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Veröffentlicht: 11.06.2013, 11:23 Uhr

Nach Mordaufruf Autor Hamed Abdel-Samad abgetaucht

Nach seinem islamkritischen Vortrag in Kairo haben Islamisten zum Mord an dem deutsch-ägyptischen Publizisten Hamed Abdel-Samad aufgerufen. Er ist abgetaucht.

© dpa Hamed Abdel-Samad

Der deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad ist nach Todesdrohungen gegen ihn abgetaucht. Der Publizist wurde mit der sogenannten Fatwa belegt, radikale Islamisten rufen zu seiner Ermordung auf. „Hamed Abdel-Samad nimmt den Mordaufruf ernst und ist derzeit untergetaucht“, teilte sein Verlag Droemer Knaur in München mit.

Abdel-Samad, der 1972 in Ägypten als Sohn eines Imams geboren wurde, wurde neben seinen Büchern auch durch die Fernsehserie „Entweder Broder - Die Deutschland-Safari“ an der Seite von Henryk M. Broder bekannt.

Nach einem islamkritischen Vortrag in Kairo in der vergangenen Woche hatten Assem Abdel Maged, ein führendes Mitglied der radikalen ägyptischen Gruppe Al-Gamaa Al-Islamija, und der Salafist Mahmud Schaaban den Autor in einer Sendung des Fernsehsenders Al-Hafes zum „Ungläubigen“ erklärt. Zahlreiche Internetseiten der Salafisten und Muslimbrüder zeigten nach Verlagsangaben das Bild des Autors mit der Überschrift „Wanted Dead!“.

Abdel-Samad sieht Verbindungen zu Mursi

Abdel-Samad, der sich in Büchern wie „Der Untergang der islamischen Welt“ und „Krieg oder Frieden: Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens“ kritisch mit dem Islam auseinandersetzt, hatte seinen Vortrag in Ägypten auf Einladung der Bewegung der „Säkularen“ gehalten. In der Rede erklärte er, die Eroberung der Stadt Mekka durch die Anhänger des Propheten Mohammed habe die Saat gelegt, aus der später der „religiöse Faschismus“ entstanden sei.

Die „Säkularen“ haben inzwischen Anzeige gegen die radikalen Islamisten erstattet, die zur Ermordung des Autors aufrufen. Abdel-Samad selbst geht davon aus, dass die Hetzkampagne gegen ihn dem Umfeld des ägyptischen Staatspräsidenten Mohammed Mursi entspringt. „Abdel-Maged ist in meinen Augen ein enger Verbündeter von Mursi“, sagte Abdel-Samad im „Spiegel Online“-Interview vor wenigen Tagen. „Ich finde es unhaltbar, dass Mursi es nicht verurteilt, wenn im ägyptischen Fernsehen offen und mehrfach zum Mord gegen eine Person aufgerufen wird.“

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Im Interview forderte er auch die Bundesregierung auf, einzugreifen. „Als deutscher Staatsbürger erwarte ich zugleich von Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Westerwelle, dass sie den Aufruf aufs Schärfste kritisieren und Präsident Mursi dazu aufrufen, ihn ebenfalls zu verurteilen.“

Sein Verlag zeigte sich schockiert über die Morddrohungen und sagte dem Autor jede Unterstützung zu. „Denn wenn es eines braucht in dieser Lage, dann kritische Aufklärung, und für die steht Hamed Abdel-Samad nicht nur in Deutschland, und für die wird er nun mit dem Tod bedroht“, sagte Margit Ketterle, Verlagsleiterin bei Droemer Knaur.

Bundesregierung erwartet Distanzierung

Das „Börsenblatt“, die Zeitschrift für Mitglieder des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, hat den Menschenrechtsbeauftragen der Bundesregierung, Markus Löning, um eine Stellungnahme gebeten. Seine Antwort: „Der öffentliche Mordaufruf gegen Herrn Abdel Samad ist durch nichts zu rechtfertigen. Ich erwarte, dass sich die ägyptische Regierung deutlich und unmissverständlich davon distanziert. Ich fordere die ägyptische Regierung auf, Meinungs- und Religionsfreiheit zu garantieren und die Sicherheit von Herrn Samad zu gewährleisten.“

Der Geschäftsträger der ägyptischen Botschaft sei am 10. Juni zu einem Gespräch im Auswärtigen Amt gewesen. „Dem Geschäftsträger wurde erklärt“, schreibt das Auswärtige Amt laut „Börsenblatt“, „dass die Bundesregierung den Mordaufruf gegen den Publizisten Abdel Samad in aller Schärfe verurteilt und die ägyptischen Behörden dazu aufruft, die Veröffentlichung und Ausstrahlung von Mordaufrufen zu unterbinden.“

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