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Der bestohlene Blogger Airen im F.A.Z.-Gespräch Das habe ich erlebt, nicht Helene Hegemann

 ·  Durch einen spektakulären Plagiatsfall wird das Buch „Strobo“ plötzlich berühmt, doch sein Autor will anonym bleiben. Im Gespräch mit der F.A.Z. äußert sich Airen erstmals zu den Vorgängen. Er erklärt, was er von Helene Hegemanns Übernahmen hält, ob er sich als Opfer fühlt und wie sich sein Leben seither verändert hat.

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Durch einen spektakulären Plagiatsfall wird das Buch „Strobo“ plötzlich berühmt, doch sein Autor will anonym bleiben. Im Gespräch mit der F.A.Z. äußert sich Airen erstmals zu den Vorgängen. Er erklärt, was er von Helene Hegemanns Übernahmen hält, ob er sich als Opfer fühlt und wie sich sein Leben seither verändert hat.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie lesen, was jetzt über Ihr Buch geschrieben wird?

Ich habe seit Montag ganz viel über Helene Hegemann gelesen, aber über „Strobo“ gar nicht viel gehört.

Hilft Ihnen Ihre Anonymität dabei, zu verkraften, was gerade geschieht?

Ich gehe davon aus, dass über kurz oder lang rauskommt, wer ich bin. Deswegen habe ich meinen Blog am Anfang oft gewechselt, weil ich fürchtete, dass mich Bekannte oder Kollegen erkennen. Ich hatte erst die Idee, einen Blog über die nächsten zehn Jahre meines Lebens zu machen, habe aber nach fünf Monaten gemerkt, dass ich Angst bekomme. Das geht vielen Bloggern so. Als „Strobo“ herauskam, bin ich nicht davon ausgegangen, dass es jemand lesen wird, der mich wiedererkennt. Ich hoffe jetzt, dass der Trubel bald wieder abflaut, und zum Glück kann man Gesichter noch nicht googeln.

Das Buch wird berühmt, aber gleichzeitig gefährdet das Ihre Anonymität. Wie gehen Sie damit um?

Publicity ist natürlich gut, aber ich finde es unangenehm, dass ich durch einen Skandal ans Tageslicht gezerrt werde. Wahrscheinlich geht es Helene Hegemann genauso. Ich habe ihren Roman gelesen, es ist genau die Art von Buch, die ich gern lese, aber es wäre auch ohne meine Stellen cool gewesen. Ich würde gern wissen, was Helene Hegemann gedacht hat. Was ich geschrieben habe, habe ich durchlitten - gottseidank bin ich ohne Krankheit davon gekommen. Das ist kein Roman, das ist mein Leben gewesen. Ich habe mir das nicht ausgedacht. Helene Hegemann hat das nicht erlebt. Ich habe das so erlebt.

Stimmt es, dass es noch viel mehr parallele Stellen gibt als bisher bekannt?

Da ich meine eigenen Texte natürlich besser kenne als Deef Pirmasens, der als erster über die Parallelen berichtet hat, sind mir schon sehr viel mehr Stellen aufgefallen. Ich habe heute gehört, dass diese Stellen in zukünftigen Ausgaben von „Axolotl Roadkill“ gekennzeichnet werden sollen. Wenn das wirklich geschieht, ist das Thema damit für mich vom Tisch.

Wie viel von der Figur Airen sind Sie?

Airen bin ich. Was im Buch steht, habe ich erlebt. Ein paar Sachen habe ich zeitlich umgestellt, aber es ist alles passiert.

Sind Sie immer noch Airen?

Nicht mehr. Ich habe die Arbeit am Buch im September 2008 abgeschlossen. Dann bin ich nach Mexiko gegangen und habe eine Frau kennengelernt, mit der ich inzwischen verheiratet bin und die ich sehr liebe. Ich habe das Blog geschlossen, weil ich nichts mehr zu sagen und nichts mehr zu schreiben hatte. Das Bedürfnis war weg, mein Leben ist anders geworden. Das Buch war ein Schrei nach Liebe, und die habe ich jetzt gefunden.

Warum haben Sie begonnen, Blogs zu schreiben?

Ich habe andere Blogs gelesen, das war so um 2003, und fand es interessant, wie die Leute anonym und gleichzeitig total intim über sich selbst schrieben. Und ich habe gedacht: Mir passiert die größte Scheiße, also schreibe ich das auch mal auf. Das war am Anfang richtig schlecht, aber dann habe ich mich entwickelt. Der Fokus auf Drogen und Techno war in den ersten Blogs nicht da, das hat sich parallel aufeinander zubewegt. Irgendwann fragt man sich: Macht man Sachen nur noch, um darüber zu schreiben, oder schreibt man nur über Sachen, um sie zu verarbeiten?

