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Schriftsteller Baha Taher : Finger weg von unserer Revolution!

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"Ist Literatur nicht immer prophetisch?" Der ägyptische Schriftsteller Baha Taher Bild: Hagmann, Roger

Am Sturz des Regimes Mubarak hat er maßgeblich mitgewirkt. Im F.A.S.-Interview spricht der Schriftsteller Baha Taher über Zensur, Literatur und die Präsidentschaftswahl in Ägypten.

          Baha Taher, geboren 1935, begleitete erst als Journalist, dann als Schriftsteller mit politischer Ambition sämtliche Umbrüche in Ägypten. Er war Mitbegründer der Graswurzelbewegung Kifaja, die ein Ende des Regimes Mubarak forderte und den Grundstein für die Januar-Revolution legte. Wir treffen uns in Leipzig, wo Taher sein nun auf Deutsch erschienenes Buch „Die Oase“ vorstellt, für das er 2008 mit dem International Prize for Arabic Fiction ausgezeichnet wurde. Herr Taher ist sehr freundlich und höflich, wir gehen spazieren, setzen uns dann aber in ein Café, da er starke Schmerzen in den Beinen hat. Ein Venenleiden verhinderte zu seinem großen Bedauern, dass er während der Revolution, auf die er so lange gewartet hatte, täglich auf dem Tahrir-Platz sein konnte.

          Herr Taher, am Dienstag wird der neue ägyptische Präsident gewählt. Erstmals in der Geschichte des Landes gab es ein Fernsehduell. Haben Sie es gesehen?

          Natürlich, ganz Ägypten saß vor dem Fernseher. Die Cafés waren überfüllt, die Leute gieren nach politischer Transparenz, so etwas gab es in Ägypten schließlich nie.

          Dreizehn Kandidaten treten bei der Wahl an. Warum wurde ausgerechnet dem Liberalen Mussa und dem Islamisten Abel Futuh ein Fernsehduell gewährt?

          Man sagte, sie stünden ganz oben auf der Liste, aber das stimmt nicht. Vielleicht sollen sie durch das Duell zu den wichtigsten Kandidaten gemacht werden.

          Möchten Sie einen von beiden als neuen Präsidenten sehen?

          Nein, ich finde Hamdeen Sabahy am besten. Er ist säkular und hat immer gegen das Regime Mubarak gekämpft. Meine Frau spricht nicht Arabisch, aber als sie ihn einmal reden sah, sagte sie: Schau dir seine Gestik und Mimik an, der ist gut. Doch er wird nicht gewinnen, denn er ist nicht reich.

          Das ist ein Kriterium?

          Natürlich! Ganz Kairo ist mit Wahlplakaten gepflastert, aber ich muss mir wirklich Mühe geben, um irgendwo das Gesicht von Sabahy zu finden.

          Wer bezahlt die Plakate der Muslimbrüder?

          Das wüssten wir alle gern. Sie behaupten, das Geld komme von den Wählern. Also ich habe Sabahy noch kein Plakat bezahlt!

          Vielleicht die Saudis?

          Es gibt dieses Gerücht. Und auch jenes, dass die Mubarak-Anhänger viel Geld für ihre Kandidaten ausgeben. Bei dieser Wahl weiß niemand, ob das Geld aus dem In- oder Ausland kommt. Das verunsichert die Menschen.

          Mahmud, der Protagonist Ihres Romans „Die Oase“, ist frustriert wegen der politischen Verhältnisse. Er möchte sie verändern, doch das gelingt ihm nicht. Sie haben das Buch 2008 geschrieben, angesichts der derzeitigen Verhältnisse erscheint es fast prophetisch.

          Das mag sein, aber ist Literatur nicht immer prophetisch?

          Jedenfalls ist der Revolutionsenthusiasmus inzwischen einer starken Ernüchterung gewichen. Sind auch Sie enttäuscht?

          Nein, denn jede Revolution in der Geschichte hatte ihre Höhen und Tiefen, und so ist es eben auch in Ägypten. Wir sind noch mitten drin in der Revolution, und deshalb sollte man nicht ständig über sie urteilen. Ansonsten leidet man entsetzlich bei jedem Rückschlag, wird pessimistisch und freut sich wie verrückt über alle Erfolge - so ist das jedenfalls bei mir.

          Sie sind Ihr ganzes Leben lang politisch gewesen, und trotzdem nimmt Sie das so mit?

          Ich war ungeheuer glücklich, als die Revolution ausbrach, und habe in diesen Wochen so viel Freude erlebt, dass es für zehn Leben reichen würde. Da übertreibe ich wirklich nicht. Danach fingen die Probleme an, denn der Revolution fehlte die Durchsetzungskraft.

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