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Krimiautorin Nele Neuhaus : Wurst und Mord und Totschlag

  • -Aktualisiert am

Nele Neuhaus in ihrem Wohnzimmer im hesssichen Kelkheim Bild: Helmut Fricke

Ihr Erstlingswerk verfasste sie mit fünf. Als junge Frau schrieb sie unverdrossen neben Pferdetraining und Arbeit in der Wurstfabrik ihres Ehemannes weiter. Inzwischen ist Nele Neuhaus eine der erfolgreichsten deutschen Krimiautorinnen.

          Es ist gefährlich, eine Geschichte über Nele Neuhaus zu schreiben: Tausende Männer und Frauen, die auch eine Idee für einen Roman haben oder sogar ein fertiges Manuskript in der Schublade, könnten es ihr gleichtun wollen. Und scheitern. Denn was Nele Neuhaus gemacht hat, konnte eigentlich nicht gutgehen.

          Schon als Kind verfasste sie Texte, ihr Erstlingswerk schrieb sie mit fünf, es war irgendetwas über Eulen. Das folgende Werk der frühen und lebenslangen Pferdenärrin trug den Titel „Jessica - Abenteuer im Reitstall“, war mit dem Pelikan-Füller geschrieben und füllte etliche Schulhefte. Ihr nächstes Produktionsmittel, eine gelbe Reiseschreibmaschine, wurde unaufhörlich traktiert, die kleine Nele (eigentlich Cornelia) verfasste Geschichten am laufenden Farbband, von denen die meisten ihr Ende im Papierkorb fanden.

          Dem Schreiben blieb sie auch treu, als sie nach dem Abitur als Sekretärin zu arbeiten begann. „Unerschütterlich schrieb ich immer weiter“, erzählt sie auf ihrer Homepage, „für die Schublade und meistens auch, ohne ein Ende hinzubekommen.“ Ihre Geschichten hatte sie damals noch nicht sorgsam bis zum Schluss durchkonstruiert, wie sie es heute tut. Schreiben war für sie „Urlaub im Kopf“.

          Anfangs organisierte sie ihre eigenen Buchpremieren

          Auf einem Reitturnier lernte die Zweiundzwanzigjährige 1988 Harald Neuhaus kennen, einen Metzgermeister und Kaufmann, der in Schwalbach am Taunus eine Wurst- und Fleischfabrik betreibt. Neuhaus' Name hat unter den hessischen Springreitern einen guten Klang. Allein mit seinem Hengst Priamos hat er 295 Siege und Plazierungen in Springen der Klassen L und M errungen, die Pokale im Wohnzimmer des Paares in Kelkheim künden davon.

          1000 Seiten der Tagesarbeit abgetrotzt

          Nele Neuhaus' Leben bewegt sich von jetzt an - die beiden heiraten 1995 - zwischen der Wurstfabrik mit ihren rund 20 Beschäftigten, wo sie vor allem im Verkauf mithilft, und dem Reitstall, wo sie die zeitweise bis zu acht Pferde ihres Mannes trainiert. In jeder freien Minute schreibt sie. Ihr Mann hält das für pure Zeitverschwendung. Er wird sich täuschen.

          Im Jahr 2000 hat sie ihr erstes Manuskript fertig, 1000 Seiten der Tagesarbeit abgetrotzt. „Unter Haien“ spielt in New York im Milieu der Investmentbanken, die Heldin gerät in Todesgefahr, der Stoff erinnert ein wenig an Grisham. Nele Neuhaus schickt ihren Erstling an sechs, sieben Verlage. Die einzige positive Resonanz kommt von einem Bezahlverlag, der für die Veröffentlichung 60.000 Mark verlangt.

          Sie überarbeitet den Text noch einmal, kürzt ihn, lektoriert ihn mit Hilfe ihrer Schwester Camilla. Und stößt auf den Verlag Monsenstein & Vannerdat, wo sie die Produktion ihres Buches in Auftrag gibt. Sie will nicht das klassische Book on Demand, also die Herstellung eines Exemplars bei Bestellung, sondern eine richtige Auflage. Sie investiert 3500 Euro und bestellt 500 Stück. Die stapeln sich in ihrer Garage. Der Verkaufspreis liegt immerhin bei 16,90 Euro.

          Und jetzt beginnt die eigentliche Nele-Neuhaus-Geschichte. Die zupackende junge Frau mit dem eruptiven Lachen tut, was sie seit eh und je getan hat: Sie krempelt die Ärmel auf. Sie wendet sich als Erstes an die örtliche Presse. Die „Kelkheimer Zeitung“ und das „Höchster Kreisblatt“ bringen freundliche Artikel über die Tochter des ehemaligen Landrats des Main-Taunus-Kreises, Bernward Löwenberg, einen CDU-Mann.

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