Wie war es bei Ihnen?

Ich habe damals wenige Freunde gehabt, und auch in der Unternehmungsberatung, in der ich gearbeitet habe, war ich total allein. In mir haben sich die Gedanken gestapelt, weil all das, was ich gefühlt habe, nicht rauskonnte. Deswegen ist alles in den Blog geflossen. Die meisten Texte sind Dienstags entstanden, wenn das Wochenende durch war und ich mich zwei Tage ausgeruht hatte. Dann musste das irgendwie raus, ich konnte es nur niemandem erzählen, also habe ich es in meinem Blog erzählt.

Sie haben die Anonymität des Blogs als Selbstschutz genutzt, um über sich selbst zu schreiben?

Ja. Ob ich dadurch therapiert worden bin, weiß ich nicht. Rückblickend betrachtet, hat mir das vielleicht sogar körperlich geschadet. Die Dinge, die passiert sind, sind zum größten Teil illegal und unmoralisch, deswegen sind alle Namen erfunden.

Hat sich beim Schreiben die Figur Airen verselbständigt?

Beim Schreiben nicht mehr. Ich habe, glaube ich, keinen einzigen Text nüchtern geschrieben. Du gehst in den Club, kommst raus und langsam wieder klar, dann fallen dir die ganzen Sachen wieder ein, dann bildest du dir die Geschichte von selbst nochmal nach. Aber es ist kein Roman: Es ist, nach dem Buch „Viertel nach Handgelenk“ des Bloggers Pippin, das erste Mal, dass jemand einen Blog veröffentlicht, eine Art Live-Biographie. Wir haben gehofft, dass die Leute das auch kapieren: Es ist nicht irgendein Techno-Roman, den sich jemand ausgedacht hat, sondern echt.

In Ihrem Buch spielt der Club Berghain eine zentrale Rolle. Was ist an ihm so besonders?

Du kommst in das Berghain rein und kannst es nicht glauben. Du gehst ein paar Treppen hoch und stehst auf einem sechzehn Meter hohen Dancefloor, in einer Kathedrale. Du wirst davon sofort gefangen. Das ging nicht nur mir als Technoliebhaber so, sondern auch anderen, die nur reingehen, weil sie zum Beispiel schwul sind. Alle merken: Das ist ein Ort, an dem alles möglich ist.

Er verwandelt einen?

Ja - mit der Musik. Solche Boxen wie im Berghain hat keiner. Die Partys dauern ewig, alle sind enthemmt, es gibt keine Spiegel, es darf nicht fotografiert werden. Was im Berghain ist, ist eine andere Welt.

Und was im Berghain war, bleibt im Berghain?

Ja. Es kann passieren, dass da Leute nackt herumlaufen oder Sex an der Bar haben. Man muss kein Techno-Fan sein und kein Nachtmensch: Wer ins Berghain geht, kriegt Gänsehaut.

Könnte das Berghain auch in einer anderen Stadt als Berlin stehen?

In Deutschland nicht.

Was spielt Berlin für eine Rolle in Ihrem Leben und Schreiben?

Ich kam mit siebzehn nach Berlin und wusste sofort: Ich muss hier her.

Der Airen im Buch spaziert durch die Stadt, als ob sie ihm gehört.

Echt?

So wirkt es im Buch.

Ich kenne die Stadt, aber ich bin nicht bekannt hier. Ich spiele in Berlin eigentlich gar keine Rolle. Ich bin nur Konsument. Ich bin in die Clubs gegangen, habe mich wie ein Fisch im Wasser gefühlt, aber das lag an der Musik, den Drogen, dem Tanzen. Und dann bin ich wieder raus. Ich war einer von denen, die da volle Kanne gefeiert haben, und es wird im Berghain auch honoriert, dass man sich da voll hingibt und sich gehen lässt. Ich habe mich nur immer so aufgeführt, dass mich am nächsten Tag keiner mehr anrufen wollte.

Sie erwähnen Ernst Jünger im Buch. Haben Sie sich mit ihm beschäftigt?

