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Eicher und Suter im Gespräch : Die Schweiz ist was für Country

Der Popsänger Stephan Eicher und der Bestsellerautor Martin Suter Bild: Frank Röth

Stephan Eicher ist Popsänger, Martin Suter Schriftsteller. Jetzt haben sie gemeinsam ein „Song Book“ gemacht – auf Berndeutsch. Ein Gespräch über Schweizer Volksmusik, Glück und alle möglichen Sprachen.

          Seit zwölf Jahren schreibt der Bestsellerautor Martin Suter („Der Koch“) Texte für den Popmusiker Stephan Eicher, dessen Karriere 1981 mit dem Grauzone-Hit „Eisbär“ begann. Jetzt haben die beiden ein ganzes „Song Book“ zusammen gemacht, mit Liedern, immer wieder über die Liebe, über Aufbruch und Einsamkeit – und das alles auf Berndeutsch. Die CD begleitet eine Sammlung von Anekdoten, wie diese Lieder entstanden sind – und wie sich Eicher und Suter kennengelernt haben, in den Bergen, beim Suchen von Kristallen, dem sogenannten „Strahlen“. Verdächtig, irgendwie.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Haben Sie sich diese Anekdoten auch zusammen ausgedacht?

          Suter: Stephan hat gesagt: Ich hatte mir immer vorgestellt, dass wir Geschichten dazu erzählen, wie die Lieder entstanden sind.

          Eicher: Und dann hast du das zu meiner Freude unabhängig geschrieben – denn so bekam ich Post, das war wie Geschenke aufmachen. Wir hatten einen Test, wir wurden ans Bernhard-Theater in Zürich eingeladen und haben uns vorgestellt, was passiert, wenn die Frage kommt, wie wir uns kennengelernt haben. Und das haben wir also vor Publikum ausprobiert. Nach der Matinee kamen die Leute und fragten: „Sie sind Strahler? Sie kennen sich mit Kristallen aus? Hochinteressant!“ Ich fand das toll, aber Martin hat ein bisschen gebremst – ich wäre natürlich noch mit ihm auf den Mond geflogen.

          Die Anekdoten gehen haarscharf an der Wahrheit vorbei?

          Suter: Haarscharf ist es nicht.

          Eicher: Elefantenhaare, mammuthaarscharfe Haare!

          Ihr „Song Book“ ist auf Berndeutsch. Sie beide sprechen Schweizerdeutsch miteinander. Der eine singt in Englisch, Französisch und Hochdeutsch, der andere schreibt Hochdeutsch. Eigentlich sind Sie beide ständig beschäftigt zu übersetzen. Was gewinnt man, was geht verloren?

          Suter: Berndeutsch unterscheidet sich schon sehr vom Zürichdeutsch. Es reimen sich nicht die gleichen Wörter. Ich arbeite da mit dem „Berndeutschen Wörterbuch“. Der Reim übernimmt ja sehr oft die Führung – bei gereimten Sachen kann man Sachen nicht sagen, die man sagen will, dafür sagt der Reim dann etwas anderes. Aber jetzt kam noch die Schwierigkeit dazu, dass die Reime nicht die gleichen sind, die Wörter nicht die gleichen sind. Im Berndeutsch sagt man „gäng“, das heißt „immer“. Im Zürichdeutsch gibt es nur „immer“.

          Eicher: „Hilbe“ hast du eingebracht, ein milder Abend ist ein „hilber“. Für mich ist das noch etwas surrealistischer. Mir hat jemand mal gesagt: „Stephan, du sprichst so komisch, dein Berndeutsch ist aus einer anderen Zeit!“ Das hat damit zu tun, dass ich mit sechzehn, siebzehn in den siebziger Jahren Bern verlassen habe – es ist immer noch meine Muttersprache, aber ich spreche sie wie damals.

          Kam erst Text und dann Melodie?

          Eicher: Meistens ist der Text erst da. Für mich ist es einfacher, einen Text zu haben, ein Szenario, eine Stimmung: Ist das Schwarzweiß, ist das Farbe, müssen wir einen Film drehen, ist das ein Theaterstück? Mit einem Drehbuch ist das einfacher.

          Und wenn Sie dann das Lied gehört haben, Herr Suter, haben Sie korrigiert, weil etwas nicht passte?

          Suter: Stephan ändert den Text manchmal ein bisschen nach der Musik, er lässt irgendwo etwas weg oder betont anders. Im Grunde ist es, wie ein Gedicht zu schreiben, aber nach gewissen Songregeln: dass es Bridges gibt, die es in einem Gedicht nicht gibt, oder Refrains. Aber eigentlich ist es so, dass ich ihm ein Gedicht schicke – und dann geht es manchmal etwas länger, manchmal kommt es blitzschnell als Lied zurück. Und das ist immer ein großer Moment.

          Ihre Romane sind verfilmt worden, ist das Songtextschreiben ähnlich? Hatten Sie eine Satzmelodie im Ohr, aber dann hat der Eicher ein Lied geschrieben und die Figuren sehen plötzlich ganz anders aus?

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