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Flix zeichnet die neue Comicserie Quadernase für Faust

Seine ästhetischen Wurzeln hat er im reduzierten, aber detailreichen Cartoonstrich französischer Provenienz, die bis zum eigenen Tod vorauserzählte Autobiographie „Held“ aus dem Jahr 2003 war sein Durchbruch: Flix zeichnet unsere neue Comicserie.

© Carlsen Vergrößern Flix und wie er sich selbst sieht: Umschlagabbildung der Autobiographie „Held”

Das ist konsequent: Die Myspace-Seite von Gott zeigt das Universum. Doch was tun, wenn dann der Strom ausfällt und die Schöpfung auf dem Bildschirm in einem umgekehrten Urknall wieder in sich zusammenfällt?

Andreas Platthaus Folgen:    

So beginnt der neue Comic, den die Frankfurter Allgemeine Zeitung und FAZ.NET von diesem Dienstag an für fünf Monate veröffentlichen. Wie er heißt, hätte man gar nicht sagen müssen, wenn man zum Auftakt liest: „Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang.“ Das ist „Faust“, aus dem Prolog zum ersten Teil, und das ist auch der Prolog zu „Faust“ von Flix (siehe auch: „Faust“ vom 28.07.2009). Der zweiunddreißigjährige Berliner Comiczeichner hat Goethes Drama in die Gegenwart überführt: Faust arbeitet als Taxifahrer in der deutschen Hauptstadt und hat es aus ganz anderen Gründen schwerer als sein Bühnenvorbild - wobei man das Klischee vom gescheiterten Studenten, der sich nun durch Fahrgastbeförderung über Wasser hält, gerne heranziehen kann, um eine der dann doch sehr zahlreichen Verbindungen zum am Wissen verzweifelten Gelehrten aus Goethes Feder zu finden.

Flix, der im bürgerlichen Leben Felix Görmann heißt, hat sich dieses Stoffes schon einmal angenommen, vor elf Jahren, also als denkbar junger Zeichner, der noch mitten im Saarbrücker Studium steckte. Etwas nassforsch lautete der Titel damals „Who the Fuck is Faust?“, doch das populäre Thema und die unkonventionelle Erzählweise brachten ihm eine Buchpublikation beim Eichborn Verlag ein, und dadurch wurde Flix bekannt. Mit dem Resultat war er später aber nicht mehr zufrieden, obwohl ihn die Idee nach wie vor überzeugte. So zögerte er keine Minute, als ihn das Angebot erreichte, einen Comic für die F.A.Z. zu zeichnen - „Faust“ sollte es zum zweiten Mal sein.

Faust © Flix Bilderstrecke 

An die kulturellen Wurzeln

„Faust 2“ ist daraus trotzdem nicht geworden; Flix orientiert sich an der Tragödie erstem Teil, und darum gibt es auch zunächst einen Prolog über die klassische Schöpfungsdauer von sieben Tagen, in dem Gott und Mephisto die Grundlage für die Geschichte legen. Umgesetzt wird sie im typischen „Quadernasen“-Stil von Flix, der seine ästhetischen Wurzeln im reduzierten, aber detailreichen Cartoonstrich französischer Provenienz hat. Sein Ideal ist der große Comic-Erneuerer Lewis Trondheim, der unter der Fassade seiner scheinbar so schlichten Zeichnungen ein höchst intelligentes Vexierspiel mit literarischen Erzählmustern veranstaltet.

Flix hatte sich bei seinem berühmtesten Comic, der bis zum eigenen Tod vorauserzählten Autobiographie „Held“ aus dem Jahr 2003, an diesem Vorbild orientiert. Dieser Band, zugleich auch Abschlussarbeit seines Studiums des Kommunikationsdesigns, wurde im Jahr darauf als bester deutscher Comic mit dem Erlanger Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet. Das war der Durchbruch für Flix, der seitdem zu den renommiertesten und auch kommerziell erfolgreichsten deutschen Comiczeichnern zählt. Mit Arbeiten für Zeitungen hat er bereits reiche Erfahrung; gerade erst ist bei Carlsen sein Comic „Da war mal was...“ erschienen, der eine für den Berliner „Tagesspiegel“ gezeichnete Serie mit Erinnerungen an die deutsche Teilung versammelt. Mit „Faust“ geht es nun an die kulturellen Wurzeln. Sagt, was man wohl in deutschen Landen von unsrer Unternehmung hofft?

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 28.07.2009, 14:32 Uhr