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„Ada Lovelace“ als Comic : Gloria, viktorianisches Zeitalter!

So hätte die „Analytical Engine“ geklungen, wäre sie je gebaut worden: Ihr Erfinder Charles Babbage ist erleichtert, Queen Victoria erfreut. Bild: Pantheon Books

Sie hatte nicht die Absicht, einen Comic zu zeichnen: Sydney Padua stellte die Geschichte über Ada Lovelace als Scherz auf ihre Internetseite. Nun ist sie dreihundert Seiten dick und beim New Yorker Pantheon Verlag erschienen.

          Doch, es ist ein Comic. Dagegen mag sich die Verfasserin, Sydney Padua, noch so sehr sträuben. „Ich hatte nicht die Absicht, einen Lovelace-und-Babbage-Comic zu zeichnen“, schreibt sie. „Einmal, weil ich keine Comiczeichnerin bin. Und dann wusste ich nichts über viktorianische Geschichte, Naturwissenschaft oder Mathematik.“ Alles egal: Sydney Padua hat einen Comic gezeichnet, der zum Besten gehört, was dieses Metier zu bieten hat. Zum Lehrreichsten auch, und das nicht nur betreffs viktorianischer Geschichte, Naturwissenschaft und Mathematik. Und zum Lustigsten sowieso. Das fängt schon mit dem Vorwort an, aus dem die eben zitierten Sätze stammen.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          „Lord Byron“, so erläutert Sydney Padua darin (Byron, sehr gebildet!), „hat über die Publikation seines ,Childe Harold’s Pilgrimage‘ gesagt, er sei am nächsten Tage aufgewacht und berühmt gewesen.“ Und das sei auch ihr passiert, als sie im Frühling 2009 eine kleine Bildergeschichte über Ada Lovelace ins Internet gestellt hat. Dazu muss man wissen, dass Sydney Padua zwar keine Comic-, aber eine Trickfilmzeichnerin ist, also ein Profi. Die gebürtige Kanadierin lebt in London und hat an Brad Birds legendärem Animationsfilm „Der Gigant aus dem All“ (1999) ebenso mitgearbeitet wie an Andrew Stantons eher berüchtigtem Effektfilm „John Carter“ (2012). Für Lovelace interessierte sie sich, weil eine Freundin das Ada Lovelace Festival leitet, bei dem neueste Errungenschaften von Frauen in der Informationstechnologie präsentiert werden.

          Über Nacht berühmt

          Wer war Ada Lovelace? Sydney Padua wusste es auch nicht und sah in Wikipedia nach. Die 1815 geborene und 1852 gestorbene Dame war die Tochter von Lord Byron. Aber nicht das hat sie berühmt gemacht, sondern ihre Zusammenarbeit als Mathematikerin mit Charles Babbage (1791 bis 1871), der auch Mathematiker war, aber vor allem Konstrukteur einer Rechenmaschine, die als Vorläufer aller heutigen Computer gilt, der nie gebauten „Analytical Engine“. Von ihr aber existiert eine theoretische Beschreibung, die maßgeblich von Ada Lovelace verfasst wurde. Man könnte auch sagen: Sie war die erste Programmiererin der Welt. Deshalb wird sich vom 2. September an eine Ausstellung im Paderborner Heinz-Nixdorf-Museumsforum dem Schaffen Ada Lovelaces widmen.

          Ada Lovelace, leicht genervt von Queen Victorias Meinungen. Bilderstrecke
          Ada Lovelace, leicht genervt von Queen Victorias Meinungen. :

          Ein tolles Leben war das, zumal im Zusammenspiel mit Babbage. Beide waren Exzentriker, intellektuell brillant, leicht reizbar, gesellschaftsunfähig. Sydney Padua zeichnete darüber eine Geschichte in gerade mal fünfzehn Bildern und stellte sie ins Netz: „Ada Lovelace - The Origin“, heute noch dort zu finden. Was dann geschah, beschreibt sie so: „Ich wachte am nächsten Tag auf und war einigermaßen klickwürdig im Internet geworden, was irritierend genug war. Alarmierend aber war, dass ich als jemand betrachtet wurde, der vorhatte, einen Webcomic über irgendwelche Abenteuer von Ada Lovelace und Charles Babbage zu zeichnen. Fast alle hatten übersehen, dass mein Paralleluniversum-Schluss ein Witz sein sollte.“

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