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Amazon : Jetzt schlagen die Verlage zurück

Amazon-Gründer Jeff Bezos Bild: AFP

Amazon gerät immer stärker unter Druck. Der Konzern Harper Collins vermarktet seine Bücher ab sofort im Netz per Direktverkauf.

          In den Vereinigten Staaten eskaliert der Kampf um den Buchmarkt. In einem Moment, in dem Amazon als Platzhirsch unter Druck gerät, weil ihm Lieferanten, Autoren und Kunden die Erpressung der Hachette-Gruppe übelnehmen, bietet Harper Collins, wie Hachette einer der „big five“ unter den amerikanischen Verlagen, von heute an auf einer neuen Handelsplattform die eigenen Bücher direkt zum Kauf an - und das mit Einführungsrabatten gegenüber dem regulären Preis von Bestsellern von 15 Prozent bei gedruckten Büchern und 20 Prozent bei E-Books. Letztere können weltweit bestellt werden, erstere vorerst nur in Amerika, weil sonst der Versandaufwand für Harper Collins zu groß würde. Da hat Amazon noch die Nase vorn. In Kürze soll dieses Angebot aber auch auf Großbritannien ausgeweitet werden.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Allerdings handelt es sich dabei um nationale Märkte, die keine Buchpreisbindung kennen. Damit ist ein Preiskampf eröffnet, der über den Konflikt zwischen den Riesen des Verlagswesens und Amazon die letzten traditionellen Buchhandlungen in der englischsprachigen Welt zerreiben könnte. Denn die können sich solche Rabattgewährung nicht leisten, weil ihnen dafür die nötige Unternehmensgröße fehlt.

          Somit ist der schon länger von Harper Collins geplante, aber nun strategisch zum idealen Zeitpunkt durchgeführte Angriff auf Amazon nicht nur zu begrüßen. Weniger Marktmacht für den Internet-Handelskonzern ist wünschenswert, doch ob die Verlagerung des Buchhandels auf die Verlage so viel besser ist als die vertikale Expansion Amazons, das sich bemüht, von der Produktion bis zum Einzelverkauf das ganze Buchgeschäft in die Hand zu bekommen, darf man bezweifeln. Das eine wie das andere läuft auf Konzentration und damit weniger Vielfalt hinaus. Wobei es immerhin noch mehrere große Buchkonzerne gibt, aber nur einen Anbieter wie Amazon.

          Quelle: FAZ.NET

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