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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Amazons „Election Heat Map“ Rot und blau ist Amazons Hitzekarte

 ·  Amazon hat politische Bücher in demokratisch und republikanisch eingeteilt und anhand der Verkaufszahlen in den amerikanischen Bundesstaaten entsprechende Mehrheiten simuliert. Ein oberflächlicher Marketing-Gag.

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© Amazon Stündlich aktualisiert: Amazons „Election Heat Map“

Im Jahr 2000 einigten sich amerikanische Medien auf zwei Farben, mit denen in politischen Landkarten die Staaten mit demokratischer und jene mit republikanischer Mehrheit einzufärben waren. Das Tohuwabohu, das mit Einführung des Farbfernsehens begonnen hatte, war zu Ende: Nun gab es die demokratischen „blue states“ und die republikanischen „red states“. Die Amerikaner hatten ein neues Attribut für die politische Richtung, eine farbliche Entsprechung für Linke und Rechte, für liberal und konservativ, für Demokraten und Republikaner.

Und neuerdings gibt es sogar rote und blaue Bücher: Der Online-Versandhändler Amazon versieht die bei ihm angebotenen politischen Bücher mit einem Richtungseinschlag in Rot und Blau, also den Republikanern beziehungsweise den Demokraten zugewandt (www.amazon.com/gp/election-heatmap). Von der Menge der in den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten verkauften roten und blauen Bücher leitet Amazon den Wahltrend der jeweiligen Staaten ab und stellt diesen in einer Karte dar. Werden mehr rote als blaue Bücher verkauft, gilt er als „red state“ und umgekehrt.

Oberflächliche Einordnung

Amazon will nach eigenen Angaben die politische Diskussion während der Wahlkampfphase bereichern. Viel mehr als ein Marketing-Gag ist das nicht. Man hofft, Leser politischer Bücher mit weiteren, ähnlich denkenden Autoren zu versorgen. Immerhin hat Amazon die Aktion mit einer Art Warnhinweis versehen: „Bücher sind keine Stimmen, eine Karte mit Buchverkäufen kann also Neugier ebenso wie Bindung widerspiegeln.“ Wäre dem nicht so, könnte Barack Obama einpacken - in der aktuellen Election Heat Map dominiert Rot. Nicht nur die wechselwählerischen „Swing States“ hätte er verloren, sondern auch tendenziell demokratisch wählende Staaten wie Kalifornien oder Oregon müssten ihre Wahlmänner anweisen, für Mitt Romney zu stimmen. Andererseits schlägt Obamas Buch „The Audacity of Hope“ Romneys „No Apology“ um Längen.

Interessant sind die Kriterien, nach denen Amazon die Bücher einstuft. Ein Blick in die Liste der meistverkauften Bücher zeigt das wohl schlagendste Argument, um erfolgreich und rot zu sein: Dazu muss das Buchcover nur einen bedröppelt dreinschauenden Obama unter einem kompromittierenden Titel wie „The Amateur“ zieren. Amazon gibt an, die Bücher anhand der für sie bereitgestellten Werbematerialien und Zielgruppenangaben zu klassifizieren. Schlagwörter, die das Buch einordnen, helfen dabei. So entsteht eine Einteilung, die zwar logisch scheint - die Bücher des konservativen Kommentators Bill O’Reilly etwa stehen auf der roten, „The New New Deal“ auf der blauen Seite -, aber auch sehr oberflächlich gerät, weil sie sich letztlich auf die Angaben der Buchverlage verlässt. Bessere demoskopische Möglichkeiten hätte freilich Facebook. Das Online-Netzwerk könnte alle Zeitungsartikel, Statusmeldungen und Kommentare erfassen, die die Nutzer in ihren Profilen posten. Die Einteilung in rote und blaue Nutzer erfolgte dann anhand einer Google-Textsuche nach Signalwörtern wie „links“ und „rechts“, „liberal“ und „konservativ“. Oder „rot“ und „blau“.

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