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Ellis Kaut wird neunzig : Der Klabautermann aus dem Lehel

Mutter und Sohn: Die Kinderbuchautorin und Erfinderin der Zeichentrickfigur Pumuckl, Ellis Kaut Bild: dpa

Er liebt die Unordnung, mag Mäuse und hasst Katzen. Der Kobold Pumuckl, ein Nachfahre der Klabautermänner, treibt sein Unwesen in Münchner Hinterhöfen: Ellis Kaut, die ihn erfunden hat, wird an diesem Mittwoch neunzig Jahre alt.

          Er ist ein Babyboomer, zählt zu den geburtenstarken Jahrgängen. Nächstes Jahr wird er fünfzig, und bestimmt nervt er dann genau so wie die letzten neunundvierzig Jahre, schreit „Huiii“ und lacht trommelfellzersägend schrill und kreischend. Er ist ein Genussmensch, liebt Schokolade und Schiffsschaukeln, macht gern Unsinn, aber das Chaos garniert er auf so sympathische Weise, dass ihm kein Mensch böse sein kann. Das Licht der Welt erblickte der Kobold Pumuckl in einem Leimtopf des Schreinermeisters Eder: Für diesen älteren Herrn allein wurde er sichtbar.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Erfunden hat ihn die in 1920 in Stuttgart geborene und im Alter von zwei Jahren nach München übergesiedelte Elisabeth „Ellis“ Kaut. Sie war mit achtzehn Münchner Kindl, mit neunzehn heiratete sie den Journalisten Kurt Preis, der ihr den Namen Pumuckl spendierte. Das akustische In-der-Welt-Sein verdankt der Pumuckl dem Schauspieler Hans Clarin, der den Kobold kongenial gestaltete.

          Zunächst als Radiofigur, später in der Fernsehserie mit Gustl Bayrhammer. Letztere ein Lehrstück, wie Fernsehen funktioniert, auch wenn es allen heutigen Vorstellungen kindgerechter Aufbereitung zuwiderläuft – jede nachgeborene Generation hat sich zuverlässig in Pumuckl verliebt. Kauts Erzählungen, Bücher und Filme sind auch ein Blick zurück in eine ferne Vergangenheit. Der Drehort in der Widenmayerstraße 2 spiegelt das München der kleinen Handwerker, der Hinterhofwerkstätten, lange bevor das Lehel gentrifiziert wurde.

          Schabernack ist echt anstrengend: Auch ein Kobold muss mal chillen

          Zuletzt war es ein Gerichtsstreit, der die betagte Autorin in die Schlagzeilen brachte. Barbara von Johnson, die 1963 die Figur für Buch- und Plattencover zeichnete, hatte zu einem Wettbewerb aufgerufen, dem Pumuckl eine Freundin zu spendieren. Kaut war strikt dagegen, plädierte auf A-Sexualiät: Geister stürben so wenig, wie sie heirateten. Sie unterlag, aber am Fortleben und am internationalen Zuspruch zu ihrer Figur hat sich nichts geändert.

          Es gibt da noch die „Geschichten vom Kater Musch“

          Für eine Autorin mag es misslich sein, wenn ihren anderen Erfindungen nicht der gleiche Erfolg beschieden ist. Die vielfach begabte Ellis Kaut – sie absolvierte eine Schauspielschule, studierte Bildhauerei, fotografiert und malt – hat das immer mal wieder beklagt. Im vergangenen Jahr legte sie ihre Autobiographie „Nur ich sag ich zu mir“ vor. An diesem Mittwoch wird Ellis Kaut neunzig Jahre alt. Dem Pumuckl wird dazu schon ein passender Schabernack einfallen.

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