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Amerika Wunderbares Land

30.03.2007 ·  Die Erwartungen waren hochgespannt, vielleicht sogar vermessen, und das offenbar nicht nur im Verlag Random House. Die Kritiken reagierten verhalten.

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Die Erwartungen waren hochgespannt, vielleicht sogar vermessen, und das offenbar nicht nur im Verlag Random House. Daniel Kehlmanns Bestseller „Die Vermessung der Welt“, von der renommierten Übersetzerin Carol Brown Janeway als „Measuring the World“ den Amerikanern zugänglich gemacht, sollte sich „womöglich als ,Der Name der Rose' des Herbsts“ erweisen. So hatte es der „Philadelphia Inquirer“ seinen Lesern prophezeit, aber als das Blatt dann seine Kritik des Buches veröffentlichte, war der Ton schon ein wenig gedämpfter. Gleichwohl zeigte sich Carlin Romano, der Literaturkritiker der Zeitung, immer noch beeindruckt: Bei Kehlmann werde „deutsches Sein“ erträglich, indem er es leichter mache: „Zufällige Leser werden sich darüber freuen, Humboldt und Gauß getroffen zu haben. Sie werden sich ebenso darüber freuen, ihnen wieder zu entkommen.“

Im Vergleich mit Thomas Pynchons „Against the Day“, so Romano, fänden Kehlmanns Phantasieflüge in Bodennähe statt. Das stört Tom LeClair in der „New York Times“ weniger, aber an Pynchon, meint auch er, reiche Kehlmann nicht heran: „Der Roman ist wie eine von Humboldts Landkarten oder eine von Gauß' Formeln, ist als Werk eines mutmaßlichen Wunderkinds aber nicht wunderbar, ist weit gespannt und doch nicht weit genug, um dem Material Genüge zu tun.“ Trotzdem gefallen LeClair das Tempo und die Leichtigkeit des Buches ganz gut. „Was für ein wunderbares Land muss Deutschland sein“, schreibt er, wo das Buch J. K. Rowling und Dan Brown von der Spitze der Bestsellerlisten verdrängen konnte.

Eher verwundert zeigt sich Aaron Britt im „San Francisco Chronicle“. Gerade die geistige Tiefe, die jedes bessere Vorurteil dem Land und seinen Schriftstellern zugesteht, vermisst er bei Kehlmann. Ein Werk, das hauptsächlich entzücken wolle, scheine damit zufrieden, in seichtem Gewässer herumzupaddeln. Sein Mangel an Substanz beraube es dauerhafter Wirkung oder wirklich künstlerischer Größe. Kehlmanns Leichtfüßigkeit habe ihre Verdienste, aber letztlich sei das Buch belanglos, nicht mehr als ein flottes Divertissement. So ähnlich urteilt auch Ron Charles in der „Washington Post“, der die Geschichte weniger gescheit als närrisch findet. Der magische Realismus, der bei Kehlmann aufblitze, lese sich wie ein Borges, den es in den Schwarzwald verschlagen habe. Die alles in allem freundlichen, aber keineswegs hymnischen Kritiken haben dem Roman nicht eben geholfen, die enormen Hürden zu nehmen, die Amerika für so gut wie jedes Buch aus einem nichtenglischsprachigen Teil der Welt aufstellt.

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