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200. Todestag von Jane Austen : Die doppelgesichtige Starautorin

Eine durchaus naheliegende Wahl: Im Juli 2013 stellt Mark Carney, Direktor der Bank von England, die neue Zehn-Pfund-Note mit dem Konterfei Jane Austens vor. Bild: Picture-Alliance

Zum zweihundertsten Todestag von Jane Austen steht ganz England im Banne seiner beliebtesten Schriftstellerin. Doch es feiern auch die ältesten Missverständnisse über ihr Leben und ihre Bedeutung fröhliche Urständ.

          Auf dem Porträtkopf streift der Anflug eines Lächelns über das Gesicht. Unter der Haube ringeln sich Locken um die Stirn. Die großen seelenvollen Augen blicken verträumt. Im Hintergrund ist die schattenhafte Figur einer jungen Frau im Empirekleid zu sehen, die, über einen Tisch gebeugt, liest. Darunter ein herrschaftliches Anwesen mit Pferd und Reiter sowie einer durch die weitläufige Parklandschaft fahrenden Kutsche. So würdigt die Bank von England auf einem neuen Zehnpfundschein die „universale Anziehung“ und „den bleibenden Beitrag“ Jane Austens zur englischen Literatur. Die sepiafarbene Banknote wird am 18. Juli, dem zweihundertsten Todestag der Schriftstellerin, offiziell in Umlauf gebracht – in der Kathedrale von Winchester, in deren Nordschiff Jane Austen bestattet liegt.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Die Bank von England geriet unter heftigen Beschuss, als sie vor vier Jahren ihre Absicht kundtat, das Bild der Strafvollzugsreformerin Elizabeth Fry als einzige weibliche Person auf einem Geldschein (neben der Königin, deren Konterfei alle britischen Zahlungsmittel ziert) durch das von Winston Churchill zu ersetzen. Eine wütende Kampagne forderte Ausgleich, die Bank zeigte sich einsichtig. Es verwundert freilich nicht, dass bei der Suche nach einer passenden Frau die Wahl auf Jane Austen fiel, die wie keine andere Schriftstellerpersönlichkeit außer Shakespeare mit der Identität der englischen Nation verwoben ist.

          Ein Eindruck für die Ewigkeit

          Der neue Schein bringt allerdings ein in der Vergangenheit gefangenes Jane-Austen-Bild in Umlauf, nachdem ihre Welt in den Kulturkriegen der siebziger und achtziger Jahre dekonstruiert worden ist, nachdem der Feminismus sie vereinnahmt hat, nachdem die Forschung sich in hitzige Auseinandersetzungen über Gender, Klasse und nationale Identität verstrickt und sogar zur Debatte gestellt hat, ob Austen lesbisch gewesen sei, lange nachdem sie zur Mutter der chick lit gekürt wurde. Die Motive auf dem Schein bilden ein Sammelsurium von Klischees und Halbwahrheiten, gegen die Literatur- und Kulturwissenschaftler schon seit Jahrzehnten ankämpfen, wie jetzt zwei Ausstellungen zum Jubiläum in Oxford und Winchester belegen.

          Als Vorlage für das Porträt auf dem Zehnpfundschein diente ein Stahlstich nach einem Aquarell, das wiederum auf einer kolorierten Bleistiftskizze aus der Hand von Jane Austens älterer Schwester Cassandra basiert. Diese unfertige vorbiedermeierliche Zeichnung gilt trotz plausibler Einwände traditionell als das einzige gesicherte Bildnis der Autorin, wenn man von der hübschen, ganzfigürlichen Rückenansicht aus dem Jahr 1804 absieht, auf dem Austens Gesicht unter dem Schirm ihrer Haube versteckt ist. Wenn die Datierung von Cassandras rührend-unbeholfenem Porträt auf die Zeit um 1810 stimmt, wäre die Autorin fünfunddreißig Jahre alt gewesen. Mit ihren schmalen Lippen, den wachen, zur Seite gewandten Augen unter ironisch hochgezogenen Brauen und den beinahe trotzig verschränkten Armen wirkt die Dargestellte eher mürrisch, als dass sie jenen Eindruck von äußerster Bescheidenheit und tantenhafter Güte abgäbe, den ihre Verwandtschaft für die Ewigkeit erhalten sehen wollte. Jane Austen hatte damals noch kein einziges Buch publiziert.

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