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Kanadische Autorin : Margaret Atwood erhält Friedenspreis

Margaret Atwood im Juni 2015 in Toronto Bild: AP

Die Wahl der kanadischen Schriftstellerin soll eine politische Entscheidung für eine weltweit populäre Autorin sein. Doch es ist eine zweifelhafte Wahl, gerade angesichts des konkreten Engagements der vorherigen Preisträger.

          An diesem Dienstagmittag ist vom Börsenverein des Deutschen Buchhhandels bekanntgegeben worden, dass Margaret Atwood in diesem Jahr mit dem Friedenpreis ausgezeichnet wird. Sie erhält ihn am 15. Oktober in der Frankfurter Paulskirche. Ihr berühmtestes Buch, der Roman „Der Report der Magd“, erschienen 1985, schließt mit dem Satz: „Gibt es noch irgendwelche Fragen?“ Zahlreiche.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Dass der diesmalige Friedenspreisträger nach zuletzt zwei Deutschen (Carolin Emcke und Navid Kermani) aus dem Ausland und wohl vom amerikanischen Kontinent stammen würde, war absehbar. Zu stark hat Donald Trumps Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten das Sicherheitsgefühl der westlichen Welt erschüttert. Atwood ist allerdings Kanadierin, und das ist weniger spektakulär, als wenn man einen mexikanischen Preisträger bestimmt hätte. Aber auch in den Vereinigten Staaten selbst hätte es geeignete Kandidaten gegeben – Teju Cole etwa oder Colson Whitehead, dessen gefeierter Roman „Underground Railroad“ bald auf Deutsch erscheinen wird. Als literarische Repräsentanten eines selbstbewussten schwarzen Amerikas hätte solch eine Wahl mehr überzeugt.

          Atwood erhält den Friedenspreis aber nicht nur für ihre öffentlich geäußerte Kritik an Trump, sondern auch als namhafteste Vertreterin eines literarischen Feminismus. Gleich ihr erster Roman nach zuvor sieben Gedichtbänden, „Die essbare Frau“ von 1969, hatte sich der Geschlechterungleichheit gewidmet, und in den zahlreichen dystopischen Büchern von Margaret Atwood spielt das Thema bis heute eine prominente Rolle. Ob die feministische Position, wie sie die siebenundsiebzig Jahre alte Schriftstellerin in ihren Buchfiktionen vertritt, jedoch heute noch als zeitgemäß gelten darf, ist zweifelhaft.

          Wunderbar, aber weltfremd

          Mit ihr zeichnet der Börsenverein vor allem eine Autorin aus, die beim breiten Publikum bekannt ist und deren Bücher seit jeher Verkaufsschlager sind – zumindest im Vergleich mit denen der meisten anderen bisherigen Preisträger. Das wird den Mitgliedern der Börsenvereins, den Buchhändlern, gefallen, den Verlagen Berlin und Knaus, wo in diesem Frühjahr jeweils neue Romane der Preisträgerin erschienen sind, auch. Aber gegenüber den aus unterschiedlichsten Aspekten hochpolitischen Entscheidungen der Vorjahre – man denke nur an die Auszeichnungen für Liao Yiwu oder Swetlana Alexijewitsch – ist die diesjährige eine bestenfalls halbgare.

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          Nicht bezüglich der Persönlichkeit Margaret Atwoods, sie ist moralisch unanfechtbar. Aber im Hinblick auf die derzeit zweifellos nötige intellektuelle Kampfbereitschaft. In einem ihrer wenigen thetischen Bücher, dem 2008 erschienenen Vortragszyklus „Payback“, den sie dem Phänomen der Schuld widmete, schrieb sie: „Das Mittel gegen Rache ist nicht Gerechtigkeit, sondern Vergebung.“ Und sie imaginierte einen amerikanischen Präsidenten, der nach den Attentaten vom 11. September 2001 nicht dem Terrorismus den Krieg erklärt, sondern erklärt hätte: „Wir wollen die Kette der Rache durchbrechen und der Spirale der Gewalt ein Ende setzen. Deshalb verzeihen wir.“ Eine christliche, wunderbare Vorstellung, aber weltfremd.

          „Schriftsteller“, so Margaret Atwood im selben Buch, „schreiben über das, was sie beunruhigt, sagt Alister MacLeod. Und auch darüber, was sie verwirrt, würde ich hinzufügen.“ Das merkt man den Büchern der Friedenspreisträgerin oft an. Die Entscheidung für sie verwirrt selbst.

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