Durch Albert Hoffmann, dem Erfinder von LSD, der mit ihm Drogen genommen hat. „Strahlungen I“ habe ich nach zwanzig Seiten weggelegt, Jünger war keine Inspiration. Von Gottfried Benn habe ich im Blog mal ein kurzes Gedicht zitiert: „O, Nacht! Ich nahm schon Kokain /Und Blutverteilung ist im Gange. / Das Haar wird grau, die Jahre flieh'n. / Ich muß, ich muß im Überschwange / Noch einmal vorm Vergängnis blühn.“ Aber das ist alles, was ich von ihm kenne. Ich habe Bücher gelesen, bis ich siebzehn, achtzehn Jahre alt war, und danach nicht mehr viel, die Inspiration kam von Bloggern wie Bomec, Pippin oder 500Beine.

Weil die authentisch schreiben?

Authentisch zu schreiben ist ein unerfüllbarer Anspruch. Musik, Film, Theater kommen nie an die Originalerfahrung ran. Aber mein Anspruch war, mich an das Gefühl anzunähern, das du hast, wenn du auf der Tanzfläche bist, wenn du drauf bist, wenn der megafette Track läuft und du in dieser schwitzenden Menge bist.

In dieser schwitzenden Menge des Berghains, so beschreiben Sie es, tanzen Beamte und Banker. Gibt es eine Underground-Gesellschaft in Berlin, eine Nachtseite des Bürgertums?

Da lernt man schon einen repräsentativen Querschnitt durch die Gesellschaft kennen. Das Stammpublikum besteht aber eher nicht aus Bankern. Und auch nicht jeder, der ins Berghain geht, schießt sich ab oder hat Sex.

Gibt es einen Text von Ihnen, der sich besser anfühlt als die Erfahrung, die er beschreibt?

Eigentlich war das Leben, das ich damals führte, überhaupt nicht schön, es war eine grauenvolle Phase. Von daher klingen die Texte, wenn man sie ruhig, gesund und satt im Bett liest, besser, als wenn man danach zwei, drei Tage leiden muss, nicht schlafen und essen kann. Das Buch ist im Rausch erlebt und im Rausch geschrieben.

Man wünscht sich beim Lesen oft, dass nicht echt ist, was gerade passiert.

Es war eine harte Zeit.

Sind Sie froh, dass sie vorbei ist?

Als ich nach anderthalb Jahren aus Mexiko zurückkam, ging das Feiern auf einmal nicht mehr. Ich habe mich gefragt: Warum bist du hier? Passt das noch zu dir? Feiern brachte mir nicht mehr das, was es vorher gebracht hatte, vielleicht, weil ich es auch nicht mehr gebraucht habe, dank meiner Frau.

Empfinden Sie sich als Opfer?

Nein. Helene Hegemann hat mir nichts getan, sie hat mich nicht angegriffen. Mir fehlt nichts, die Geschichte ist immer noch meine. Dass es jetzt durch diesen Skandal hochkommt, empfinde ich als unangenehm, aber es ist natürlich auch Publicity, ein Bonus, den ich sonst nie gehabt hätte. Ein Opfer? Was die Urheberrechtsverletzung angeht: ja. Helene Hegemann hat sich auf eine ungerechte Art und Weise bereichert, wie es viele Menschen jeden Tag tun, aber nicht auf meine Kosten. Meine Forderung ist: Meine Geschichte soll gewürdigt werden. Gerechtigkeit ist vielleicht ein zu großes Wort dafür.

Anbei eine Dokumentation von Parallelstellen, die sich aus einem Abgleich der Bücher „Strobo“ und „Axolotl Roadkill“ sowie des Blogs mit Hegemanns Buch ergeben (Warnung: Die Zitate sind teilweise sexuell sehr explizit und könnten die Gefühle der Leser verletzen):

Axolotl S. 9: Irgendwie läuft mir zu Lorbeerkränzen geflochtenes Blut aus dem rechten Ohr.

Strobo S. 117/118: Ich grinse aus dem Fenster, aus meinen Ohren fließt in dicken Strömen Blut, von Lorbeerblättern umflochten.

* * *

Axolotl S. 10: Ich kann entweder zu qualitativ hochwertigen Hardcorepornos wichsen oder…

Strobo S. 143: Das übliche erfolglose Wichsen zu hoch qualitativen Hardcore-Pornographica entfällt.

* * *

Axolotl S. 15: Ich erinnere mich an die Zeit, in der ich bei gutem Wetter etwas anderes gemacht habe als die Jalousien runter.

Strobo S. 138: ... wenn so geiles Wetter ist wie früher, als ich dann noch was anderes gemacht habe als die Jalousien runter ...

* * *

Axolotl S. 23: … mein kaputtgefeierter Körper...

