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Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez gestorben : Der magische Erzähler

Gabriel García Márquez, 1927 bis 2014 Bild: dpa

Seine Werke „Hundert Jahre Einsamkeit“ und „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ machten ihn weltweit bekannt: Gabriel García Márquez, der kolumbianische Literaturnobelpreisträger des Jahres 1982, war der berühmteste Schriftsteller unserer Zeit. Jetzt ist er im Alter von 87 Jahren gestorben.

          Ja, er hatte dank des Spanischen per se einen großen Teil der Welt zum Publikum. Doch dass Gabriel García Márquez, der jetzt im Alter von 87 Jahren gestorben ist, zum bekanntesten Schriftsteller der Gegenwart wurde, lag vor allem an seiner Erzählgewalt und Phantasie, die sich auch in den Übersetzungen erschloss. Die Opulenz seiner Romane, die Weiterführung von erzählerischen Elementen des lateinamerikanischen magischen Realismus in Settings von höchster Realitätstreue, verbunden mit einer profunden Kenntnis der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts, namentlich der des Modernismus, machte die unnachahmliche Mischung aus, die sich in seinem Werk findet.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Man konnte von seinen Büchern lange Zeit gar nicht genug bekommen. Den wichtigsten Literaturpreis der spanischsprachigen Welt, den Cervantes-Preis, hat García Márquez allerdings nicht erhalten. Was jedoch nur an ihm lag, denn nachdem ihm 1982 der Nobelpreis für Literatur zugesprochen worden war, rief er alle anderen Jurys auf, ihm nun bitte keine Auszeichnungen mehr zu verleihen und stattdessen lieber junge Autoren zu bedenken. Auch das sicherte ihm viele Sympathien, und an diese Bitte hielten sich die ansonsten recht eigensinnigen spanischen Cervantes-Juroren, obwohl ihnen damit der einzige Schriftsteller entging, dessen Ruhm an den des Autors des „Don Quijote“ heranreicht.

          Eine Freundschaft, die ihm fast jeder verzieh

          Das Bemerkenswerte ist, dass García Márquez diesen Rang hielt, obwohl sein letztes allgemein gefeiertes Buch, der Roman „Von der Liebe und anderen Dämonen“, mittlerweile schon zwanzig Jahre zurückliegt. Nicht, dass er danach nichts mehr publiziert hätte, doch das waren nur noch Fingerübungen eines Mannes, dem in den letzten anderthalb Lebensjahrzehnten die Gesundheit bitter mitspielte. Eine erste Krebserkrankung hatte er 1999 überstanden, der zweite Ausbruch der Krankheit kostete ihn jetzt das Leben. Am Ende verzichtete seine Familie auf eine Behandlung für den ohnehin an Demenz leidenden Schriftsteller, der gleichwohl auch auf den letzten Fotos, die von ihm entstanden, noch höchst eindrucksvolle Figur machte.

          Das Buch, das ihn berühmt machte, hieß „Hundert Jahre Einsamkeit“ und erschien 1967. Doch ehe García Márquez damit zum weltweit gefeierten Romancier wurde, war der am 6. März 1927 geborene Mann in Kolumbien und darüber hinaus schon ein bekannter Journalist und persönlicher Freund von Kubas Staatschef Fidel Castro, der diesen Sympathisanten der Revolution schon 1959 in sein Land einlud, um ihn über die Errungenschaften seines Umsturzes berichten zu lassen. Die beiden Männer blieben Freunde bis zuletzt, doch García Márquez‘ Fähigkeiten als Schriftsteller waren derart groß, dass ihm diese Bekanntschaft nicht einmal in den Vereinigten Staaten dauerhaft schadete. Nur sein peruanischer Kollege Mario Vargas-Llosa kündigte ihm Castros wegen 1986 die Freundschaft auf, weil er nicht länger mit dem Büttel eines Diktators bekannt sein wolle. Dabei zählte García Márquez zu den sehr wenigen Menschen, auf die Castro hörte. Gewiss hätte er dem kubanischen Staatschef mehr sagen können, als er es tat.

          Mehr als sein Leben, um davon zu erzählen

          In Lateinamerika ist García Márquez auch auf dem Höhepunkt seines literarischen Erfolgs mindestens ebenso sehr als politischer Kopf und Kommentator wahrgenommen worden wie als Erzähler. Das zwang ihn für mehrere Jahre nach Spanien, weil zu befürchten war, dass er im Südamerika der Juntas seines Lebens nicht mehr sicher sein konnte, und ganz in Kuba leben wollte der sinnesfreudige Schriftsteller nun doch nicht. Seine Reportagebücher wie „Die Abenteuer des Miguel Littín“ (1986) und „Nachricht von einer Entführung“ (1996) ließen den engagierten Journalisten in der Heimat nie in Vergessenheit geraten, während er im Rest der Welt vor allem durch Romanerfolge mit „Chronik eines angekündigten Todes“ (1981), „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ (1985) oder „Von der Liebe und anderen Dämonen“ seinen Ruhm stetig erneuerte. Die Verkaufszahlen von García Márquez betragen mehrere hundert Millionen Exemplare.

          Das letzte groß wahrgenommene Buch des großen Schriftstellers war 2002 seine Autobiographie „Leben, um davon zu erzählen“. Doch sein Leben hat etwas noch viel Wunderbareres hervorgebracht als äußerst bewegte Ereignisse und Begegnungen: unvergessliche Figuren und Situationen. Kurz: ein literarisches Werk, dem an Qualität wie Wirkung wenig im zwanzigsten Jahrhundert an die Seite zu stellen ist.

          Quelle: FAZ.NET

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