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Die Dämonen des Autors David Vann : Ich sehe für Amerika keine Hoffnung mehr

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David Vann schreibt sich seine Herkunftsgeschichte vom Leib Bild: picture alliance / dpa

David Vanns literarische Figuren befinden sich immer im Kampf - gegen die amerikanische Wildnis, gegen Hirsche und Bären, ihre eigenen Triebe und Begierden. Der neue Roman heißt „Goat Mountain“ und erscheint jetzt auf Deutsch.

          Ein elfjähriger Junge und sein Gewehr. Der Vater des Kindes und der Großvater, der wie ein unbarmherziger, alttestamentlicher Gott über die Familie herrscht. Der beste Freund des Vaters, der selbst schon zur Familie gehört und schließlich Zeuge ihrer erschreckenden Apokalypse wird. Das sind Figuren aus „Goat Mountain“, dem neuen Roman des amerikanischen Schriftstellers David Vann. Darin erinnert sich ein namenloser Erzähler, wie er im Herbst 1978 zusammen mit den Älteren zum Jagdrevier der Familie in Nordkalifornien aufbrach, um seinen ersten Hirsch zu schießen und die seit Generationen in die blutige Erde dieses Ortes eingeschriebene Geschichte fortzuerzählen.

          Es ist die Geschichte von Tod und Männlichkeit, von Blutrausch und Allmacht, dem Mythos jenes Quells unversiegbarer Manneskraft, der aus einem schweißnassen Kadaver entspringt - Voodoo einer atavistischen, im Dickicht der Zivilisation lauernden Welt. Als der Vater den Sohn durch das Zielfernrohr seiner .300 Magnum einen Wilderer auf ihrem Land betrachten lässt und der Junge den Mann ins Fadenkreuz nimmt, seinem Instinkt folgt und den Wilderer erschießt, geht ein Riss durch die Zeit, und der Mensch zeigt sich in seiner nackten, aller Hemmnisse beraubten Gestalt.

          Vann kennt das Gefühl „beobachtet und gejagt zu werden“

          „Ich erinnere mich, wie das Blut in meinen Schläfen pochte, wenn ich als Kind mit meinem Gewehr auf einen Hirsch zielte, und ich nichts anderes mehr hören konnte“, sagt David Vann. „Im Töten lag eine absolute Faszination, und im Alter von elf Jahren hatte ich bereits zwei Hirsche erlegt und gab mich dem Blutrausch mit der gleichen Leidenschaft hin wie die anderen Männer meiner Familie. Als mich mein Vater dann durch das Zielfernrohr seines Gewehrs einen Wilderer betrachten ließ, packte mich ein Schwindel, so als stünde ich am Rand einer Klippe, und etwas in mir, irgendetwas, von dem ich damals nicht wusste, dass es in mir ist, wollte abdrücken. Ich habe mich oft gefragt, was mich als Kind davon abgehalten hat, es zu tun und den Augenblick vorüberziehen zu lassen, statt den Wilderer zu erschießen.“

          Vann sitzt im Konferenzraum von Suhrkamp, seinem deutschen Verlag, der nun „Goat Mountain“ herausbringt. Auf der Durchreise von Neuseeland in die Türkei ist der amerikanische Schriftsteller nur für ein paar Tage in Berlin, wo er lieber in Parks allein durchs Unterholz streift als sich in einem Café der Einsamkeit der Großstadt auszuliefern - „dieser Welt der Illusionen“, wie es in seinem 2012 erschienenen Roman „Dreck“ heißt, dessen verstörender Protagonist sich nach Transzendenz und Erlösung verzehrt; dieser Verirrung einer konsum- und technikversessenen urbanen Gegenwart, der sich Vann wie in früheren Romanen nun auch in „Goat Mountain“ wieder radikal verweigert.

          Im Regenwald von Alaska ist der 1966 auf Adak Island geborene Sohn eines Zahnarztes mit dem Gefühl der Angst vor Bären und Wölfen aufgewachsen, „dem Gefühl, beobachtet und gejagt zu werden“, so beschreibt er es, „und doch auch vollkommen im Einklang mit der Welt, so wachsam und lebendig, wie ich es in einer Stadt niemals sein könnte“.

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