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Amazons Bücherkrieg : Wir brauchen Widerstand gegen die Invasion

Preisdumping gegen die Konkurrenz

Kohn machte Vandagriff einen Strich durch die suggestive Rechnung: „Hachette ist erst der Anfang!“ Durch Preisdumping wolle sich Amazon aller Konkurrenz entledigen. Seien erst einmal die Verlage ausgeschaltet, werde Amazon auch den Hausautoren schlechtere Konditionen aufnötigen, da es für sie dann keine Alternative mehr zum Selbstverlag gäbe. Morgan Entrekin, der Verleger von Grove Atlantic, einem konzernunabhängigen Haus für intellektuelle Literatur, hob hervor, dass die Verlage bislang von Amazon durchaus profitiert hätten.

In den vergangenen drei Jahren habe die Branche Rekordumsätze gemacht; einem kleinen Verlag wie Grove Atlantic ermögliche es der Amazon-Katalog, „die größte Bibliothek der Weltgeschichte“, auch entlegenste Titel der Backlist an den Mann zu bringen. Entrekin rechnet aber damit, dass die Preisvorstellungen von Amazon das auch von den Konzernverlagen bislang noch konservierte System der internen Querfinanzierung zerstören werden, das heißt Investitionen in Titel, die voraussichtlich keinen Gewinn abwerfen werden.

Angebotsvielfalt bedroht

Vandagriff sieht keinen Grund für die Befürchtung, dass Amazon in einer Welt ohne Großverlage und Buchhandelsketten die Preise nach Belieben erhöhen werde. Er verwies auf das große Vorbild von Bezos, die Supermarktkette Walmart, die in vielen amerikanischen Städten ein Monopol der Lebensmittelversorgung besitze, aber die Preise konstant niedrig halte. Nach Kohn ist es aber eine leider auch in Behörden verbreitete irrige Auslegung des Wettbewerbsrechts, dass monopolartige Strukturen so lange unbedenklich seien, wie die Preise sinken. Die Verbraucher hätten auch ein Interesse an der Vielfalt des Angebots.

Was politisch zur Durchsetzung dieses Interesses gegen Amazon getan werden könne, erörterten Kohn und der Rechtsprofessor Tim Wu. Gegen die Empfehlungslisten der Amazon-Suche müsste, ginge es nach Wu, die Wettbewerbsaufsicht einschreiten, da für den Kunden nicht ersichtlich sei, dass Verlage für vordere Plätze darauf bezahlten. Kohn äußerte die pessimistische Vermutung, wegen des von der Obama-Regierung im Interesse von Amazon gegen Apple und die großen Buchverlage angestrengten Kartellverfahrens würden erst der nächste Justizminister und der nächste Präsident einen Neuansatz wagen.

Der Untergang der literarischen Zivilisation?

Diese trüben Aussichten wurden durch dramatische Lagebeschreibungen kompensiert. Tina Bennett nahm eine allegorische Datierung des gegenwärtigen Moments vor: In der Geschichte des Kampfes um die geistige Freiheit schreiben wir demnach den 19. Mai 1940, den Tag der ersten Radioansprache von Winston Churchill.

Mit den insularen Lebensformen des Verlagsgewerbes würde die literarische Zivilisation untergehen. In dem historischen Vergleich, den Danielle Allen vorschlug, die künftige Vorsitzende der Pulitzerpreis-Jury, sind dagegen die Engländer die Bösen: Die Verleger sollen sich gegen die tyrannischen Preisdiktate von Amazon wehren wie die Drucker in den amerikanischen Kolonien gegen die 1765 von London oktroyierte Steuer auf Zeitungen.

Erleben wir einen revolutionären Moment? Durch einen plebiszitären Appell wollte der Advokat von Amazon die Situation entschärfen. Vandagriff bat die Anwesenden, durch Handzeichen zu erkennen zu geben, wer schon bei Amazon bestellt habe. Alle zeigten auf. Dieser Fatalismus der Anpassung ist die Hoffnung von Amazon.

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