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Martin Walser zum 85. Geburtstag : Ein Lustwandler seiner Ausdruckswelt

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Sieben Eichen stehen in seinem Garten: Der Schriftsteller Martin Walser vor wenigen Tagen am Ufer des Bodensees Bild: Frank Röth

Seit einem halben Jahrhundert ist er unser Gewährsmann für Liebe, Ehe, Glaube und deutsche Befindlichkeiten: An diesem Samstag wird Martin Walser fünfundachtzig Jahre alt. Und er zeigt keinerlei Müdigkeit.

          Bruno, der Appenzeller Sennenhund, lässt sich auch durch persönliche Anrede nicht beruhigen. Nur weil ein Besucher seinen Namen kennt, kann der darum noch lange nicht einfach so zur Gartentür hereinspazieren. Einzig der graue Bart rund um sein lautes, hörbar empörtes Bellen verrät, dass Bruno nicht mehr der Jüngste ist.

          Martin Walser at eighty-five. Das ist ein Zustand, kein Ereignis. Jedenfalls für ihn. „Die Kriege sind vorbei, die Kämpfe haben erst begonnen“, hat er heute vor zehn Jahren im Tagebuch notiert. Das war in dem Frühjahr, da „Tod eines Kritikers“ erschien. Es scheint viel länger her zu sein. Seither sind nicht weniger als vier Romane von ihm erschienen (“Der Augenblick der Liebe“, „Angstblüte“, „Ein liebender Mann“, „Muttersohn“), eine Novelle (“Mein Jenseits“), drei umfangreiche Tagebuchbände (die Zeit von 1951 bis 1978 umfassend), 39 Balladen (“Das geschundene Tier“) und mehrere Essays. Und jenseits dieser beeindruckenden Produktivität zeichnet sich eine Hinwendung, ja Hinlenkung des Schriftstellers zum Existentiellen ab, die von seinen früheren Themen nicht wegführt, aber diese vertieft, bekräftigt, immer aufs Neue beglaubigt.

          Gleich drei neue Bücher

          Jede Veröffentlichung sei absolut, hat Walser einmal gesagt. Dass er diesen Anspruch nicht nur ans geschriebene, sondern auch ans gesprochene Wort stellt, macht Begegnungen mit ihm so besonders: Man weiß nie, auf welchen Martin Walser man treffen wird. An diesem sonnigen Dienstag im März ist es ein offener, sanfter, seine Sätze nachdenklich wägender. Es liegt ein stiller Friede über dem Haus am Bodensee, wo die Familie seit gut fünfzig Jahren lebt, auch wenn unentwegt das Telefon klingelt, Pakete eintreffen und Walsers Frau Käthe und seine Tochter Johanna geschäftig ihrem Tag nachgehen.

          Gerade ist sein Essay „Über Rechtfertigung“ in Buchform erschienen: Martin Walser am Schreibtisch zu Hause in Nußdorf

          Gerade ist „Über Rechtfertigung - Eine Versuchung“ in Buchform erschienen, Walsers an der Universität Harvard gehaltene Rede zum 9. November, jener große Aufsatz, in dem er sich eindringlich und unter Beschwörung von Geistesbrüdern wie Augustinus von Hippo, Karl Barth und Friedrich Nietzsche mit dem Ur-Mangel des „Gottesnotwendigkeitsbeweises“ auseinandersetzt. Aus gegebenem Anlass ist soeben außerdem der Band „Meine Reisen“ herausgekommen, der Tagebuchaufzeichnungen des Schriftstellers von unterwegs bündelt, sowie ein Buch mit Gesprächen über „Mein Jenseits“, in dem sich Theologen wie Konrad Hilpert und Ottmar Fuchs sowie der Schriftsteller Arnold Stadler über ihre Leseerfahrungen mit der Novelle äußern.

          Er bleibt sich treu, ohne sich zu wiederholen

          Wir steigen hinauf ins Arbeitszimmer. Im Regal hinter dem Schreibtisch dicht an dicht die Kladden der Tagebücher, wie alles von Hand geschrieben. Von der Wand blickt Emanuel Swedenborg herab. Seit wann der Mystiker dort hängt, weiß Walser nicht mehr, auch nicht, woher er das Bild hat. Aber er ist durchaus einer seiner Schutzpatrone: „Von ihm ist dieser Satz: Die Irrtümer sind von mir, aber die Wahrheiten nicht.“ Gegenüber, neben dem großen Fenster, das auf den See hinausgeht, hängt das Gemälde der silbrig-blauen Silhouette eines Paares. Es schaut vom Betrachter weg auf einen See: Martin Walser und seine Frau. „Das ist am Lake Travis in Austin. Alissa hat es nach einer Fotografie gemalt.“ In Austin, Texas, war Walser im Herbst 1973 Gastdozent.

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