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Autor von „Ragtime“ : E. L. Doctorow ist tot

  • Aktualisiert am

E. L. Doctorow, 1931 bis 2015 Bild: Picture-Alliance

Er galt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller der Vereinigten Staaten. Jetzt ist E. L. Doctorow, ein Neuerfinder des historischen Romans, im Alter von 84 Jahren gestorben.

          Der amerikanische Schriftsteller E. L. Doctorow ist tot. Doctorow sei am Dienstag im Alter von 84 Jahren in New York an Lungenkrebs gestorben, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf seinen Sohn. Der vielfach preisgekrönte Autor von Werken wie „Ragtime“ und „Billy Bathgate“ wurde zu den bedeutendsten zeitgenössischen Autoren der Vereinigten Staaten gezählt.

          In seinen Werken siedelte er häufig fiktionale Charaktere in historischen Kontexten an. Doctorow, der in Manhattan und in New Yorks Villenvorort Sag Harbor lebte, war verheiratet und Vater dreier Kinder. Zuletzt war von dem Schriftsteller im vergangenen Jahr der Roman „Andrew’s Brain“ erschienen.

          Was tun die Männer im Smoking?

          „Ich beschränke mich ganz aufs Buch“, sagte er im Jahr 2011 in einem Interview mit der F.A.Z. über seine Arbeit. „Ich lebe in seinen Sätzen.“ Den Beginn des Schreibprozesses beschrieb er als spontane Reaktion. „Irgendein Bild oder eine Idee oder ein Satz bewirken etwas in mir, und ich fange zu schreiben an, um herauszufinden, was es ist. Bei 'Loon Lake' waren es genau diese beiden Wörter des Titels, die ich auf einem Straßenschild sah. Allein ihr Klang brachte mich dazu, mit dem Schreiben zu beginnen. Bei 'Billy Bathgate' war es ein Bild von Männern im Smoking, die auf dem Deck eines Schleppers standen. Ich fragte mich: Was tun die da? So hat dieses Buch angefangen.“

          Doctorow stammte aus einer Familie russisch-jüdischer Abstammung und wurde in New York geboren. Er wuchs in der Bronx auf und studierte Literatur in Ohio. Nach seinem Militärdienst, den er als Soldat der amerikanischen Armee in Deutschland ableistete, kehrte er 1955 in seine Heimatstadt zurück und schrieb dort seinen Debütroman „Willkommen in Hard Times“, der 1960 erschien. Bis zum Jahr 1969 arbeitete Doctorow als Verlagslektor, anschließend ging er als Dozent an die University of California. 1971 veröffentlichte er den Roman „Das Buch Daniel“, der zu seinem ersten großen Erfolg wurde. Berühmt wurde er durch den Roman „Ragtime“, den er im Jahr 1975 veröffentlichte.

          Zu Doctorows Vorliebe für den historischen Roman schrieb Tilman Spreckelsen in der F.A.Z.: „Das Gewebe aus überlieferten Ereignissen und literarischer Phantasie, das den historischen Roman von jeher prägt (und ungenießbar macht, wenn sich die Fakten allzusehr in den Vordergrund drängen), erhält in Doctorows Werken eine besondere Feinstruktur: Sosehr die einzelnen Bilder in liebevollen, genau recherchierten Details der jeweiligen Epoche ausgemalt sind (was Doctorow den Vorwurf eingebracht hat, er schreibe immer mit Blick auf eine künftige Verfilmung - tatsächlich sind bereits vier seiner Romane für das Kino adaptiert worden), so deutlich streut der Autor immer wieder Hinweise auf den artifiziellen Charakter seiner Handlung: Er weist auf die literarischen Quellen einzelner Stränge hin (wenn etwa eine Kohlhaas-Figur in 'Ragtime' den Namen 'Coalhouse' erhält) und verstrickt seine Protagonisten in märchenhafte oder gar magische Geschicke; so durchbricht er gekonnt die Illusion einer unveränderten Schilderung historischer Ereignisse.“

          Ein Vorbild

          Doctorow lehrte Literatur an mehreren amerikanischen Hochschulen, bis er in dieser Funktion 1982 wieder und diesmal endgültig nach New York zurückkehrte. Zuletzt erschienen von ihm neben dem Roman „Andrew's Brain“, der im August auf Deutsch erscheint, der Roman „Homer & Langley“ sowie die Story-Sammlung „Alle Zeit der Welt“.

          Unter seinen Schriftstellerkollegen fand E. L. Doctorow große Anerkennung. So bezeichnete ihn Anne Tyler als „menschliche Zeitmaschine“, Daniel Kehlmann schrieb in einem F.A.Z.-Artikel, dass er ohne das Vorbild Doctorows seinen Erfolgsroman „Die Vermessung der Welt“ niemals habe schreiben können.

          Quelle: FAZ.NET

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