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Bücherkampf : Amazons falsche Charmeoffensive

Amazon-Chef Jeff Bezos mit dem Amazon Kindle Fire bei einem öffentlichen Auftritt in Santa Monica. Bild: AP

Amazon hat Streit mit dem Hachette-Konzern. Es geht um Rabattforderungen beim E-Book-Verkauf. Nun versucht der Internethändler, die Hachette-Autoren auf seine Seite zu ziehen, indem er sie mit exklusiven Gewinnversprechungen ködert.

          Gestern erreichte die Hachette Book Group, den viertgrößten Verlagskonzern der Vereinigten Staaten, ein erstaunlicher Vorschlag. Hintergrund ist der seit einigen Monaten tobende Streit zwischen Hachette und Amazon: Der Internet-Versender verlangt in Amerika höhere Rabatte bei E-Books. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, werden seit Mai Bestellungen von gedruckten Büchern der Hachette-Verlage dadurch behindert, dass Amazon die übliche Vorratshaltung eingestellt hat und dadurch die Auslieferung an die Besteller verzögert. Nun zieht Amazon eine neue Karte im Verhandlungspoker. Er schlägt den Autoren der Verlagsgruppe vor, ihnen für die Dauer der Auseinandersetzung sämtliche Erträge aus dem Verkauf ihrer E-Books zu überweisen, also auch die Gewinnanteile, die ansonsten bei Amazon und Hachette verbleiben würden.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.


          Das ist der Gipfel einer dreisten Geschäftspolitik, die nicht nur auf Erpressung setzt, sondern nun auch noch dem Erpressten abverlangt, sein Scherflein dazu beizutragen, dass die weiteren Opfer des Streits entschädigt werden. Amazon will mit seinem Angebot in jenen Kreisen Pluspunkte sammeln, die sich in jüngster Zeit immer stärker gegen den Handelsriesen gewandt haben: bei den Schriftstellern und ihren Vereinigungen. Die Bestseller-Autoren Stephen King und John Grisham sind nur die Bekanntesten von mehreren hundert amerikanischen Schriftstellern, die eine Petition unterzeichnet haben, in der Amazon aufgefordert wird, Bücher nicht als Geiseln zu nehmen, weil damit den Autoren ihre Lebensgrundlage entzogen werde.

          Autoren werden in den E-Book-Markt gedrängt

          Besonders perfide wäre die vorgeschlagene Kompensation deshalb, weil die Autoren von gedruckten Büchern, die durch Amazons Strategie schleppender verkauft werden, durch E-Book-Erträge entschädigt werden sollen. Den Verkauf von Hachette-E-Books betreibt Amazon unbeeinträchtigt weiter, denn da verfängt die Begründung des Netzversenders für die Verzögerungen nicht, es liege an den Verlagen, wenn die auf Bestellung nicht schnell genug liefern könnten. E-Books sind immer sofort verfügbar, eine Verzögerungstaktik hätte hier keine andere Begründung als das, was das Ganze ja auch ist: Erpressung.

          Aber dadurch, dass nun E-Books Ersatz schaffen sollen, werden die Autoren mehr und mehr in dieses Segment gedrängt, in dem Amazon mit weitem Abstand Marktführer ist und die Zukunft des Buchhandels sieht. Zumal das Unternehmen hier auch als Verleger führend tätig ist.

          Hachette dagegen könnte sich, ginge es auf diesen Vorschlag ein, schon einmal an die geringen Erträge gewöhnen, die auf dem E-Book-Markt für jene Verlage zu erzielen wären, die sich Amazons Rabattforderungen unterwürfen.

          Wie die Verlagsgruppe verlauten ließ, hatte sie im April, als der Streit noch gar nicht öffentlich geworden war, Amazon auf dessen Verlangen hin bereits höhere Rabatte auf E-Books eingeräumt als allen anderen Kunden und dieses Zugeständnis einen Monat später, als Amazon mit der systematischen Benachteiligung von Hachette-Büchern begann, sogar noch nachgebessert.

          Autoren als Verbündete gewinnen

          Aus dem Streit, den Amazon in Deutschland mit der Bonnier-Gruppe austrägt, weiß man, dass das Unternehmen einen Rabatt von fünfzig Prozent auf E-Books haben will. Solange es die nicht hat, fällt es ihm offenbar leicht, auf die derzeit geltenden niedrigeren Margen zu verzichten, wenn es damit Autoren für sich einnehmen und als Verbündete gegen deren bisherige Verlage gewinnen kann, sie vielleicht gar für Amazons eigene verlegerische Aktivitäten begeistert.

          Und wenn dabei noch das generelle E-Book-Geschäft gestärkt wird, umso besser für Amazon. Da passt es, dass der Vorschlag einer ausschließlichen Gewinnausschüttung an Autoren erst einmal gar nicht an Hachette als den dann ja gleichfalls Verzichtleistenden ging, sondern vorab schon an einzelne Schriftsteller und deren Agenten. Auch so macht man Stimmung. Doch Amazons Strategie scheint nicht aufzugehen. Hachette hat den Vorschlag abgelehnt und gibt darüber hinaus gar keinen Kommentar ab. Und die amerikanische Authors Guild hat nach einem Bericht der „New York Times“ bereits ebenfalls ablehnend reagiert.

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