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Lewitscharoff über künstliche Befruchtung : Halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas

Sibylle Lewitscharoff Bild: dpa

Rettungslos verrannt: Die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff hat Kindern, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind, den Status von „Halbmenschen“ zugesprochen.

          Sibylle Lewitscharoff erhielt im letzten Jahr den Büchner-Preis, die wichtigste literarische Auszeichnung Deutschlands. Er ehrt laut Satzung Schriftsteller und Dichter, „die in deutscher Sprache schreiben, durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben.“

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Für Sibylle Lewitscharoff gelten zweifellos alle drei Kriterien, doch betreffs des letzten möchte man sich seit vergangenem Sonntag  wünschen, dass es nicht so wäre. Da hielt sie im Dresdner Staatsschauspiel eine sogenannte „Dresdner Rede“, als Teil einer Reihe prominenter Intellektueller, die sich zu Fragen der Zeit äußern. In dieser Rede führte sie zu Kindern, die mittels künstlicher Befruchtung gezeugt worden sind, aus: „Nicht ganz echt sind sie in meinen Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas.“ Diese Aberkennung der vollständigen Menschenwürde durch Lewitscharoff hat das Dresdner Schauspiel, Mitorganisator der Veranstaltung, jetzt zu einem Offenen Brief provoziert, in dem es heißt: „Man muss sehr viel Selbstbeherrschung aufbringen, um sich vom Sprachduktus nicht an Zeiten zu erinnert zu fühlen, in denen eine solche Wortwahl dazu diente, die Würde des Menschen antastbar zu machen.“

          Wild durcheinander

          Sibylle Lewitscharoff hatte ihren Satz im Kontext des  Kinderwunsches homosexueller Paare geäußert und das Umsetzen dieses Verlangens mittels Samenspende und Implantierung eines Embryos in die Gebärmutter einer Frau als für sie „absolut widerwärtig“ bezeichnet, ihr kämen dabei die „Kopulationsheime“ der Nationalsozialisten in den Sinn. Warum nahm sie aber dann deren Sprachgebrauch auf und redete von „halben Menschen“? An anderer Stelle in der Rede sprach sie sich wiederum gegen pränatale Diagnostik aus – wegen des daraus resultierenden sozialen Drucks auf werdende Mütter, ihre als behindert diagnostizierten Kinder abtreiben zu lassen.

          In der Rede gehen also eugenische Terminologie wie die „Halbmenschen“ und gegen Eugenik gerichtete Passagen wild durcheinander. Sibylle Lewitscharoff ist bekannt für meinungsstarke und polemische Äußerungen. In Dresden hat sie sich damit rettungslos verrannt.

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