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Liebesbrief an J. K. Rowling Ich kann es kaum erwarten

 ·  Am 27. September erscheint „Ein plötzlicher Todesfall“, der neue Roman von J. K. Rowling, in einer unfassbar hohen Auflage. Mehr weiß man nicht. Daher haben wir den Jugendbuchautor John Green gebeten zu spekulieren, um was es gehen könnte.

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© dpa Das Wunder ist das Weiterschreiben: J. K. Rowling

Liebe J. K. Rowling,

ich hatte das Glück, dass mein Leben von Romanfiguren geprägt wurde, von Oskar Matzerath bis Holden Caulfield, aber von allen ist es Ihr Harry Potter, der mein Leben am stärksten verändert hat. Zum einen, natürlich, wegen seiner Geschichte: Ich war gerade mit dem College fertig, als meine Freundin Shannon mir die ersten zwei Bände der Serie gab. Ich habe sie in ein paar Tagen weggehauen. Ich habe Harrys zaghaftes Heldentum geliebt und mich wiedergefunden in seiner totalen Unfähigkeit, mit Mädchen zu reden, obwohl er 13 und ich 22 war.

Währenddessen waren Sie damit beschäftigt, die Buchwelt zu verändern, von New York über München bis Peking. Leute, die Bücher machen und verkaufen, wollten plötzlich Bücher für und über Teenager haben und glaubten daran, dass diese Bücher ein größeres Publikum erreichen könnten. Die „New York Times“ legte eine eigenständige Bestsellerliste für solche Bücher an, weil Ihre die Liste für Erwachsene dominierten, zur großen Bestürzung der „richtigen“ Autoren. Die Potter-Romane ebneten den Weg für viele andere Bücher, nicht nur für die über Zauberschulen oder magische Kräfte, auch für Werke von Autoren wie M. T. Anderson und Markus Zusak und Janne Teller. Und mir.

Es liegt nur an Ihnen, dass meine Bücher so veröffentlicht werden können, wie ich sie veröffentlichen will (als Bücher für junge Erwachsene) und gelesen werden können von den Lesern, die ich mir wünsche (alle). Wenn Sie nicht von Harry Potter geschrieben hätten, wären meine Bücher sicher keine Bestseller geworden, vielleicht würde es sie gar nicht geben. Hunderte Autoren könnten das Gleiche sagen. Aber Ihr Einfluss reicht viel weiter: Bands wie Harry and the Potters und Draco and the Malfoys touren um die Welt und singen Lieder über Hogwarts. Vor ein paar Monaten, mehr als fünf Jahre, nachdem der letzte Teil herauskam, war ich einer von 4000 anderen Harry-Potter-Fans bei Leakycon 2012, einer Konferenz, die zur Feier der Welt abgehalten wird, die Sie für uns geschaffen haben.

Ich habe eine Ahnung von dem Druck bekommen, unter dem ein Autor stehen kann, wenn er vom Erfolg gestreift wird. Ich habe erlebt, wie verzweifelt Leser das nächste Buch wollen, wie von seinem Erfolg Jobs abhängen, wie die ständigen Nachfragen von Verlegern und Lesern und Journalisten einem jeden Spaß am Schreiben nehmen können. Oft schadet das der Qualität der Arbeit. Manchmal bringt es Autoren - ich denke da an Salinger und Harper Lee - dazu, sich komplett aus dem Business zurückzuziehen. Aber wie sich zeigte, war jedes Potter-Buch besser als das davor, und Sie sind Ihrer Vision für diese Serie treu geblieben. Außergewöhnliche Einbildungskraft war nötig, Harrys Zauberwelt heraufzubeschwören, aber viel beeindruckender ist, wie Sie es bei all dem Druck schafften, Harry und seine Freunde sicher ans Ende ihrer Reise zu begleiten.

Und jetzt haben Sie, ohne jede Geldnot und im klaren Bewusstsein, dass Ihre Bücher nie wieder so erfolgreich werden können wie die über Harry Potter, etwas getan, das alles andere in den Schatten stellt: Sie haben weitergearbeitet. Ich kann es kaum abwarten, „Ein plötzlicher Todesfall“ zu lesen, und ich gehe davon aus, dass ich es großartig finden werde. Aber selbst wenn nicht, bewundere ich Sie dafür, weiterzumachen, auch wenn Sie es gar nicht nötig hätten. Kurt Vonneguts Schwester hat ihm einmal gesagt, dass ein Talent zu haben nicht bedeutet, es auch nutzen zu müssen. Wohl wahr. Aber ich bin dankbar dafür, dass Sie sich entschieden haben, Ihres weiter zu nutzen. Dankeschön.

Ihr John Green

Übersetzung: Tobias Rüther

Quelle: F.A.S.
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