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Anna Amalia Bibliothek : „Freudentag für die Kulturnation“

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In neuem Glanze Bild: dpa

Drei Jahre nach dem Großbrand ist die von Grund auf sanierte Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar wiedereröffnet worden. Bundespräsident Köhler nutzte seine Rede für ein Plädoyer, die Bibliotheken stärker zu fördern.

          Drei Jahre nach dem Großbrand ist die von Grund auf sanierte Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar wiedereröffnet worden. Bundespräsident Horst Köhler sprach beim Festakt am Mittwoch von einem „Freudentag für die Kulturnation Deutschland“. Er lobte die große Spendenbereitschaft für den Wiederaufbau. Neben Bund, Land und Stiftungen hätten sich mehr als zwanzigtausend Bürger an der beispiellosen Hilfsaktion beteiligt. Dies sei ein überragendes Zeichen für das kulturelle Engagement im Land.

          Im September 2004 hatte eine defekte Kabelverbindung im Dachstuhl das Feuer ausgelöst, das 50.000 Bücher und 37 Gemälde unwiederbringlich zerstörte. Nur wenige Wochen später wären die gesamten Buchbestände in einem lange geplanten und fast fertig gestellten Erweiterungsbau mit Tiefmagazin und neuem Studienzentrum sicher untergebracht gewesen. Das zum Unesco-Welterbe gehörende historische Gebäude präsentiert sich jetzt in dem Zustand wie zur Glanzzeit der Bibliothek um 1850. „Wir haben heute erst ein erstes Etappenziel erreicht“, sagte Köhler. Die Bibliothek brauche weitere Unterstützung, damit auch der Wiederaufbau des Buchbestandes so gelinge wie die Sanierung des Gebäudes. Die Buchrestaurierung solle 2015 abgeschlossen sein.

          Goethe als oberster Bibliothekar

          „Wir haben große Schätze zu bewahren und wiederzugewinnen“, sagte der Bundespräsident. Er würdigte die wunderbare Architektur des Rokokosaales und den reichen Bestand an Büchern und Handschriften. „Die glanzvollste Periode der Bibliotheksgeschichte wurde von dem Weimarischen Staatsminister Johann Wolfgang Goethe bestimmt, der 35 Jahre lang auch der oberste Bibliothekar Weimars war. Unter Benutzung dieser Sammlung sind die herrlichsten Werke der deutschen Literatur entstanden“, schwärmte der Bundespräsident: „In Weimar schlägt das kulturelle Herz Deutschlands.“

          Erste Besucher

          Köhler beklagte, dass in Deutschland - im Gegensatz zu den erfolgreichen Pisa-Ländern - die strategische Verankerung der Bibliotheken als Teil der Bildungsinfrastruktur fehle. „Bibliotheken gehören deshalb in Deutschland auf die Tagesordnung“, forderte der Bundespräsident. Die Finanzausstattung vieler Institute liege unter dem Notwendigen, die Personaldecke sei dünn geworden. „Hier hoffe ich auf eine Kurskorrektur.“

          Das historische Haus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek war in den vergangenen drei Jahren für 12,8 Millionen Euro saniert und modernisiert worden. Der berühmte Rokokosaal strahlt in einem hellen Lichtblau; die Verzierungen glänzen in einem warmen Goldton. Nach Ansicht von Experten ist der Raum noch authentischer als im Jahr 2004 vor dem Brand. 62.000 Bände mit zum Teil schweren Brand- und Wasserschäden waren zur Erstversorgung in das Leipziger Zentrum für Bucherhaltung gebracht worden. Davon stehen inzwischen 16.000 restaurierte Bände den Benutzern wieder zur Verfügung. Die Gesamtkosten für die Restaurierung und Wiederbeschaffung der Bücher schätzt die Klassik Stiftung Weimar auf 67 Millionen Euro. Ein Viertel dieser Summe kam bisher durch Spenden zusammen. Die Sammlung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek umfasst insgesamt rund 900.000 Bände vom 9. bis zum 21. Jahrhundert.

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