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Amazons Bücherkrieg : Wir brauchen Widerstand gegen die Invasion

Jeff Bezos, Gründer von Amazon, bei einem öffentlichen Auftritt 2014. Bild: AFP

Amerikas Bücherkrieg: In der Public Library von New York diskutieren Gegner und Befürworter von Amazon. Der Widerstand einiger Verleger ist von historischer Bedeutung.

          Ist der Moment jetzt da? Der Moment der Besinnung, des Widerstands, des Gegenschlags? Der Moment, der im Rückblick einmal den Anfang vom Ende der Übermacht des Buchversandhauses Amazon bezeichnen wird? Immer wieder wollte die Literaturagentin Tina Bennett von den in der New York Public Library versammelten Literaturbetriebsgrößen wissen, ob man in der Runde ihrer Einschätzung der historischen Bedeutung des Konflikts zwischen Amazon und dem Verlagskonzern Hachette zustimme.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Frau Bennett, Spitzenkraft der Talentagentur von Ari Emanuel, dem Bruder des Bürgermeisters von Chicago, mit Hauptquartier in Beverly Hills, ist eine Expertin für die Prägnanz des Moments, die strategische Wahl der richtigen Zeitpunkte. Sie fand einen Verlag für „The Tipping Point“, das Buch des „New Yorker“-Autors Malcolm Gladwell über unscheinbare Augenblicke mit weltumwälzender Wirkung.

          Die Plazierung dieses Titels aus der volkstümlichen Sozialwissenschaft darf als denkwürdiger Moment in der jüngeren Geschichte des amerikanischen Sachbuchgeschäfts gelten: Tina Bennett gelang es, für ihren Autor einen Vorschuss von 1,5 Millionen Dollar auszuhandeln. Sie ist auch die Agentin von Laura Hillenbrand, der Autorin von „Seabiscuit“, dem Ewigseller über Leiden und Größe eines Rennpferds. Aber auch solche großen Mitspieler an der Bestsellerbörse fühlen sich durch Amazon bedroht.

          Wie ein Gepard

          James Patterson, der Kriminalschriftsteller, der durch Outsourcing der Schreibarbeiten kurze Lieferzeiten garantiert, könnte Jeff Bezos von gleich zu gleich gegenübertreten, als Verkaufsgenie und Erfinder geheimer Erfolgsformeln. Aber Patterson stellte sich auf dem Podium der Weltstadtbibliothek als „verwundete Gazelle“ vor, weil Amazon auch bei seinen Büchern künstliche Lieferschwierigkeiten erzeugt, um Hachette zu zwingen, noch günstigeren Bedingungen für den Großabnehmer zuzustimmen.

          Durch Brad Stones Biographie von Bezos sind einige emblematische Details der Lebensplanung des Versandhausgründers ins historische Gedächtnis der lesenden Republik eingegangen, darunter die von Bezos ausgegebene Losung, Amazon solle kleinen Verlagen nachstellen wie ein Gepard einer kränkelnden Gazelle.

          Amazon schickt Anwalt statt Manager

          Kein Manager aus Seattle wollte der Einladung der berühmtesten Bibliothek der Vereinigten Staaten folgen. Amazon schlug stattdessen der Public Library vor, David Vandagriff hinzuzubitten, einen auf Autorenverträge spezialisierten Rechtsanwalt, und bezahlte Vandagriffs Flugticket. Ein brillanter Schachzug der Öffentlichkeitsarbeiter des Monopolisten: Amazon gab einerseits zu verstehen, dass der Weltfirma die Sorgen des Personals der New Yorker Verlagsbranche gleichgültig sind, und war auf dem Podium andererseits durch einen Sprecher vertreten, der für die Strategie der Verdrängung aller Türhüter und Mittelsmänner viel glaubwürdiger werben konnte als jeder Konzernangestellte.

          Der Jurist Bob Kohn, Gründer von eMusic, einer Firma, die Musikdateien im Monatsabonnement vertreibt, sagte voraus, Amazon werde versuchen, das Urheberrecht außer Kraft zu setzen, um alle Kunden als Abonnenten für seinen Premium-Dienst zu gewinnen. Die Kosten für die Lieferung elektronischer Bücher gingen gegen null; würden die Tantiemen für die Verlage entfallen, müsste Amazon den Abonnenten für das einzelne Buch nichts mehr in Rechnung stellen.

          Vandagriff dagegen, der auch einen polemischen Blog betreibt, präsentierte sich als ehrlicher Makler, der als Sachwalter seiner Autoren hart verhandele und Amazon mit seinem New Yorker Auftritt nun zum ersten Mal einen Gefallen tue. Seine Klienten verdienen angeblich sehr viel besser, seit sie ihre Bücher ausschließlich über Amazon absetzen und sich aus der Knechtschaft der Verlagsverträge befreit haben.

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