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Der neue Forsyth : Schnee von morgen

Kleintransporter: Eine Schwangere mit sogenannten Kokain-Bodypacks im Darm wird am Frankfurter Flughafen erwischt Bild: ddp

Nur dumme Politiker wollen verhandeln: Der britische Bestseller-Autor Frederick Forsyth will die Welt vom Elend des Kokainhandels befreien. Sein neuer Roman „Cobra“ spielt durch, wie der Kampf geführt werden könnte.

          Gefühlte fünfzig Autobahnen und Kreisverkehre nordöstlich von Heathrow ist man im bukolischen County Hertfordshire. Dessen Nähe zur Metropole erkennt man daran, dass selbst vor unscheinbaren Cottages drei teure Autos stehen und diverse Porsche-Mütter im Städtchen patrouillieren. Im Südosten des Landes drängen sich immer mehr Menschen. Wie auf einem Floß, auf dem sich alle in eine Ecke quetschen und so tun, als sei die Schieflage normal. Der gemeine Brite mag darin geübt sein, solche Lagen zu ertragen, Frederick Forsyth, der hier mitten im Grünen residiert, tut sich das nicht an.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Er ist mittlerweile zweiundsiebzig, hat seinen dreizehnten Roman geschrieben, der diese Woche bei C. Bertelsmann erschienen ist. „Cobra“ nimmt sich den internationalen Kokainhandel vor. Ein Thema, das man vielleicht deswegen als abgehangen einstuft, weil es keinen Fortschritt gegen die Macht der kolumbianischen Drogenbarone zu geben scheint. Aber der eskalierende Bandenkrieg in Mexiko, der immer stärker in den Süden der Vereinigten Staaten schwappt, spricht eine andere Sprache.

          Angriff mit modernster Drohentechnik

          Die amerikanischen Drogenbekämpfer werden jährlich mit vierzehn Milliarden Dollar ausgestattet – und feiern doch nur immer kleine Erfolge. Forsyth folgt in „Cobra“ deswegen dem bewährten Muster des Was-wäre-wenn: Wie wäre es denn, wenn man die rechtlichen Grundlagen änderte? Er nennt das „rekategorisieren“. Also den Rauschgifthandel von einer gewöhnlichen Straftat zu einer Bedrohung der Nation umwidmen. Dann kann man auch den Lieferanten des weißen Todes neu kategorisieren – als Terroristen. Und im Krieg gegen den Terror, das liebt jeder Romancier, ist alles erlaubt.

          Ein Mann, ein Buch: Ferderick Forsyth (72) mit seinem neuen Roman

          Wir sind im Frühjahr 2011: Der ehemalige CIA-Agent Paul „The Cobra“ Deveraux erhält Präsidentenvollmacht und zwei Milliarden Dollar. Seine Analyse ist simpel: Ist das Kokain erst in Nordamerika und Europa, ist es zu spät. Man muss die See- und Lufwege des Kartells unterbrechen. Deveraux rekrutiert eine kleine Armee aus ehemaligen Agenten und aktiven Elitesoldaten, baut zwei Frachter und einen Bomber um, bedient sich modernster Drohnentechnik zum Ausspähen des Nachrichtenverkehrs. So kann er die Luftbrücke von Brasilien nach Westafrika zerschlagen, so werden Schiffe aufgebracht und versenkt, die Mannschaften gefangen genommen. Die Vertriebswege der Hermandad (Bruderschaft) sind erheblich gestört.

          „Alles, was die wollen, ist uns umzubringen“

          Das Kartell um Don Diego Esteban wütet bei seiner Verrätersuche zunächst in den eigenen Reihen, dehnt dann das Hinrichten auf ihre zehn größten Kunden aus, darunter Importeure in Galizien, die kalabresische ndrangheta, die Türkenmafia, Rockerbanden wie die Outlaws und Hells Angels. Deveraux Plan scheint wegen der grassierenden Paranoia der Bruderschaft aufzugehen. Bis die offene Feldschlacht der Unterwelt mit hunderten Toten die täglichen Schlagzeilen bestimmt. Das aber gefällt weder dem Stabschef im Weißen Haus, noch dem Barack Obama sehr ähnlichen Präsidenten, der wiedergewählt werden möchte.

          In dieser Woche der Paketbombenfunde steht Frederick Forsyth wieder gut da, weil er das Thema schon in seinem letzten Roman „Der Afghane“ (2006) behandelt hat. „Diese Form des Terrorismus wird uns noch mindestens fünfzehn Jahre beschäftigen. Mit allen Terrorbewegungen der letzten Jahrzehnte konnte man in Verhandlungen treten, nicht mit Al Qaida. Das ist Endspiel. Alles, was die wollen, ist uns umzubringen. Massenmord. Nur dumme Politiker sagen: Wir müssen verhandeln. Es gibt keine Verhandlungsmöglichkeit, man kann nur mit Selbstverteidigung antworten, und das bedeutet, sie zu töten.“ Und genau das täten die Special Forces in Afghanistan. Forsyth bestreitet, dass sein Befund Schwarz-weißmalerei sei, für ihn ist ausgemacht: „TINA – there is no alternative.“

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