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Ein antiquarisches Konvolut : Reich-Ranickis letzte Bücher

  • -Aktualisiert am

Marcel Reich-Ranicki in seinem Büro in der Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Mai 2008. Bild: Helmut Fricke

Nach dem Tod von Marcel Reich-Ranicki wanderte sein Büchernachlass zum größten Teil ins Literaturarchiv in Marburg – mit Ausnahme von einem Dutzend Bananenkisten. Diese 425 Bücher stehen nun zum Verkauf bereit.

          Wer dieser Tage die Seite des Online-Antiquariats ZVAB aufruft, sieht dort vor einer Regalreihe mit Werken von Günter Grass und Hilde Spiel ein Porträt von Marcel Reich-Ranicki. Das Banner verweist auf einen Sonderverkauf des Frankfurter Antiquariats Castellum, das seit einigen Tagen über das Portal zvab.com Bücher aus dem Besitz des großen Literaturkritikers veräußert. Unter den Titeln finden sich zahlreiche signierte Werke, aber auch Leseexemplare sowie manche von Reich-Ranickis eigenen Veröffentlichungen in Nachauflagen. Von dem ursprünglichen Bestand von 425 Büchern waren am späten gestrigen Nachmittag noch hundertfünfzig zu haben; die Preise liegen in den meisten Fällen zwischen dreißig und vierzig Euro. Bei vielen handelt es sich offensichtlich um Buchsendungen, mit denen wenig bekannte Autoren hofften, Reich-Ranicki zur Lektüre, gar Rezension ihrer Werke zu bewegen. Besondere Bände wie das vom Kritiker mit Anmerkungen versehene Exemplar der „Unkenrufe“ von Günter Grass oder ihm persönlich zugeeignete Bücher von Schriftstellerfreunden wie Siegfried Lenz, Walter und Inge Jens oder Ludwig Marcuse sind bereits verkauft.

          Viele Interessenten dürften sich vor allem fragen, woher die Bücher stammen - ging doch Reich-Ranickis umfangreiche Bibliothek nach seinem Tod im September 2013 an die Universität Marburg, wo der Germanist Thomas Anz eine Arbeitsstelle zu dem großen Literaturkritiker betreut. Andere Nachlassbestände erhielt das Deutsche Literaturarchiv in Marbach. Die Bücher, die jetzt aufgetaucht sind, waren nicht Bestandteil dieses Nachlasses, wie der Sohn Andrew Ranicki und Thomas Anz dieser Zeitung gegenüber bestätigen. Vielmehr handelt es sich bei dem Konvolut um einen Vorlass der besonderen Art. Reich-Ranicki hatte die Bücher - wohl zur Entlastung seiner übervollen Bibliothek - über viele Jahre hinweg seinem Frankfurter Buchhändler Andreas Brahm überlassen, der in der Nähe des Zoos sein Geschäft „Chimaira“ betreibt. Wann immer Marcel Reich-Ranicki einen Bücherwunsch hatte, ob antiquarisch oder aktuell, wandte er sich an Brahm, der ihm die Bände nach Hause zu bringen pflegte. Irgendwann fragte Reich-Ranicki den Buchhändler seines Vertrauens, ob er Verwendung habe für manches, das er nicht mehr brauche. Bei Bänden mit Widmung oder Signatur bat er indes darum, dass Brahm diese erst nach seinem Tod verkaufen solle.

          Vor zwei Jahren dann wandte sich Andreas Brahm zunächst an Marbach. Erst als die ihm telefonisch zugesagte Rückmeldung über Monate nicht erfolgte, kontaktierte er Frank Fritzeln vom Antiquariat Castellum. Er selbst, so Brahm, sei mit seinem Geschäft schlicht so „gnadenlos überlastet“, dass er die zeitaufwendige Katalogisierung und die damit verbundenen Recherchen schlicht nicht hätte leisten können. Neben den Büchern hat Marcel Reich-Ranicki ihm auch manche Briefe überlassen, die ihn von Lesern und Fans erreichten. Auch diese sollen demnächst noch von Castellum verkauft werden.

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