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Inge Deutschkron zum Neunzigsten : Zwischen Israel und Deutschland

Die Journalistin und Schriftstellerin Inge Deutschkron Bild: dpa

Die Lebensgeschichte der deutsch-jüdischen Journalistin Inge Deutschkron ist zugleich hochdramatisch und hocherfreulich. An diesem Donnerstag wird sie neunzig Jahre alt.

          Als Inge Deutschkron sich ins Bewusstsein der Deutschen schrieb, war sie schon Mitte fünfzig, und dass sie noch lebte, war ein Wunder. Die 1922 in Finsterwalde geborene Tochter einer jüdischen und sozialdemokratisch engagierten Lehrerfamilie war mit ihrer Mutter 1939 in Berlin zurückgeblieben, als dem Vater die Flucht nach England gelang. Wie es sowohl Mutter als auch Tochter gelang, die Vernichtung in Hitlers Hauptstadt zu überleben, das ist eine Geschichte, die in wenigen Zeilen nicht zu erzählen ist - hochdramatisch und hocherfreulich.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Hocherfreulich nicht nur des schieren Faktums des Überlebens wegen, sondern weil die Deutschkrons Hilfe unter der Bevölkerung fanden. In ihrem weiteren Leben aber nahm Inge Deutschkron ihr Schicksal in die eigene Hand, und sie machte keine Kompromisse. War ihre Jugendzeit politisch, nicht religiös bestimmt gewesen (weshalb ein Dokumentarfilm über ihren Lebensweg den Titel „Auf einmal war ich jüdisch“ trägt), verband sie nun beides miteinander und wurde eine streitbare Propagandistin des jungen Staates Israel. Das war ihr die Zukunft. Doch die Vergangenheit sollte nicht ruhen: Als Journalistin, deren Weg sie 1955 aus England, wo sie studiert hatte, wieder nach Deutschland zurückgeführt hatte, widmete sie sich Geschichtsvergessenheit und bedenklichen Kontinuitäten in ihrer Heimat.

          Kämpfen für Israel

          Sie arbeitete als Korrespondentin der israelischen Tageszeitung „Maariw“. Und als in Frankfurt 1963 der Auschwitz-Prozess begann, der Startschuss für eine neue Qualität in der deutschen Aufarbeitung der Schoa, war Inge Deutschkron täglich im Gerichtssaal. Als Berichterstatterin einer israelischen Zeitung war ihr selbst dabei Aufmerksamkeit sicher, oft mehr, als ihr lieb war.

          Sie ist eine engagierte Kämpferin für Israel geblieben, dessen Staatsangehörigkeit sie 1966 erhielt. Sechs Jahre später wanderte sie dorthin aus, als der überzeugten Sozialistin die in Deutschland zunehmende linke Kritik an der israelischen Politik zu viel wurde. Zurück kam sie erst 1988, zehn Jahre nachdem ihre Autobiographie „Ich trug den gelben Stern“ zu einem der größten Erfolge der deutschen Memoirenliteratur geworden war. Seitdem teilt sie ihr Leben zwischen Israel und Deutschland auf.

          In beiden Ländern ist die Journalistin hochgeachtet, doch darauf ruht sie sich nicht aus. Vor sechs Jahren gründete sie in Berlin eine nach ihr benannte Stiftung, die jungen Menschen Kenntnisse über die Zeit des Nationalsozialismus vermitteln will. Am kommenden Donnerstag wird Inge Deutschkron neunzig Jahre alt. Masel tov! Wir brauchen sie.

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