http://www.faz.net/-gr0-8zu0k

Schöpferin von „Angélique“ : Französische Autorin Anne Golon gestorben

  • Aktualisiert am

Schriftstellerin Anne Golon in Prag (Archivfoto von 2007) Bild: dpa

Mit ihren „Angélique“-Romanen gelang der Französin Anne Golon einer der größten Bucherfolge des 20. Jahrhunderts. Jetzt ist die Schriftstellerin gestorben.

          Anne Golon starb am Freitag in Versailles im Alter von 95 Jahren, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Familie berichtete. Die Schriftstellerin war mit ihrer Buch-Serie über das Leben der „Angélique“ bekannt geworden.

          Anne Golon wurde als Simone Changeux in Toulon geboren. Als Journalistin schrieb sie neben Reportagen auch Filmdrehbücher. Während einer Afrikareise im Jahre 1946 lernte sie ihren späteren Mann kennen, den im Iran geborenen Bergbauingenieur und Autor Vsevolod Sergeïvich Goloubinoff, mit dem sie eine erste, erfolgreiche Tiergeschichte verfasste. Angeregt durch ihren Pariser Verleger, wandte sich Golon dann historischen Frauen- und Abenteuerromanen zu. Nach mehrjährigen, eingehendem Milieu- und Quellenstudium in Versailles schrieb sie 1956 zusammen mit ihm den ersten Band ihrer zur Zeit Ludwig XIV. spielenden Erfolgssaga "Angélique".

          In mehr als zwanzig episch breit angelegten Bänden  schildert die Autorin das Schicksal der jungen Adeligen Angélique de Sancé, die früh in das Netz von Intrigen und Verschwörungen, Hofkabalen und Liebesaffären im Frankreich des Sonnenkönigs verstrickt wurde und schließlich in die nordamerikanischen Kolonien floh. Als eine der ersten sogenannten "Unterhaltungsschriftstellerinnen" entwickelte die "Angélique"-Autorin moderne Bestsellerliteratur, der gründliche historische Vorrecherchen sowie die Lektüre von annähernd zweihundert Fachbüchern vorausgingen.

          Dass ihre Romane alles andere als prüde waren, wirkte in den sechziger Jahren provozierend und förderte nicht zuletzt die Verfilmung. Fünf "Angélique"-Filme (ab 1964) mit der Südfranzösin Michèle Mercier in der Hauptrolle waren Kassenerfolge, und in Japan entstand zur "Angélique"-Thematik eine Oper. Die Serie wurde mit einer Gesamtauflage von mehr als 150 Millionen Exemplaren zu einem der größten Bucherfolge des 20. Jahrhunderts und in mehr als 40 Ländern verlegt.

          Die Fachkritik reagierte mit Zurückhaltung auf Golons Romanerfolge. "Der Erfolg Anne Golons", so schrieb der „Spiegel“, resultiert aus "einem Zusammenspiel von ausschweifender Phantasie, Fleiß, dubiosem Geschmack, Fabuliertalent und branchenkundiger Kalkulation", während andere Kritiker die Autorin mit der Marlitt oder mit Courths-Mahler verglichen. Auch als weiblicher Karl May wurde sie etikettiert und mitunter in die Nähe von Alexandre Dumas gerückt, der mit den "Drei Musketieren" und dem "Grafen von Monte Christo" den monumentalen historischen Abenteuerroman zu Triumphen führte.

          Quelle: bähr/dpa/Munzinger

          Weitere Themen

          Kerber beendet das Kapitel Beltz

          Tennis : Kerber beendet das Kapitel Beltz

          Angelique Kerber trennt sich nach einem enttäuschenden Tennis-Jahr von ihrem Trainer. Sie sei dabei, „ein neues Kapitel zu beginnen“. Einen Nachfolger für Torben Beltz hat sie auch schon gefunden.

          Im Rennen um einen Oscar Video-Seite öffnen

          Fatih Akins „Aus dem Nichts“ : Im Rennen um einen Oscar

          Die Wut über den NSU-Skandal inspirierte den Regisseur und Autor zu seinem jüngsten Film. In der Hauptrolle: Diane Kruger. Premiere feierte der Film auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, jetzt wird er von Deutschland als Beitrag für den besten ausländischen Film bei den „Academy Awards“ ins Rennen geschickt.

          Topmeldungen

          Gescheiterte Sondierungen : Merkels Niederlage

          Durch die gescheiterten Sondierungen hat die Kanzlerin mehr verloren als die FDP. Und vor allem: Die CDU hat noch mehr zu verlieren. Der Knackpunkt ist die Willkommenspolitik – von der sich Angela Merkel partout nicht distanzieren mag. Ein Kommentar.

          Robert Habeck im Gespräch : „Erbärmlich, dass wir es nicht hinbekommen haben“

          Die FDP habe das Scheitern von Jamaika lange geplant, glaubt der Grüne Robert Habeck. Im FAZ.NET-Gespräch sagt er, warum ein Kompromiss möglich war, Angela Merkel keine Schuld trifft – und wieso er eine Neuwahl für eine „unkontrollierte Sprengung“ hält.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.