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Im Gespräch: Tina Fey, Fernsehkomikerin Wir machen Witze darüber und dürfen das auch

 ·  Gerade erschien „Bossypants“ auf deutsch, die Autobiographie von Tina Fey, Erfinderin der Serie „30 Rock“. Ein Interview über die komischen Seiten der Frauen und die weichen Seiten der Männer.

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© REUTERS Tina Fey: „Sind Frauen komisch? Natürlich sind sie das.“

Als Ihre Autobiographie „Bossypants“ voriges Jahr erschien und ein riesiger Erfolg wurde, dachte ich: Das Buch wird bestimmt kein deutscher Verlag übersetzen, wegen der miesen Quoten Ihrer Fernsehserie „30 Rock“ bei ZDFneo.

Die lagen bei null.

Aber falsch gedacht, heute kommt „Bossypants“ auf Deutsch heraus. Wie ist das für Sie? Die Familie Ihres Vaters kommt ja ursprünglich aus Deutschland.

Toll, aber auch seltsam, weil ich das Buch gar nicht lesen kann. Man hat mich zwar gefragt, ob ich die Übersetzung korrigieren möchte, aber mein Deutsch ist so minimal - ich hätte überhaupt nicht gewusst, was richtig ist und was nicht.

Wie weit zurück reichen Ihre deutschen Wurzeln eigentlich?

Mein Urgroßvater kam vor dem Ersten Weltkrieg nach Amerika. Er war Spielzeugmacher, aber als der Krieg ausbrach, sind viele deutsche Geschäfte eingegangen, weil die Leute bei ihnen nicht mehr einkaufen wollten. Auch mein Urgroßvater hat seinen Laden verloren, wurde Kellner und blieb das sein Leben lang.

Ihr Verlag hat der deutschen Ausgabe einen Untertitel gegeben: „Haben Männer Humor?“ Das spielt offenbar auf Christopher Hitchens an, der mal in einem Artikel für „Vanity Fair“ versucht hat nachzuweisen, dass Frauen nämlich keinen haben.

Stimmt, und wir wollten die Frage andersherum stellen. Man hört ja sonst die ganze Zeit: Sind Frauen komisch? Sind Frauen komisch? Natürlich sind sie das.

Sie erzählen in „Bossypants“ von Ihrem Weg an die Spitze der Humorbranche, in der Männer das Sagen haben und Frauen Nebenrollen spielen. Waren die Geschlechterkonflikte der Anstoß für das Buch?

Ich hatte Glück. Die Frauen vor uns hatten es da viel schwerer, wir haben es jetzt ein bisschen besser, wir verdienen zwar immer noch keine zwanzig Millionen Dollar pro Film wie die Männer, aber die Dinge ändern sich. Es stimmt, der rote Faden meines Lebens war definitiv, dass ich immer in einem Umfeld gearbeitet habe, in dem die Männer dominieren.

Kann es nicht sein, dass auch Männer bei diesem Wandel mitgeholfen haben? Wenn ich mir Komiker wie Will Ferrell oder Paul Rudd anschaue, mit denen Sie schon gespielt haben, dann sind das doch andere Typen als früher Leslie Nielsen oder John Belushi.

Wie meinen Sie, dass die sich verändert haben? Dass sie weicher geworden sind?

Sie sind sensibler, neurotischer, körperbewusster, fast würde ich sagen: femininer, aber das wäre wieder ein Klischee.

Interessant. Und denken Sie, dass Frauen neuerdings das Gegenteil tun und krasser geworden sind?

Zumindest bei der Frau ist das so, die Sie in „30 Rock“ spielen, die Fernsehproduzentin Liz Lemon. Die ist am Ende nicht anders als ihre Kollegen in der Show, sie schreibt Pupswitze, sie liebt „Star Wars“ und Fast Food . . .

