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Peter Handke : Eine Frage des Lichts

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Sehnsucht nach Stille und Echtheit: Peter Handke Bild: dpa

Siebzig Jahre feiert der Autor Peter Handke: Über durchsichtige Buchstaben, den Briefwechsel mit seinem Verleger, Reisen an die stillsten Orte der Welt und sein vorerst letztes Buch.

          Die Kunst des Beginnens und immer wieder Neu-Beginnens ist vielleicht seine größte Kunst. Auch jetzt wieder, beim Lesen von Peter Handkes bisher letztem Buch, dem „Versuch über den Stillen Ort“, hat man das Gefühl, dass es wieder so leicht und neu anfängt, wie ein allererstes Werk. Obwohl er mit so tiefem Greisenatem anhebt, dass man beim einleitenden „Lang lang ist es her“ schon an den Beginn von Thomas Manns „Joseph“-Romanen denken kann, kommt doch schon in der dritten Zeile ein schlenkernd selbstbezweifelndes „wenn ich mich nicht irre“ dazwischen, und das neue Erzählen beginnt.

          Am kommenden Donnerstag wird Peter Handke siebzig Jahre alt. Die meisten seiner Bücher lesen sich sehr jung und gegenwärtig und leichtgewichtig. Vor allem im Gegensatz zu den Büchern der mehr als zehn Jahre älteren ewigen Platzherren der deutschen Literatur Walser und Grass fällt es auf. Deren Bücher tragen ja immer die Zentnerlasten eines Lebenswerkes auf den Buchstaben. Und ihr Generationsgenosse Enzensberger inszeniert seine immer neue sprunghafte Fliegender-Roberthaftigkeit manchmal etwas überselbstbewusst. Handke inszeniert auch, klar. Handke ist ein Inszenierungskünstler von den Anfängen in Princeton an.

          Aber seine Bücher lesen sich uninszeniert, ehrlich und direkt. Natürlich ist man als Leser froh, dass die „Jugoslawien-Phase“ vorüber ist, weitgehend vorüber, in der er seine radikale Subjektivität kämpferisch gegen eine ganze Welt in Stellung brachte. In diesem aussichtslosen Kampf musste alle Leichtigkeit verlorengehen. Dass er sie wiedergewonnen hat, ist ein Triumph. Und wenn er jetzt im „Versuch über den Stillen Ort“ beklagt, dass in einem Reiseführer zu den schönsten Toiletten der Welt ausgerechnet die herrlich-stillen serbischen Toiletten unterschlagen wurden, hört man das Lachen des Autors beim Lesen mit.

          Einmal im Leben schimpft er zurück

          Das Buch ist ein Rückzugsbuch, wieder mal. Die meisten Handke-Bücher sind das ja. Blick nach innen, Sehnsucht nach Stille, Weite, echten Wörtern. Man kann das alles jetzt im Briefwechsel mit seinem Verleger Siegfried Unseld nachlesen, der in diesen Tagen erscheint. Seine ganze Poetologie ist darin enthalten, die Geschichte einer Entfaltung. An der Oberfläche wird das Spiel gespielt wie in allen Briefwechseln, die man von Unseld mit seinen Autoren kennt: Der eine (der Dichter Koeppen/Frisch/Bernhard/etc.) fühlt sich verkannt, ungeliebt, missachtet, unter einem Dach mit lauter Trotteln, Nichtskönnern, Aufmerksamkeitssaugern - und der andere (Unseld) leidet, macht alles falsch, lobt falsch, liest falsch, lobt zu spät, zu früh, im falschen Ton, lässt sich beschimpfen, ausnehmen, prügeln, bis es ihm irgendwann einmal reicht.

          Und zwar, so mein Eindruck - reichte es Unseld bei jedem seiner Autoren, die allesamt ihm gegenüber das Sozialverhalten von ungefähr Fünfjährigen an den Tag legten - genau einmal. Einmal im Leben schimpft er zurück. (Legendär nach der missratenen Geburtstagsfeier zu Frischs 60. in New York: „Ein für alle Mal: ein Verleger ist kein Hund!“) Danach ist das Verhältnis zwischen Autor und Verleger meist klarer. Im Falle Handke dauerte es lange, bis sich eine Art kämpferisches Gleichgewicht einstellte. Der 22-jährige Debütant, der da im Sommer 1965 mit seinem ersten Manuskript, den „Hornissen“, vor dem Verleger stand, war doch ein gar zu bleiches, dünnes Bürschchen, als dass der Großkörper Unseld ihn wirklich hätte bemerken können.

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