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Online-Versender erpresst Verlage : Amazon erklärt sich

Lieferzeit als Druckmittel: Amazon will neue Konditionen aushandeln Bild: dpa

Dann kaufen Sie Ihre Bücher eben woanders: Wie der Online-Versender Amazon seinen Kunden erklärt, warum Titel des Verlags Hachette nur mit Verzögerung geliefert werden.

          Der Online-Versender Amazon schränkt seinen Vorrat an Büchern des Hachette-Verlags ein. Vorbestellungen sind nicht mehr möglich. Wer einen Titel aus dem populären Programm, zu dem der unter Pseudonym geschriebene zweite Krimi von Joanne K. Rowling gehört, bestellen möchte, muss sich eben gedulden, bis die nächste Lieferung von Hachette bei Amazon eintrifft, das E-Book in der Ausgabe für das unternehmenseigene Lesegerät Kindle kaufen - oder einfach zur Konkurrenz gehen.

          Diese Empfehlung gibt Amazon seinen Kunden in einer ersten Stellungnahme zu dem Streit zwischen Verlag und Versender, der in der Buchwelt als perfider Erpressungsversuch diskutiert, von Amazon hingegen als ganz gebräuchlicher verhandlungsbegleitender Schritt dargestellt wird. Die ganze Aufregung komme nur daher, dass es ausgerechnet um Bücher geht.

          Produkte im zweistelligen Millionenbereich betroffen

          Jeder Händler könne entscheiden, ob er bestimmte Produkte in riesigen Stapeln ganz vorne im Laden verkaufen, hinten im Lager lassen oder überhaupt nicht anbieten wolle, erklärt Amazon. Auch Buchhandlungen machten das jeden Tag. Ebenso alltäglich, dabei wesentlich auch für die Kunden, sei die Verhandlung zwischen Verkäufer und Produzent einer Ware, wenn es um die Konditionen geht. Hachette sei für Amazon „eine wichtige“ unter den über siebzigtausend Bezugsquellen, beide Seiten bemühten sich um eine Einigung, und der Verlag, dessen Führung Amazon schätze, handele gewiss in bester Absicht. Dennoch habe man sich bislang nicht auf neue Konditionen einigen können, man dürfe nicht einmal bald damit rechnen, trotz harter Arbeit und bleibender Hoffnung.

          Von tausend angebotenen Produkten, will Amazon seine Kunden beruhigen, seien allerdings nur 11 von solchen verhandlungsbegleitenden Beschränkungen betroffen. Bei einem Angebot von über einer Milliarde Produkte muss allerdings auch die absolute Zahl der mit diesem Hintergrund eingeschränkt verfügbaren im zweistelligen Millionenbereich liegen.

          Um die Auswirkungen dieses Streits auf die Autoren auszugleichen, schlägt Amazon einen Fonds vor, der von Hachette verwaltet und zur Hälfte von Amazon, zur anderen Hälfte vom Verlag bestritten werden soll.

          Börsenverein prüft kartellrechtliche Schritte

          Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, hat unterdessen in einem Interview des Deutschlandfunks den Hintergrund der Auseinandersetzung skizziert, die auch deutsche Verlage betrifft: Amazon verhandle gerade die Konditionen für das E-Book-Angebot neu und wolle dabei die Höhe der Rabatte nahezu verdoppeln.

          Amazon missbrauche seine Marktmacht, klagt der Börsenverein und kündigt an, kartellrechtlich gegen den Online-Versender vorzugehen.

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