen Besitz mit Hypotheken überlastet. Schlimmer noch, er riskiert mit der Neuordnung der lokalen Ökonomie den Wohlstand der Bewohner Sanditons: mit zu hohen Nahrungsmittelpreisen (wohl eine Anspielung auf die Spa Field Riots 1816), unsicheren Spekulationen und insgesamt der Kommerzialisierung einer kleinen Seegemeinde.

          Ob es Mr. Parker gelingt, aus Meer und Gesundheit einen erfolgreichen Konsumartikel zu machen, bleibt offen. Vorerst begeistert er sich für die „blauen Schuhe“, die er nach seiner Rückkehr entdeckt: „Glorious indeed.“ BIRTE FÖRSTER

          ***

          Das Wort, das Jane Austen dem jungen Baronet Denham zuordnet, ist „air“. „Air“ heißt Luft, aber auch Anstrich, Flair, Aussehen und klingt wie „heir“, der Erbe. Sir Edward ist der gutaussehende Neffe des verblichenen Gatten der reichen, alten und hartgesottenen Lady Denham. Er trägt den Titel, den sie sich dank ihres Vermögens angeheiratet hat, aber es fehlt ihm an Besitz. „Er muss reich heiraten“, befindet Lady Denham, „aber Erbinnen sind schrecklich knapp.“

          Die Zeit, bis doch eine kommt, vertreibt Sir Edward mit schwungvollen Auftritten. Die Regel, in der Konversation den anderen zu ermöglichen, sich in ihr wohlzufühlen, hat er aber missverstanden. Er versucht es vor allem damit, faszinierend zu wirken. Wie das geht, hat er sich angelesen. Da man an der See ist, spricht er über deren Erhabenheit, den Wechsel von Sturm und Stille, sonniger Ruhe und aufgewühltem Abgrund.

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