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Flüchtlinge in Deutschland : Grass fordert notfalls Zwangseinquartierungen

So könnte es gehen, meint Günter Grass: Zwangseinquartierung von Flüchtlingen Bild: dpa

Schnapsidee oder genialer Einfall? Günter Grass kann sich vorstellen, dass deutsche Bürger zur Aufnahme von Flüchtlingen in den eigenen Wänden verpflichtet werden. Ein Kommentar. 

          Es ist nicht so, dass es nicht immer mal wieder Neuigkeiten von Günter Grass gäbe. Gerade hat sich der Nobelpreisträger darüber beklagt, dass Auf- und Zwischenrufe von Schriftstellern und Intellektuellen – man sollte vielleicht hinzufügen: von Schriftstellern und Intellektuellen seines Kalibers – in der Öffentlichkeit schon nicht mehr richtig ernst genommen, ja, gar nicht zur Kenntnis genommen würden. Als Beispiel nannte er den mit 70.000 Unterschriften gespickten, von Ilija Trojanow und Juli Zeh aufgesetzten offenen Brief wegen der ganzen amerikanischen Abhörerei.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Nichts habe sich seither geändert, und die Bundeskanzlerin habe sich auch nicht gemeldet. „Bis heute hat Juli Zeh keine Antwort erhalten. Wenn ich Jahrzehnte jünger wäre, hätte ich ein Zelt aufgebaut vor dem Kanzleramt, bis eine Antwort käme.“ Nun ist Grass aber nicht Jahrzehnte jünger, sondern genau so alt, wie er heute ist und insofern – aber nur insofern! – ein ganz gewöhnlicher Mensch. Das Zelten mag bei ihm wirklich eine Altersfrage sein. Kann man sich aber Grass, den Jüngeren, campierend vorstellen? Auch nicht so richtig.

          Noch weniger aber kann man sich vorstellen, bei ihm zu wohnen, selbst unter Zwang nicht. Wenn aber die Flüchtlinge Pech haben und die neueste Schnapsidee von Grass tatsächlich aufgegriffen werden sollte, dann käme  dies zumindest auf einige von ihnen zu. Der Literat hat nämlich allen Ernstes vorgeschlagen, dass die Deutschen angesichts der Ströme von Flüchtlingen dazu zwangsverpflichtet werden müssten, welche bei sich aufzunehmen. Nach dem Krieg habe es auch keine andere Möglichkeit gegeben, sonst hätte man die 14 Millionen deutschen und deutschstämmigen Flüchtlinge nie und nimmer integrieren können.

          So viele werden es diesmal gottlob nicht sein. Nach jüngsten Berechnungen halten sich zurzeit rund 200.000 Flüchtlinge in Deutschland auf – für ein einzelnes Dorf wie Behlendorf bei Lübeck, wo Grass wohnt, aber wohl zu viel, für Grassens Haus erst recht. Man wird ihm aber sicher ein Kontingent zuteilen. Denn obwohl er nicht extra seine Bereitschaft dazu erklärt hat, kann man nur annehmen, dass er selbst dabei mit gutem Beispiel vorangehen will.

          So erfreulich und humanitär begrüßenswert es für die Betroffenen sein wird, ein Dach über dem Kopf zu haben – beneiden mag man sie darum nicht. Denn will man das: mit einem unentwegt Pfeife schmauchenden Grantler abends vor dem Fernseher sitzen und sich bei jeder politischen Nachricht einreden lassen, ein Rückfall in die NS-Zeit stünde unmittelbar bevor? Im beiderseitigen Interesse und im Interesse der Völkerfreundschaften sollte man im Garten ein Zelt aufschlagen.

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