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Sonntag, 12. Februar 2012
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Daniel Kehlmann zum Tode von John Updike Seine Zeit und die Verlorenheit und das Glück

28.01.2009 ·  „Was für eine Intelligenz hier dahingegangen ist, welch ein hochneugieriger Geist, davon künden jetzt nur mehr seine Bücher.“ Daniel Kehlmann über John Updike, einen „Meister, dessen Schöpferkraft so groß war, dass seine Kunst leicht schien“.

Von Daniel Kehlmann
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Es gibt Augenblicke, in denen sich schämen sollte, wer nicht pathetisch wird. „Reality’s thumbprint on the rainbow“ sagte er, als es vor über dreißig Jahren an ihm war, einen Nachruf auf den bewunderten Vladimir Nabokov zu schreiben. Wieder also hat die Wirklichkeit ihren Daumenabdruck hinterlassen, und ein Meister, dessen Schöpferkraft so groß war, dass seine Kunst leicht schien, ist nicht mehr da.

Er war so berühmt und heiter, so erfolgreich und, zumindest wenn der Eindruck von fern nicht täuscht, auch glücklich, dass es manchem schwer fiel, ihn so zu mögen, wie er es verdient gehabt hätte, und dass man im Nachhinein leicht vergessen kann, dass er einer der Größten war im zwanzigsten, also dem amerikanischen Jahrhundert.

Ein Ausweg aus der existentiellen Verzweiflung

Er war womöglich der letzte fromme Erzähler von Rang, der die Welt für abgefallen von Gott hielt und der doch Gottes Angesicht in dessen Schöpfung suchte und deren Menschen und Dinge und Lichtstimmungen in einer Prosa von atemberaubender Zärtlichkeit nachformte. So trug er Prousts impressionistische Beschreibungskunst in die Welt der Autos und Malls, der Eisdielen und der Collegeabschlussbälle hinüber, in eine Neue Welt, die für ihn der Möglichkeit der Erlösung so fern gerückt war, dass sie sich dem Sex ergeben mußte.

Vor einigen Jahren hat David Foster Wallace ihm vorgeworfen, dass Sexualität kein Ausweg sei aus der existentiellen Verzweiflung, aber genau davon, dass sie es eben doch ist, lebte Updikes Kunst, und sein Leben scheint auch nicht darunter gelitten zu haben.

Was für eine Intelligenz hier dahingegangen ist, welch ein aufmerksamer und hochneugieriger Geist, davon künden jetzt nur mehr seine Bücher, die seltsam verwaist dastehen, zurückgelassen von dem skeptisch gläubigen Genie, das in ihnen Zeugnis ablegte von seiner Zeit und unserer Gegenwart und der Verlorenheit und dem Glück.

FAZ.NET-Spezial: Daniel Kehlmann und sein neuer Roman „Ruhm”

Quelle: F.A.Z.
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