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Oskar Roehler im Gespräch : Er fiel im Kampf gegen sich selbst

Oskar Roehler in seiner Berliner Wohnung. Bild: Frank Röth

Oskar Roehler hat „Subs“ von Thor Kunkel verfilmt. Ein Gespräch über einen Autor, der mit rechten Gedanken flirtet, Ressentiments und Roehlers Roman „Selbstverfickung“, der demnächst erscheint.

          Herr Roehler, Sie haben gerade die Dreharbeiten zu „Subs“ beendet, eine Verfilmung des Romans von Thor Kunkel. Der hat nicht nur seit Jahren den Ruf, ziemlich ungeniert mit rechten Gedanken zu flirten, er ist zurzeit auch in seinem Hauptberuf als Werber verantwortlich für die Wahlkampagne der AfD. Wie sind Sie auf Kunkel gekommen?

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Kunkel steht auf meiner Agenda seit seinem ersten Roman „Schwarzlicht-Terrarium“, den habe ich vor 15 Jahren gelesen. Ich habe dann auch das deutlich schlechtere Buch „Endstufe“ gelesen. Bei Thor Kunkel besteht eine unglückliche Verquickung von hoher, moderner Intelligenz und einem manchmal trashigen, kolportagehaften Stil, der die Intelligenz beeinträchtigen kann. Ich kenne und schätze ihn, und ein wenig kann ich seine Haltung auch verstehen. Wenn ein Künstler sich in die Politik einmischt, dann geschieht das meist aus gekränkter Eitelkeit.

          Worin genau besteht denn seine Haltung? Liegt sie im Engagement für die AfD, in der Übernahme von deren Positionen?

          Ich habe nun nicht so nachgeforscht wie „Der Spiegel“ zum Beispiel, habe nicht nach jeder Äußerung aus den letzten Jahren gesucht, ich finde diese Art von investigativem Journalismus unanständig. Das hat man bei mir damals, 2010, ja auch versucht, als ich „Jud Süß– Film ohne Gewissen“ drehte – mir nachzuweisen versucht, dass ich ein Nazi oder so ein Scheiß bin. Das geschah am Ende aus purer Boshaftigkeit.

          Was ist denn an einer genauen Recherche nach seiner politischen Position unanständig, wenn Kunkel für die AfD tätig wird? Das ist doch eine öffentliche Angelegenheit.

          Aber der „Spiegel“ hat ja bis ins letzte Detail seine Werke und Briefe durchforstet, um irgendetwas zu finden. Gut, wer sein Leben damit verbringen will, Leute an den Pranger zu stellen, soll das ruhig machen.

          Könnte es sein, dass das Dubiose, das Kunkel anhaftet im Kulturbetrieb, Sie eher auf seine Seite getrieben hat?

          Nein, überhaupt nicht. Die Initialzündung war sein erster, wirklich großartiger, lebenspraller und sehr intelligent geschriebener Roman. Diese Bestandsaufnahme von Frankfurt in den späten Siebzigern. Er ist dann an mich herangetreten wegen einer Verfilmung von „Subs“. Ob Thor Kunkel nun ein Rechter ist? Ich würde das mit Ja beantworten. Was ist daran so schlimm? Wenn ich ein Ranking hätte, welche Partei bei mir an letzter Stelle steht, dann hätte ich zwei, nicht nur die AfD, sondern auch die Grünen, die genauso ein Getöse veranstalten. Das nimmt sich für mich nichts. Wenn man Teil des Establishments ist, wird man keine Werbung für die AfD machen, dazu ist man zu schlau. Aber Thor ist eben nicht Teil des Establishments. Deshalb leistet er sich das. Er hat eh nichts zu verlieren, wie manche Leute, die einem vorkommen wie die Verkörperung der political correctness. Der Unterschied zwischen Thor und diesen Leuten ist, dass sie sehr wohl etwas zu verlieren haben, sei es ihren Job im Sender oder ihre Limo, die sie morgens in den Reichstag fährt, oder ihren gutbezahlten Job in der Redaktion. Aber ich frage Sie: Was ist so wichtig daran, dass Thor Kunkel, den kaum einer kennt und der in der offiziellen Literaturszene kaum Relevanz hat, für die AfD Werbung macht? Wäre es Martin Walser, dann verstünde ich das Tamtam.

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