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Amazons Lesegerät Kindle Das Buch, das aus dem Äther kam

Speichern und Suchen sind die Stärken der neuen elektronischen Lesegeräte, und es liest sich gar nicht mal schlecht mit ihnen. Droht dem gedruckten Buch als wichtigstem Medium unserer Kultur eine Revolution?

© F.A.Z. - Foto Julia Zimmermann Vergrößern 295 Gramm für 359 Dollar: Das Lesegerät Kindle speichert bis zu 200 Bücher

Als am 21. Juli 2007 der siebte und letzte Band der Harry-Potter-Reihe erschien, wurden innerhalb von vierundzwanzig Stunden mehr als zehn Millionen Exemplare verkauft. Man sprach von einer logistischen Meisterleistung und dem Triumph eines altehrwürdigen Mediums, dem seit vielen Jahren immer mal wieder sein bevorstehendes Ende verkündet wird. Nie zuvor in der jahrhundertealten Geschichte des Buchdrucks hatte sich ein einzelnes Buch mit einer solchen Geschwindigkeit verbreitet. Aber was wäre geschehen, wenn jedermann sich das Werk als elektronisches Buch im Internet hätte herunterladen können? Wie viele Menschen hätten von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht - zwanzig Millionen, vielleicht fünfzig Millionen? Wie groß die Zahl auch sein mag, für den traditionellen Buchhandel, für den nur noch ein Potter-Jahr ein gutes Jahr ist, beschreibt sie ein Katastrophenszenario. Denn der Vertrieb der e-books findet ausschließlich im Internet statt, die stationären Buchhandlungen können daran nichts verdienen.

Hubert Spiegel Folgen:  

Das ist nur einer von vielen Gründen, weshalb der Kindle, wie Amazon sein neues elektronisches Lesegerät getauft hat, neben Begeisterung über den technischen Fortschritt auch große Befürchtungen auslöst. Denn erstmals seit der Einführung solcher Lesegeräte vor etwa zehn Jahren drohen der Kindle und seine Artgenossen wie Sonys Portable Reader, das Cybook oder der iLiad dem gedruckten Buch ernsthafte Konkurrenz zu machen. Dank einer neuen Bildschirmtechnologie, die mit einer Art elektronischer Tinte arbeitet, lässt sich mit den neuen Geräten genauso gut lesen wie am Computerbildschirm und das sogar bei Tageslicht im Freien.

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Elektronisches Potter-Feuer im Keim erstickt

Man könnte diese Geräte als nützliche Hilfsmittel abtun, als digitale Lastenesel und profane Alternative zum schönen Buch. Schließlich ist es ja wirklich bequem, wenn man auf Reisen eine veritable Handbibliothek mit mehreren hundert Bänden in einem kleinen, eher hässlichen Plastikkästchen gespeichert hat, das indes kaum größer und schwerer ist als ein Taschenbuch und überdies noch so nützliche Funktionen wie eine Volltextsuche anbietet. Aber während die einen freudig vom größten evolutionären Schritt seit Erfindung des Buchdrucks sprechen, fragen sich die anderen besorgt, welche Umwälzungen dem wichtigsten Medium der Kulturgeschichte bevorstehen könnten. Bislang scheint nur eines sicher: All jene, die mit dem Buch zu tun haben, ob sie es schreiben, drucken, binden, verlegen, durchs Land transportieren, verkaufen oder lesen, dürften auf die oder andere Weise von der neuen Technologie berührt werden.

Jeff Bezos © AP Vergrößern Zumindest äußerlich so groß wie ein Buch: ein Kindle-Gerät in Händen des Amazon-Chefs Jeff Bezos

Wörtlich übersetzt bedeutet „to kindle“ so viel wie entzünden oder entflammen. Joanne K. Rowling hat das elektronische Potter-Feuer, das der Kindle entfachen könnte, im Keim erstickt, als sie entschied, dass ihre Werke nicht als e-book erscheinen dürfen. Über die Beweggründe der ehemaligen Lehrerin wird heftig spekuliert, auch auf der Website von Amazons Abteilung für e-books, im „Kindle Store“. Potter-Fans, die zugleich Kindle-Fans sind, machen dort ihrem Ärger Luft, verdächtigen die Autorin anti-amerikanischer Absichten oder bezeichnen sie schlicht als „Inkarnation des Bösen“.

Droht der Buchbranche das Schicksal der Musikindustrie?

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Veröffentlicht: 29.08.2008, 13:20 Uhr