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Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut : Der Kobold, der immer bleiben sollte

Die Autorin und ihr Kobold: Ellis Kaut im Oktober 2005 bei der Eröffnung des Pumuckl-Museums in Ohlstadt bei Garmisch-Partenkirchen Bild: dpa

Ein Kobold, der nur für einen Schreinermeister sichtbar ist, machte sie berühmt. Doch als sie genug von ihm hatte, hatte das Publikum noch lange nicht genug: Zum Tod der Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut.

          Am Anfang hatte ihr Mann ihr diesen Namen gegeben, bei einer Neckerei im Winter 1960/61: „Weißt Du, was Du bist?“, hatte der Journalist Kurt Preis gerufen, als Ellis Kaut an einem Zweig gezogen und so eine Ladung Schnee in seinen Nacken befördert hatte, „ein Pumuckl bist Du!“ Ein Ende hat die Autorin ihrem inzwischen berühmt gewordenen Münchner Kobold aus der Familie der Klabautermänner zwölf Jahre später machen und ihn dorthin zurückschicken wollen, woher er gekommen war - aufs Meer: „Keinerlei Sentimentalitäten, bitte!“ Der Schreinermeister Eder könne nach all den Jahren etwas Ruhe gebrauchen.

          Dem brummig-gutmütigen Handwerker aus dem Lehel war, so hat es sich die am 17. November 1920 in Stuttgart geborene und im Alter von zwei Jahren nach München gekommene Autorin ausgedacht, der kleine Kobold mit dem feuerroten Haar versehentlich auf den Leim gegangen. Woraufhin er für diesen einen Menschen sichtbar werden musste und künftig bei ihm blieb. Seine Fürsorge für ein allen anderen verborgen bleibendes Wesen in Puppengröße machte den Alten zum Sonderling, der noch dazu die sichtbaren Folgen der Erkundungen, Unfälle und Späße seines Gastes zu überspielen, zu erklären und zu ersetzen hatte. Was für eine Arbeit! Was für ein Vergnügen!

          Endlich wieder malen

          Auch die Autorin selbst hätte wohl etwas Ruhe vor ihrer bekanntesten Figur gut gebrauchen können. Direkt nach der Schule hatte Elisabeth „Ellis“ Kaut eine Schauspielausbildung absolviert, später von 1940 bis 1944 an der Münchner Kunstakademie Bildhauerei studiert und sich der bildenden Kunst zeitlebens näher gefühlt als dem Schreiben. Doch vergönnt war ihr die Ruhe nicht: Das Interesse an Pumuckls Abenteuern war immens, nach den bis dahin rund neunzig Hörspielfolgen und zwölf Büchern sollten sie von 1978 an mit mehr als fünfzig Episoden auch ins Fernsehen kommen, 1982 schließlich sogar ins Kino, im Jahr 2005 wurde dem Kobold gar ein Museum in Ohlstadt bei Garmisch-Partenkirchen gewidmet.

          Da war aus Pumuckl längst ein Klassiker geworden, ein Liebling der Kinder über die Generationen hinweg, jenseits aller Moden im Kinderbuchmarkt und auf dem Bildschirm. Im selben Jahr konnte seine Schöpferin ihr Werk endgültig in der Ellis-Kaut-Stiftung, die Kinder zum Lesen verführen will, an die Internationale Jugendbibliothek in München übergeben und sich wieder verstärkt den kreativen Tätigkeiten widmen, die sie erlernt und studiert hatte.

          Das kann nur ein Kobold gewesen sein

          Ihre Schauspielausbildung hatte sie als Sprecherin für Hörspiele und Kindersendungen zum Bayerischen Rundfunk gebracht, ihr Mann hatte sie in der Nachkriegszeit zum Schreiben ermutigt. Die „Geschichten vom Kater Musch“ waren die erste Serie, die sie fürs Radio verfasste, sieben Jahre lang, hundertzwanzig Folgen über eine Katze und ihren Besitzer, den alleinstehenden Schriftsteller Tonerl, der als einziger ihre Sprache zu verstehen vermag. Gerade hatte sich der Sender im Sommer 1961 eine neue Figur gewünscht, als vom Schreibtisch der Schriftstellerin ein Bleistift verschwand.

          Und wieder fügten sich die Dinge - ein Eingriff in die Ordnung des Menschen, der nur einem Kobold zugeschrieben werden konnte, dazu der Name aus dem Winterurlaub und das Motiv des Alten mit einem nur ihm zugänglichen Gast. Schon in der ersten Folge, „Spuk in der Werkstatt“, im März 1962 ein erstes Mal gesendet, hat Hans Clarin dem Kobold seine unverwechselbare Stimme geliehen. Und auch Gustl Bayrhammer gab schon in der Radioproduktion den Meister Eder.

          Der Bauch muss bleiben

          Immer wieder hat es Streit um Pumuckl gegeben - nicht um sein Wesen, sondern um seine Gestalt. Ursprünglich von Barbara von Johnson entworfen, hatte Ellis Kauts Schwiegersohn, der Karikaturist Brian Bagnall die Figur für den Kinofilm neu gezeichnet. Ein jahrelanger Urheberrechtsstreit folgte, der erst im Jahr 2003 mit der Entscheidung endete, dass die Illustratorin auch an der Vermarktung der überarbeiteten Figur zu beteiligen sei. Vier Jahre später ist Barbara von Johnson auf die Idee gekommen, Pumuckl eine Braut zur Seite zu stellen. Ellis Kaut wollte den für deren Gestaltung ausgerufenen Malwettbewerb verhindern - und scheiterte abermals vor Gericht.

          Erst in diesem Sommer hat Pumuckl wieder für Aufregung gesorgt, als die Figur für ein Jubiläumsbuch abermals überarbeitet worden war und befragte Kinder einer schlankeren Gestalt den Vorzug gegeben hatten. Nach einem Sturm der Entrüstung lenkte der Verlag ein. Auch seine Schöpferin fand den neuen Pumuckl „scheußlich“. Dass die weiteren Neuauflagen wieder die vertraute Figur zeigen, wird sie nicht mehr sehen können. An diesem Donnerstag ist Ellis Kaut im Alter von vierundneunzig Jahren nach langer Krankheit in einem Pflegeheim bei München gestorben.

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