Strobo S. 107: … meines kaputtgefeierten Körpers...

* * *

Axolotl S. 23: Ich habe Fieber, Koordinationsschwierigkeiten, ein Promille im überhitzten Blut...

Strobo S. 106: ... ich habe ein Grad Fieber sowie ein knappes Promill Alkohol im überhitzten Blut.

* * *

Axolotl S. 30: Alle Passagiere verbrachten ihre Zeit damit, sturzbesoffen auf Autodächern herumzuliegen und über Tropanalkaloide zu diskutieren.

Strobo S.162: Am Donnerstag lag ich mit einem von und zu stockbesoffen auf einem Autodach in Kreuzberg und redete über Titandioxid.

* * *

Axolotl S. 34/35: Thomas bietet uns zwei Lines Ketamin an, das in der Tiermedizin zur Narkose eingesetzt wird und in kleinen Dosen bewusstseinsverändernd wirkt. (…) Das Zeug brennt höllisch in der Nase.

Strobo S. 108: Eigentlich ist Ketamin ein Narkosemittel aus der Notfallmedizin, aber in sehr viel geringeren Dosen wirkt es halluzinogen. (…) Ich zieh nur eine kleine Bahn, aber die tut schon höllisch weh in der Nase.

* * *

Axolotl S. 36: Ophelia steht auf dem Klodeckel, um drei Lines Speed auf der Trennwand zur Nachbartoilette zurechtzumachen.

Strobo S. 146: … klettert Marc auf die Klobrille und macht die Lines an der Grenze zur Nachbartoilette zurecht.

* * *

Axolotl S. 52: ... Technoplastizität, Annika

Strobo S. 118: ... eine gierig in alle Ecken züngelnde Techno-Plastizität ...

* * *

Axolotl S. 60: „Ey, vor der Tür wartet glaub ich jemand auf dich“ (…) Da steht er dann rauchend, und ich frage mich, ob es hierbei jetzt um Drogen oder Sex oder einen netten, kühlen Nachtwind geht. (…) Irgendwann liege ich dann mit angewinkelten Beinen (…) In dieser Position lasse ich mich aus diversen Gründen wahnsinnig lange in den Mund ficken.

Strobo S. 143: „Hey, da in der Kabine wartet einer auf dich.“ (…) Ich stehe auf und gehe mit in die Kabine und frage mich, ob wir jetzt Sex haben oder was ziehen wollten. (…) die Beine angewinkelt (…) Ich lasse mich Ewigkeiten in den Mund ficken…

* * *

Axolotl S. 64: Man hätte dir echt die Gedärme aus dem Körper schneiden können, und irgendwann wärst du dann aufgewacht, ohne Tasche und mit nem 2x2 Quadratmeter großen Arschloch.

Strobo S. 116: „Ich hätte dir echt den Blinddarm rausnehmen können. Wäre dir das im Club passiert, wärst du irgendwann ohne Handy und mit“ - ausladende Geste - „sooo einem Arschloch aufgewacht!“

* * *

Axolotl S. 72: Wir erfahren an dieser Stelle, dass ich nicht nur neben Edmonds Keyboard aus eloxiertem Aluminium gekotzt, sondern mich (gleichermaßen skrupellos) mit dem Argument „Scheiß Kapitalismus!“ geweigert habe, ihm meine Schulden vom Vortag zurückzuzahlen.

Strobo S. 123: Wie ich eben erfahre also angeblich mit dem Argument „Scheiss Kapitalismus!“ geweigert zu bezahlen, neben die Bar gekotzt und paar Tische umgeschmissen.

* * *

Axolotl S. 74: Ich mache drei Schritte nach vorn und knalle rückwärts gegen irgendeinen sich im öffentlichen Raum befindenden Werbeträger von Langnese. Ich drehe mich um und knalle rückwärts gegen einen grobporigen Typen in grünen Klamotten. (...) er setzt mich in ein Taxi…“

Strobo S. 123: Ich steige aus, mache drei Schritte nach vorn und pralle rückwärts gegen die Bahn. Dann stehe ich auf, mache drei Schritte nach vorn und pralle rückwärts gegen die Bahn. Schließlich kommen zwei so grobporige Bahnbullen und verfrachten mich in ein Taxi.

* * *

Axolotl S. 74: ... ich gehe drei Schritte nach hinten und knalle rückwärts gegen das Taxi ...

Strobo S. 124: … mache drei Schritte nach vorn und pralle rückwärts gegen das Taxi ...

