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Prix Goncourt an Mathias Enard : Syrien im Sinn

Der glückliche Gewinner wird sofort umringt: Mathias Enard Bild: AFP

Nachdem die Romane des Algeriers Boualem Sansal und des Tunesiers Hédi Kaddour überraschend aus dem Rennen genommen worden waren, wurde der Weg frei für einen Außenseiter: Mathias Enard erhält den Prix Goncourt.

          Mehrere Juroren der Académie Goncourt hatten in den vergangen Tagen ausdrücklich angekündigt, dass sie bei der Vergabe ihres Romanpreises eine „literarische Entscheidung“ fällen würden. Denn dieser sind viele politische Scharmützel vorausgegangen. Eine Vorentscheidung fiel beim Gastspiel in Tunis, wo die Goncourts ausgerechnet Boualem Sansals „2084“ aus dem Rennen nahmen. Dass nach dem überraschenden Ausscheiden des algerischen Schriftstellers auch dessen tunesischer Kollege Hédi Kaddour nicht zum Zuge kommen würde, war zu erwarten, nachdem die Académie Française gerade erst beiden zusammen ihren Romanpreis verlieh. Damit wurde der Weg frei für den Außenseiter Mathias Enard, dessen „Boussole“ (Kompass) im Verlag Actes Sud erscheint, der erst zum dritten Mal in seiner Geschichte den Goncourt bekommt.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          „Boussole“ ist ein vielschichtiges Werk, in dem es um Sprachen, Kulturen, Epochen, um Menschen und Städte wie Teheran, Istanbul, Damaskus, Aleppo geht. Der Roman ist Syrien gewidmet; seine Hauptfigur ist ein in Wien lebende Musikwissenschaftler Franz Ritter. Ritter befasst sich mit dem Einfluss der Türkei auf die europäische Musik, während seiner schlaflosen Nächte frönt er seinen orientalischen Obsessionen. Énards anspruchsvoller Roman wird auf Deutsch im August nächsten Jahres bei Hanser Berlin erscheinen.

          Der gleichzeitig vergebene Prix Renaudot geht an Delphine de Vigan. „D’après une histoire vraie“ (Nach einer wahren Geschichte) ist ein psychologischer Thriller und steht bereits an erster Spitze der Bestsellerlisten, von der ihn Mathias Enard nur schwer wird verdrängen können.

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