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Reaktionen auf Márquez’ Tod : Der größte Kolumbianer, ein Weltliterat

Gefeiert, verehrt: Gabriel García Márquez im Mai 2007 bei einer Reise in seine Geburtsstadt Aracataca Bild: picture-alliance/ dpa

Nach dem Tod des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez spielen alte Konflikte keine Rolle mehr: Staatsmänner und Kollegen bekunden ihre Trauer.

          Juan Manuel Santos, der Präsident Kolumbiens, sprach am Donnerstag aus, was alle in der Welt wussten: Gabriel García Márquez war der größte Sohn seines Landes. Doch zu diesem klaren Bekenntnis gehörte einiges, denn der am selben Tag in Mexiko-Stadt verstorbene Literaturnobelpreisträger lebte ja schon seit Jahrzehnten in Mexiko, und im lateinamerikanischen Konkurrenzdenken, das immer wieder ausbricht, ist so eine Entscheidung schwerwiegend. Doch nun wird Kolumbien drei Tage lang Staatstrauer tragen, und auch in Mexiko wurde sofort nach Bekanntwerden des Todes von García Márquez vom Präsidenten für Ostermontag eine nationale Trauerfeier angekündigt, denn mit dem Schriftsteller ist auch der berühmteste Bürger seines Landes gestorben.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Wo er seine letzte Ruhe finden wird, ob in der alten Heimat oder in der neuen, das wird die schwierigste Entscheidung sein, die seiner Familie nun obliegt. Es gab aber noch eine weitere Reaktion, die alte Wunden schloss: Der amerikanische Präsident Barack Obama kondolierte und nannte García Márquez in seiner Würdigung nicht nur „einen der visionärsten Schriftsteller“, sondern bezeichnete ihn auch als persönlichen Lieblingsschriftsteller seit vielen Jahrzehnten.

          Immer wieder und überall neue Leser

          Das will gleichfalls etwas heißen, denn García Márquez war in den Vereinigten Staaten wegen seiner Parteinahme für Kubas Präsidenten Fidel Castro seit den sechziger Jahren Persona non grata. Das hat seiner Beliebtheit beim Lesepublikum keinen Abbruch getan, aber das offizielle Washington durfte sich ihm damit ebenso wenig gewogen zeigen wie amerikanische Literaturpreise oder Institutionen. Obamas Bekenntnis zur Faszination für das Werk des Literaturnobelpreisträgers überbrückt nun diesen Spalt, der auch Ausdruck einer politischen Entfremdung von Nord- und Südamerika war, die den Kulturbeziehungen schadete.

          Die politische Haltung von García Márquez ist unwichtig angesichts der literarischen Bedeutung seines Schaffens. Das war auch der Tenor beim peruanischen Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa, einem früheren Weggefährten von García Márquez, der ihm die Freundschaft aufkündigt hatte, weil der Kolumbianer seiner Bewunderung für Castro treu geblieben war. Nun sagte Vargas Llosa, dass die Romane dieses großen Schriftstellers ihn überleben und immer wieder und überall neue Leser finden würden.

          Die größte aller Geschichten für Kolumbiens größte Tochter

          Die chilenische Schriftstellerin Isabel Allende lobte, dass García Márquez Lateinamerika einen Spiegel vorgehalten habe. Sein britischer Kollege Ian McEwan nannte ihn eine Ausnahmeerscheinung: Man müsse bis Charles Dickens zurückgehen, um einen Autor zu finden, der vergleichbare literarische Qualitäten mit einem solchen Publikumserfolg habe verbinden können. In den Reaktionen wird deutlich: Das Werk von Gabriel García Márquez gehört der Welt. Auch wenn es vom größten Sohn Kolumbiens stammt.

          Die größte Tochter dürfte die Popsängerin Shakira sein. Sie bezeichnete das Leben ihres Landsmannes als ein Geschenk für alle Kolumbianer, und man werde es in Erinnerung behalten als die größte aller Geschichten.

          Quelle: FAZ.NET

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