* * *

Axolotl S. 79/80: Sie holt eine erbsengroße Plastikkugel aus der zu ihrem Nachthemd gehörenden Brusttasche und schmeißt sie mir zu. (...) Anstatt mir zu antworten, wickelt sie die Plastikfolie ab. Schlussendlich liegt auf dem Mahagonitisch eine Messerspitze bräunlichen Pulvers, das wie Instanttee aussieht und nach einer Mischung aus Zigarettenkippen, Müll und Essig riecht. Aus einem Stück Silberpapier dreht sie sich ein Röhrchen, auf ein weiteres schüttet sie die Hälfte des Pulvers. Als sie ein Feuerzeug unter die Folie hält, schmilzt das Heroin und zieht eine kleine Rauchschwade hinter sich her. Dieser Dampf wird von Ophelia mit Hilfe des besagten Aluröhrchens inhaliert, bis nur noch irgendwas ganz Schmutziges, Kleines, Böses zurückbleibt und sie mich fragt: „Und, wie sehen meine Pupillen jetzt aus?“

Strobo S. 65/66: … schiebe ein Scheinchen rüber und halte eine erbsengroße Plastikkugel in der Hand. (…) Schicht um Schicht wickle ich die Plastikfolie ab, bis in der Mitte eine gute Messerspitze bräunlichen Pulvers zum Vorschein kommt. Sieht in etwa so aus wie Instant-Tee und riecht säuerlich, wie eine Mischung aus Zigarettenkippen, Müll und Essig. Diacetylmorphin. Dann hole ich Alufolie. Aus einem Stück drehe ich mir ein Röhrchen. Auf ein anderes schütte ich ein Viertel des Pulvers. Sobald ich ein Feuerzeug unter die Alufolie halte, schmilzt das Heroin (…) und zieht eine kleine Rauchfahne hinter sich her. Mit dem Röhrchen im Mund versuche ich sie einzufangen. (…) Als alles verdampft ist und nur noch eine schmutzige Spur auf der Alufolie übrig bleibt, gehe ich ins Bad und begutachte meine Pupillen.

* * *

Axolotl S. 119: … auf dem untersten Level der Desillusion angekommen ...

Strobo S. 139: Wer auf dem untersten Level der Desillusion lebt, der heult nicht mehr.

* * *

Axolotl S.119: … keine Chance mehr auf eine heilsame Wendung zum Exzess.

Strobo S.141: Der Mittwoch (...) nahm dann noch eine heilsame Wendung zum Exzess.

* * *

Axolotl S. 130: „…Ficken wir irgendwann mal weiter?“
„Nein.“
„Wieso nicht?“
„Ich ficke nicht mehr.“
„Mann, Alter, ich bin übelst geil!“
„Ich ficke jetzt nicht mehr mit dir.“
„Aber warum denn nicht?“
„Ich will nicht.“
„Bist du positiv?“
„Ja.“
„Wie bitte?“
„Ja.“
„Du bist positiv?“
„Ja. Aber das weißt du doch.“
(...) Ich gehe tanzen.

Strobo S. 105: „Lass uns ficken!“
„Nein.“
„Wieso nicht?“
„Ich ficke nicht.“
„Mann Alter, ich bin übelst geil, wir holen jetzt nen Gummi von der Bar und ficken!“
„Nein.“
„Aber warum nicht? Bist du positiv?“
„Ja.“
Ich gehe tanzen.

* * *

Axolotl S. 135: „Der ist stockbisexuell. (…) Dort erklärt er dann einer zierlichen Schwarzhaarigen mit so einer Art olivfarbenen Traumbeinen, wie geil es ihn macht, dass ihre Haut überall gleich aussieht, sogar in den Achselhöhlen, und zwei Sekunden später findet die sich dann grottenschlecht durch ihre Netzstrumpfhose hindurch gefickt unter ihm wieder. So halt, irgendwie.“

Strobo S. 95/96, im Kapitel „stock-bi“: Zierlich, schwarzhaarig, keine zwanzig und olivfarbene Traumbeine (…) Ich küsse ihren Körper, ihre ultrazarte Haut, die überall die gleiche ist: An den Waden, an den Schenkeln, am Bauch und am Po, zwischen ihren Schulterblättern, auf ihren Brüsten und sogar unter ihren Achseln. (…) Ich ficke grottenschlecht, zittere hilflos auf ihr rum und gebe irgendwann auf.

* * *

Axolotl S. 136: „Wir unterhalten uns gerade über Bisexualität!“, moderiere ich schwerstelegant zu ihr hinüber.

