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David Wagner über sein neues Buch Meine eigene Geschichte, wie geht die?

Heute erscheint „Leben“, das neue Buch des Berliner Schriftstellers David Wagner. Es handelt von einer lebensrettenden Lebertransplantation. Im Gespräch erzählt der Autor, wie es entstand.

© Oliver Wolff „Das Ich meines Buches bin nicht ich“, aber das ist er: David Wagner vorgestern in Berlin.

Das Schaffen des Schriftstellers David Wagner ist ein Spiegelbild seiner selbst. Nicht weil es eine bloße Abbildung seines Lebens wäre, sondern weil Person und Werk dieselben Eigenschaften aufweisen. Wer David Wagner begegnet, der staunt zunächst über dessen Kopf: ein riesiges, schweres Haupt, derzeit in dieser Wirkung noch verstärkt durch einen dichten schwarzen Vollbart, das einem verblüffend zarten Körper aufsitzt. Und wer David Wagner kennt, der weiß, dass dieser Körper viel zu erdulden hatte. Vor sechs Jahren bekam der Schriftsteller eine neue Leber transplantiert, Folge einer angeborenen Autoimmunhepatitis. Schon als Kind wusste der 1971 geborene Wagner, dass seine Leber nicht für ein Leben reichen würde. Über das Leben, für das sie schließlich reichte, und das, was ihm danach durch die Transplantation neu geschenkt wurde, hat er ein Buch geschrieben, das morgen erscheint und das literarische Ereignis des Frühjahrs ist. Wie könnte es anders heißen als „Leben“?

Dieses Wort weist nicht aus, ob es Einzahl ist oder Mehrzahl, Nomen oder Verb. Es bezeichnet das Elementarste. Und weil wir alle wissen, was Leben ist, aber jeder es anders erlebt, trägt David Wagners Buch auch keine Gattungsbezeichnung. Ist es eine Autobiographie, ist es ein Roman? In Leipzig ist es für den diesjährigen Preis der Buchmesse nominiert, in der Kategorie Belletristik. Alles spricht dafür, dass Wagner ihn gewinnt, denn dieses Buch ist konkurrenzlos. Das wäre es aber auch in der Kategorie Sachbuch/Essayistik.

Erzähl mir deine Geschichte

Es ist beides, autobiographisch und fiktional, sagt Wagner im Gespräch, und deshalb habe er mit dem Rowohlt-Verlag lange darüber gestritten, ob „Leben“ eine Genrebezeichnung brauche. Schließlich setzte sich der Autor durch, und es gibt nun nicht einmal im Klappentext einen Hinweis darauf, dass er das, was er beschreibt, selbst durchlitten hat. Aber man merkt es sofort.

Wie klingt dieses Buch? So zum Beispiel: „Und, was hat dich hierhergebracht? Komm, neuer Bettnachbar, erzähl mir deine Geschichte. Und meine eigene, wie geht die? Was, wenn sie hier zu Ende ist? Plötzlich, ich liege ja bloß herum und habe Zeit, viel Zeit, darüber nachzudenken, sehe ich von hier aus so etwas wie ein Leben. Musste es erst fast vorbei sein, um das zu bemerken?“ Das Fragezeichen ist eines der Stilmittel, mit denen Wagner die Grenzen zwischen innerem Monolog des Erzählers und Selbstauskunft des Autors verwischt. Wer fragt sich denn selbst in seinen Gedanken?

Ein Leben, das verdoppelt wurde

Gefragt wird Wagner jetzt viel, doch als wir uns treffen, ist es sein erstes Gespräch über das fertige Buch, am Vortag wurde letzte Hand daran gelegt. Es ist einer der vielen Tage dieses Winters in Berlin, an denen am Morgen frischer Schnee durch die Luft wirbelt. Wir sind zu Fuß unterwegs in die Auguststraße. David Wagner ist begeisterter Flaneur, und mehr als alles andere fehlte ihm im Krankenhaus das Gehen. Entsprechend sehnsüchtig sind die Passagen, in denen der Erzähler von seinen ersten Bewegungsversuchen nach der Transplantation erzählt. Aber auch vorher suchte er den diversen Krankenhausaufenthalten, die seine Krankheit erzwang, zu entkommen. Wie 2004, als er sich aus dem Hospital ins Café Burger absetzte, um dort eine Lesung durchzuführen. Wagner las damals sein eigenes “Todesarten“-Projekt, eine Sammlung von Zeitungsmeldungen über kuriose Todesfälle. Jetzt sind sie Teil von „Leben“ geworden, im steten Widerspiel der Daseinsformen, das dieses Buch ausmacht.

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