Home
http://www.faz.net/-gr0-vdv0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Aufbau-Verlag Der verkloppt doch nicht?

02.07.2007 ·  Bernd Lunkewitz, der den Aufbau-Verlag nach der Wende in die gesamtdeutsche Gegenwart hinüberrettete, macht sich auf die Suche nach einem Nachfolger. Die Frage ist: Findet er einen Käufer?

Von Edo Reents
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Frage ist weniger: Verkauft Bernd Lunkewitz seinen Aufbau-Verlag? Die Frage ist: Findet er einen Käufer? Das Geschäft läuft ja wieder besser: Der einst größte Belletristik-Verlag der DDR hat mit dem Ablauf des ersten Halbjahres 2007 eine Umsatzsteigerung von fünfundzwanzig Prozent verbucht. Lunkewitz aber, hieß es soeben im „Spiegel“, habe nach dem alles andere als zufriedenstellenden Geschäftsjahr 2006 die Geduld schon verloren.

Und tatsächlich, der Mann, der Aufbau gleich nach der Wende gekauft und als einzigen verbliebenen DDR-Verlag in die gesamtdeutsche Gegenwart hinübergerettet hat, will vor allem „das Suhrkamp-Syndrom vermeiden“ und macht sich nun, mit bald sechzig Jahren, auf die Suche nach einem Nachfolger - allerdings nur im Kapitalbereich; verlegerisch will er noch lange tätig sein. Doch eine Lösung scheint nicht in Sicht: „Es gibt nicht viele links eingestellte, literarisch interessierte Millionäre in Deutschland“, sagt der Frankfurter Geschäftsmann, der gerne Marx zitiert. Bei Bertelsmann gibt es Millionäre, aber kaum linksgerichtete. Trotzdem gab es schon Kontakt zur großen Tochter Random House: „Wenn die um ein Gespräch bitten, sagt niemand: Mit denen rede ich nicht.“ Die Sache zerschlug sich, seither ist die Sache erst einmal vom Tisch.

Verlag vor einem Größenproblem

Aufbau steht, wie andere Häuser auch, vor einem Größenproblem: Ein mittlerer Verlag mit einem Umsatz von dreizehn bis fünfzehn Millionen Euro - „das ist deutlich zu wenig“, sagt Lunkewitz. „Heute sind mindestens fünfzig Millionen nötig, um bei Thalia und Hugendubel in der ersten Reihe zu sitzen.“ Der Druck der Buchhandelsketten ist so gestiegen, dass auch ein Haus wie Aufbau über Dinge nachdenken muss, die mit dem traditionellen Selbstverständnis schwer zu vereinbaren sind.

Dass der Verlag zehn (von insgesamt mehr als siebzig) Stellen streichen will, teilweise durch Vorruhestandsregelungen oder Verzicht auf Neubesetzung; dass er vertriebliche und andere Partnerschaften eingegangen ist; dass er auch sonst abgespeckt hat in Form eines um ein Fünftel verknappten Angebots und indem er die Rechtsabteilung in eine GmbH verwandelt hat, in die dann Mitarbeiter verschoben wurden - dies alles muss noch nicht als Alarmsignal für eine Situation gewertet werden, die den Verlag als solchen bedrohen könnte. Bei Aufbau ist denn auch zu hören, das seien alles normale Strukturveränderungen, die seit zwei Jahren im Gange sind. Gerüchte, wonach unter den Eingesparten fünf hochrangige Mitarbeiter sind, werden nicht bestätigt. Aber offenbar hat die Pressechefin Barbara Stang die Kündigung erhalten, was ebenfalls niemand bestätigt, aber nicht anders sein kann, weil gerade ein Arbeitsprozess anhängig ist.

Lunkewitz ist bemüht, keine Dramatik aufkommen zu lassen: „Ich habe nicht die Absicht, morgen zu verkloppen.“ Aber übermorgen? Nichts ist unmöglich, das sagen alle, mit denen man spricht. Man muss es abwarten. Der Chef tut es ja auch, aber nicht ewig: „In fünf Jahren will ich das Problem gelöst haben.“ Die Frage ist also: Wer wird Millionär?

Quelle: F.A.Z., 03.07.2007, Nr. 151 / Seite 35
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

Jüngste Beiträge