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Veröffentlicht: 09.01.2015, 11:36 Uhr

Stilikone Joan Didion präsentiert Céline

Das Modeunternehmen Céline hat ein „neues Gesicht“: In der Frühlingskampagne wird die amerikanische Schriftstellerin Joan Didion zur Modeikone. Und zum Symbol für kluges Altern.

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© Céline Dahinter steckt immer ein kluger Kopf: die amerikanische Schriftstellerin als Modeikone

Zwei Röcke. Zwei Hemden. Ein Pullover. Zwei Paar Schuhe. Strümpfe, BH, Unterwäsche. Bourbon, Zigaretten. Das (und einige andere wie Shampoo und Aspirin) sind die wesentlichen Dinge, die Joan Didion einpackte, wenn sie auf Reportagereise ging. Dazu einen Mohairschal, eine Schreibmaschine, zwei Schreibblöcke und Stifte, Unterlagen sowie ihren Hausschlüssel im Handgepäck. Wir wissen das, weil sie es in ihrem Essayband „Das weiße Album“ von 1979 aufgeschrieben hat und dazu erklärte, diese Liste habe sie innen an die Schranktür geklebt, um ohne weiteres Nachdenken packen zu können und für jede Gelegenheit richtig angezogen zu sein: eine anonyme Uniform, die wesentlichen Arbeitsutensilien einer Schriftstellerin und Reporterin und die Dinge, die einen eine lange Flugreise in der Economy-Klasse und Übernachtungen in Motels mit unregulierbarer Klimaanlage überstehen lassen. Das sind Schal und Bourbon. Von einer Sonnenbrille war nicht die Rede. Dabei trägt sie auf Bildern häufig eine – eine riesig große zumeist.

Verena Lueken Folgen:

Auch auf dem Foto, das Jürgen Teller für Céline von ihr aufgenommen hat, ist die Sonnenbrille das hervortretende Accessoire. Joan Didion, die vor wenigen Wochen achtzig Jahre alt wurde, ist „das neue Gesicht“ dieser Modemarke, die mit den minimalistisch edlen Entwürfen von Phoebe Philo seit 2010 einen vollkommenen Imagewechsel vollzogen hat. Wir sehen in dieser Anzeige die alte Dame hinter einer pechschwarzen Sonnenbrille mit untertassengroßen Gläsern, ganz in Schwarz mit einer langen Kette, an der ein großer, gegenüber den Sonnengläsern aber fast zierlich wirkender Stein hängt. Wir sehen ein sehr altes Gesicht, das mit den Skalpellen, Füllern und Bewegungsstoppern der Kosmetikindustrie nie in Berührung kam, und vielleicht ist das die Botschaft: Lasst uns klug sein und auf diese Weise altern.

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Denken und Mode jedenfalls waren selten so miteinander im Einklang wie hier. Joan Didion ist nach Susan Sontag die zweite große Intellektuelle Amerikas, die in Modemagazinen als Stilikone verehrt wird. Ist das gut? Natürlich! Wie ihr Verstand so ist auch die Erscheinung der beiden absolut klar. „No bullshitting“, wie ihre Landsleute sagen. So sollte es sein.

Glosse

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Selbst Menschen, die öffentlich über Bücher sprechen, erklären häufig, sie hätten ja gar keine Zeit zum Lesen. Der Bazillus des nichtinformierten Diskurses verbreitet sich zusehends. Mehr 5

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