Strobo S. 99: „Wir reden gerade über Bisexualität“, moderiere ich mich zu Jan rüber,...

* * *
Axolotl S. 172: Dann lege ich mich mit nassen Haaren zurück unter die Decke und lesen Zettel: Bleib ruhig liegen, es ist alles in Ordnung.
Im Türrahmen steht der ausschließlich in Boxershorts steckende Mottosweatshirttyp und sagt: „Bleib ruhig liegen, es ist alles in Ordnung.“

Strobo S. 115: Der Nette Fucker steht nackt in der Tür und wispert: „Hey Airen! Bleib ruhig liegen! Alles ok!“ Vor dem Sofa steht ein Tisch, darauf ein Zettel: „Lieber Airen! Bleib ruhig liegen, das ist ok!“

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Parallelen zum Blog:

Axolotl S.11: ... von einer hyperrealen, aber durch Rohypnol etwas schlecht aufgelöste Vaselintitten-Installation halb zerfleischt ...

Blog 28.5.09: ... mit farbigem Schattenspiel auf hyperrealen aber durch Rohypnol etwas schlecht aufgelösten Vaselintitten ...

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Axolotl S.15: Berlin is here to mix everything with everything.

Blog 5.6.09: Berlin is here to mix everything with everything.

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Axolotl S.35: Ich beschließe, fortan jeden klaren Moment mit Ketamin oder dem Satz „50 Whiskey Soda bitte!“ zu beseitigen.

Blog 16.8.09: ... kann ich nicht sagen, warum ich seit Monaten jeden klaren Moment mit „Einen doppelten Wodka on the rocks, bitte!“ bekämpfe.

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Axolotl S.48: Diese ganzen Afterhour-Mitverwundeten…

Blog 23.1.09: ... treuer Berlinbesucher, Afterhour-Mitverwundeter ...

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Axolotl S.105: …als nachts mit Bleigewichten an den Knöcheln vor dem Spiegel auf in Techno gemixte Geigenpassagen zu tanzen. Jeder Track war eine Herausforderung. Ich hätte Strom gefressen, um länger als achtundvierzig Stunden ekstatisch über einen vollgekotzten Dancefloor springen zu können. Eine Zeit, in der fremde Leute im Regionalexpress „Krasse Choreographie“ tuschelten ...

Blog 11.11.08: ... die Zeit, als ich jeden Abend mit Bleigewichten an den Knöcheln vor dem Spiegel übte, als ich jeden Track als Aufgabe sah, als fremde Leute in der U-Bahn auf mich zeigten und „krasse Choreographie“ tuschelten, als ich elektrischen Strom gefressen hätte, nur um besser tanzen zu können.

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Axolotl S.148/149: …weil es halt nicht darum geht, ob man etwas erlebt oder verpasst, es geht ja ausschließlich um das Ausmaß der Intensität, oder? (…) „Man kann jemandem auch ein Eisbärbaby als Hund verkaufen“

Blog 5.6.08: Eine Sache zu erleben oder eine Sache zu verpassen: Wenn du es nur bewusst genug tust, ist es dasselbe Gefühl in derselben Intensität, nur mit umgekehrten Vorzeichen. (…) „Oder jemandem einen jungen Eisbären als Hund verkaufen, hihi!“

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Axolotl S.177: Wiederhole mich seit drei Jahren, in diesem Glitter-Schmutz- und Pailetten-System, ganz böser Nightmare Bass für Erwachsene.

Blog 28.5.09: ... also mit Glitter, Schmutz und Pailletten, mit ganz bösem Nightmare-Bass für Erwachsene ...

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Axolotl S.199: Sie parkt vor einem Rokokoaltbau, der näher am türkischen als am schwulen Teil Schönebergs liegt und nur hundert Meter entfernt von einer der beiden bestgeöffneten Lidl-Filialen. Ich kurbele das Fenster runter und sehe ihr dabei zu, wie sie durch die Haustür in einen Flur mit schwarzem Holz und Spiegeln geht.

Blog 3.12.08: Ich fand ein schönes Ein-Zimmer-Apartment, Rokokoaltbau, im Hausflur schwarzes Holz und Spiegel. Zwischen S-Bahn und Volkspark, näher am türkischen als am schwulen Teil Schönebergs gelegen hatte es nebenan einen Getränkemarkt und war nur hundert Meter entfernt von einem der beiden bestgeöffneten Lidls in Berlin.

Das Gespräch führte Tobias Rüther

Quelle: F.A.Z.
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