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Reza Aslan : Wer gewinnt den kosmischen Krieg?

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Ausnahmsweise mal nicht in Bewegung Reza Aslan ruht sich aus Bild: Jiri Rezac

Der amerikanische Präsident und der Terrorführer bin Ladin stehen sich, so die These des muslimischen Publizisten Reza Aslan, in einem Konflikt gegenüber, den die Scharfmacher beider Seiten als „kosmischen Krieg“ begreifen. Einzelschicksale spielen dabei keine Rolle. Wie gewinnt man diesen Krieg?

          Nach der Lesung kommen die Fans. „Waren Sie nicht schon gestern im Publikum?“, fragt Reza Aslan die dunkelhaarige Studentin im kanariengelben Paul-Smith-Kleid, die sich am Büchertisch angestellt hat. „Nein, das war meine Zwillingsschwester. Sie hat den arabischen Vornamen, ich den malayischen. Wir wechseln uns ab, teilen uns dann die Mitschriften!“ Gelächter. „Dann kommt zu meiner Lesung morgen . . .“ – „Wieder meine Schwester, ja!“

          Reza Aslan, 1972 in Teheran geboren und seit der Iranischen Revolution zu seinen Kindertagen in den Vereinigten Staaten lebend, ist ein gefragter Mann – und in diesen Tagen vor allem ein befragter. Permanent gibt er Interviews, ob für hochspezialisierte Blogger oder die BBC, denn in dieser Woche haben sie sich gleich beide geäußert, die Männer, die die Achsen seines Koordinatensystems bilden und deren Vornamen er so oft verwechselt, dass Doktor Freud seine Freude daran haben könnte: Osa ... bama.

          Ein kosmischer Krieg endet nie

          Der amerikanische Präsident und der Terrorführer, beide stehen sich, so die These von Reza Aslans neuem Buch, in einem Konflikt gegenüber, den die Scharfmacher beider Seiten als „kosmischen Krieg“ begreifen, einen Krieg, dessen Schlachtfeld nicht irdisch, sondern jenseitig ist, in dem es nicht mehr um Interessen und strategische Vorteile geht, sondern um Gut und Böse, Himmel und Hölle. Cool schildert er, wie auch auf der Seite des Westens orthodoxe jüdische Zeloten wie der Rabin-Mörder und im missionarischen Eifer erblindete Army-Seelsorger die Auseinandersetzung gegen islamische Extremisten als endzeitliche Schlacht beschreiben. Es ist in einem kosmischen Krieg ganz egal, wie es den Palästinensern geht, wie die Iraker ihr Schicksal finden, jedes Schlachtfeld, jedes Opfer ist zugleich heilig und beliebig. Ein kosmischer Krieg endet nie. Daher ist der Titel des Buches richtig frech: „Wie man einen kosmischen Krieg gewinnt“.

          Als wir uns zum ersten Mal treffen, ist es Mittwochmittag, und der kosmische Experte sieht nicht besonders ausgeschlafen aus. Egal. Er regt sich sofort auf, wedelt mit seiner Zeitung und berichtet von dem Streit, den er eben mit einem ägyptischen Blogger auszufechten hatte: „Er wollte mir weismachen, Kairo sei ein guter Ort für die Obama-Rede. Ha! Es ist ein furchtbarer Ort für diese Rede. Wie will er, wenn Mubarak neben ihm steht, den Mangel an Demokratie in Ägypten anprangern? Das wird ein Desaster!“ Aber was wäre ein besserer Ort als Kairo, immerhin das Zentrum islamischer Gelehrsamkeit seit Jahrhunderten? Dass man das überhaupt fragt! Indonesien natürlich. Der Islam, wird er nicht müde zu erklären, ist nicht der Nahe Osten, und der Islam, das sind auch nicht die Araber. Nicht die allein, jedenfalls. Und was tut Obama, sein Präsident, sein Held? Geht mitten hinein!

          Beeilen!

          Vor lauter Ärger übersieht Aslan den Londoner Straßenverkehr und schwebt, von irgendeiner kosmischen Macht beschützt, durch die Wagen, er bemerkt kaum, dass ich gut deutsch an der roten Ampel stehen geblieben bin, und redet einfach weiter. Die Lage ist komplex, und Reza Aslan hat wenig Zeit. Durch alle Kontinente führt ihn seine Lesetour, eine Woche ist er in England, dann ist der Süden der Vereinigten Staaten dran, später Israel, Australien und der Rest der Welt.

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