An Liz kann man gut erkennen, dass Männer und Frauen oft das Gleiche mögen und lustig finden. Ich wollte mit dieser Figur sagen: Ja, wir Frauen sind Nerds. Wir mögen „Star Wars“, und manchmal sagen wir krasse Sachen. Aber ich will nicht nur über Sex und Stuhlgang reden, um hart zu wirken. Im Film „Brautalarm“ gibt es eine Szene, in der Frauen bei der Kleideranprobe Durchfall bekommen. Tun wir doch nicht so, als könnte Frauen das nicht passieren! Wir machen Witze darüber und dürfen das auch. Das ist ein großer Unterschied dazu, nur krass zu sein, um krass zu sein, jenseits von dem, was im richtigen Leben passiert. Comedy ist ja dann am besten, wenn sie wahrhaftig ist. Und die Männer, also Will Ferrell, Paul Rudd, ich würde auch noch Steve Carrell dazuzählen, zeigen eine neue Facette der Wahrheit: dass sie also unsicher sind und sensibel. Daraus entwickeln sie dann Humor.

In Deutschland wird über eine Frauenquote für Führungspositionen diskutiert. Ihr Buch handelt letztlich auch davon, wie Sie es nach oben geschafft haben. Ist die Quote noch ein Thema in Amerika?

Ich hoffe, wir sind auf der anderen Seite dieser Debatte angekommen. Wir hatten zwar immer noch keine Präsidentin, aber es ist nicht mehr unmöglich.

Im Wahlkampf stehen sich jetzt aber schon wieder zwei Männer gegenüber, Obama und Romney. Vor vier Jahren haben Sie bei „Saturday Night Live“ die Republikanerin Sarah Palin so perfekt parodiert, dass eine französische Zeitung Sie sogar mit ihr verwechselt hat.

Diesmal schaue ich wohl nur von außen zu. Wir gehen bei „30 Rock“ ab und zu auf die Wahl ein, so richtig irre wird es ja sowieso erst im Herbst. Aber wir hoffen ja eigentlich, dass unsere Show in Wiederholungen weiterleben wird, deshalb wäre es nicht gut, zu aktuell zu sein.

Bald wird es „30 Rock“ nur noch als Wiederholung geben, NBC hat angekündigt, die Serie mit der nächsten Staffel nach sieben Jahren einzustellen. Sie schreiben in „Bossypants“ nicht nur über die Furcht, dass genau das passieren würde, sondern auch über Ihre chaotischen Flitterwochen, Weihnachten bei der Familie auf dem Land, Bruststillen - war das der Plan, das Buch so persönlich und beiläufig wie möglich zu halten?

Ich habe mich zwischendurch schon gefragt, wer das alles eigentlich lesen soll: ein Mann, eine Frau, keins von beiden? Ich habe mir einfach die fünf, sechs prägenden Ereignisse in meinem Leben vorgenommen. Wer sich für Comedy interessiert, der wird fündig werden, und junge Mädchen können nachlesen, wie es so ist als Frau in der Arbeitswelt.

Besonders rührend finde ich, wie Sie Ihren Vater beschreiben, Don Fey: ein Mann von Statur und Prinzipien und offenbar auch ziemlich cool.

Das ist meine Lieblingsstelle im Buch. Man würde erwarten, dass ich als Mutter mehr über meine Mutter schreiben würde, oder? Weil Mütter immer das kürzere Ende der Wurst kriegen.

Und, wie Sie eben gesagt haben: Sie kriegen leider auch keine zwanzig Millionen Dollar pro Film wie Väter.

So viel würde ich mir ja selbst nie bezahlen! Hollywood ist immer noch sehr männlich. Fernsehen ist viel weiblicher. Das ist letztlich aber eine Frage des Business: Männer und Kinder gehen ins Kino, Frauen gucken Fernsehen.

Die Fragen stellte Tobias Rüther.

Bossypants erschien am 1.6.2012 bei Rowohlt Polaris (288 Seiten, 13,95 Euro).

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