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Asli Erdogan im Interview : Frauen halfen mir zu überleben

„Ich habe jede Form von Menschenrechtsverletzung angeprangert. Das ist nicht illegal“: Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan. Bild: Emre Yunusoğlu

132 Tage verbrachte die Schriftstellerin Asli Erdogan in einem Frauengefängnis in Istanbul. Kurz vor Jahresende wurde sie entlassen. Ein Interview über den Alltag in der Haft.

          Wie geht es Ihnen, Frau Erdogan?

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Schwer zu sagen. Ich bin aus dem Gefängnis raus, wurde aber noch nicht freigesprochen.

          Die türkische Justiz behauptet, Sie hätten eine Terrororganisation gegründet und seien Mitglied einer Terrororganisation. Im März wird der Prozess fortgesetzt, was erwarten Sie?

          Vom rechtlichen Standpunkt aus müsste ich freigesprochen werden, und der Staat müsste mir eine Entschädigung zahlen. Ich saß schließlich unschuldig im Gefängnis. Aber wir reden hier über die Türkei, und dies ist ein politischer Prozess. Es ist also gut möglich, dass ich verurteilt werde. Diese Tendenz bei politischen Prozessen ist hier gerade feststellbar. Ich glaube jedoch nicht, dass meine Haftstrafe sehr hoch ausfallen wird.

          Hatten Sie damit gerechnet, festgenommen zu werden?

          Überhaupt nicht. Als die Polizei in meiner Wohnungstür stand, war das ein Schock. Es waren Spezialkräfte mit Maschinengewehren. Ich dachte, das ist eine TV-Show, so was wie versteckte Kamera. Die Polizisten selbst wirkten überrascht – unter einer Terroristin hatten sie sich wohl was anderes vorgestellt. Ich fragte, ob vielleicht ein Missverständnis vorliege. Erst als ich in die Augen des Haftrichters blickte, verstand ich, dass es ernst ist und er mich ins Gefängnis stecken wird.

          Die Schriftstellerin Asli Erdogan nach ihrer Haftentlassung am 29. Dezember 2016
          Die Schriftstellerin Asli Erdogan nach ihrer Haftentlassung am 29. Dezember 2016 : Bild: Imago

          Sie haben für die prokurdische Zeitung „Özgür Gündem“, die mittlerweile geschlossen wurde, gelegentlich Kolumnen verfasst. Ist die Regierung deshalb so wütend auf Sie?

          Ich habe keine Ahnung. Ich gehöre keiner kurdischen Partei an und bin nicht politisch aktiv. Vielleicht hat sich die Regierung über meine Texte geärgert. Ich gehörte ja auch dem beratenden Gremium der Zeitung an, was aber eher symbolischen Charakter hatte und nicht mit rechtlichen Befugnissen verbunden war. „Özgür Gündem“ ist schon oft verdächtigt worden, PKK-Propaganda zu betreiben. Aber ich wurde niemals in die Verfahren hineingezogen, da die Regierung genau weiß, dass ich nichts mit Terroristen zu schaffen habe. Ich bin weder Kurdin, noch bin ich eine bedeutende Journalistin. Vielleicht musste ich ja sogar deshalb ins Gefängnis: Ich bin Schriftstellerin, und kein Mensch in der Türkei nimmt mich politisch ernst. Die Botschaft der Regierung würde dann lauten: Es kann jeden Intellektuellen treffen, sogar eine der berühmtesten türkischen Autorinnen. Vielleicht war meine Verhaftung aber auch nur ein blöder Zufall. Auf jeden Fall lag ihr keine rationale Entscheidung zugrunde.

          Erträgt die türkische Regierung keine starken Frauen?

          Ich bin gar nicht so stark. Weder physisch noch psychologisch. Ich bin keine Kämpferin. Aber sicherlich spielt die Tatsache, dass ich eine Frau bin, eine Rolle. Die Situation von Frauen hat sich in der Türkei rapide verschlechtert.

          Sie haben sich immer für Frauenrechte eingesetzt.

          Aber ich habe meine Stimme auch für Kurden, Aleviten, Armenier, Gefangene und Flüchtlinge erhoben. Ich habe jede Form von Menschenrechtsverletzung angeprangert. Das ist nicht illegal. Keiner meiner Artikel war zuvor Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung. „Özgür Gündem“ erschien mit Erlaubnis des Innenministeriums und zahlte Steuern. In den Jahren, die ich dort arbeite, habe ich mich meistens ohnehin im Ausland aufgehalten.

          Trotzdem wirft die Regierung Ihnen und anderen Beratern der Zeitung vor, Terroristen zu sein. Sie werden nach Artikel 302 angeklagt, er ist der schwerstwiegende des türkischen Gesetzbuches und steht immer im Zusammmenhang mit Gewalttaten.

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