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Veröffentlicht: 09.09.2006, 17:59 Uhr

30 Jahre Biene Maja Diese Biene, die ich meine

Sie paßte bestens in die Kinderkultur der 70er Jahre: die emsige Biene Maja, die sich voller Neugier und Elan der Welt in die Arme wirft. Ihr Gegenbild war der faule und gefräßige Willi. Jetzt sind beide 30 Jahre alt geworden. Anlaß für eine Neubewertung.

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Wer in allzu jungen Jahren Bücher wie „Das Bienchen Sirr“ oder „Die Biene Maja“ in die Hände bekam, Texte also, in denen vermenschlichte Insekten vorgeschoben werden, um das Leben im Bienenkorb anschaulich darzustellen, wird dabei einigermaßen krude Vorstellungen über das Verhältnis der Geschlechter entwickelt haben. Weibliche Bienen, so lernte man rasch, haben eine klare Funktion; sie machen praktisch alles vom Honigsammeln bis zur Brutpflege, vom Wabenbau bis zur Feindesabwehr, während die eigentliche Leistung der Drohnen zum Fortbestand des Bienenvolkes irgendwie noch nichts für kindliche Leser war und daher gänzlich unter den Tisch fiel.

Tilman Spreckelsen Folgen:

Daß derlei ein gefundenes Fressen war für die Kinderkultur der Siebziger, in der es vor kessen Mädchen und tumben Knaben nur so wimmelte, läßt sich leicht denken. Und so erreichte dann, am 9. September vor 30 Jahren, eine Zeichentrickserie in 104 Teilen die Bildschirme gutmeinender Familien, die dieses Bild mit kräftigen Farben fortzeichnete: Da ist Maja, die patente weibliche Identifikationsfigur, die sich voller Neugier und Elan der Welt in die Arme wirft, und da ist ihr Kumpel Willi, der alles verkörpert, was Eltern an ihren Kindern vielleicht etwas weniger schätzen: Er ist ein bißchen langsam, ziemlich faul, eher einfach gestrickt und sofort im ganzen Korb verschrien. Und diese Rollenverteilung prägt die Zeichentrickserie ebenso wie die daran angelehnten Comic-Hefte.

„Maja, ich weiß was!“

Geschichten, die Willi dennoch eine tragende Rolle zuweisen, fangen dann gern so an: Er rennt durch den Korb und ruft aufgeregt „Maja, Maja, ich weiß was!“ Die Bienen kommentieren das verwundert mit den Worten: „Willi weiß was? Das gibt es nicht!“

maja4 © ddp Vergrößern Immer emsig: Maja

So geht das fort und fort. Es ist natürlich Willi, der sich, zufällig unter die Ameisen geraten, sofort für eine solche hält und nur schwer zur Rückkehr in den Bienenkorb zu bewegen ist (Folge 5). Und als sich Majas Freundeskreis einmal dazu aufschwingt, Lehmkunst zu formen (Folge 98), schafft ausgerechnet Willi ein überdimensionales Abbild seiner selbst, das er dann mit gewohnt quiekender Kopfstimme bewundert. Jungs, so die hartnäckige Botschaft, sind verfressene, leichtgläubige und sehr von sich überzeugte Nichtskönner - aber die Mädchen reißen es raus.

Sidekick-Willi

Dabei könnte man es belassen und als Antidotum ein paar Folgen der etwa gleichzeitig entstandenen Serie „Wickie“ ansehen, müßte man nicht bei Majas Sidekick Willi eine verpaßte Chance betrauern: die nämlich eines Rollenvorbilds für Knaben, die sich von den emsigen Bienenarbeiterinnen im ach so effektiven Insektenstaat nicht repräsentiert fühlen. Hätte nicht auch ein souverän jeder körperlichen Arbeit abholder Bienenjunge in die Siebziger gepaßt? Ein Knabe, mit dem man weder Angriffskriege führen noch Atomkraftwerke bauen kann und der die Flügel allenfalls bewegt, um zur nächsten Hanfwiese zu gelangen?

Ob man mit solchen Vorstellungen bei den japanischen Urhebern der Zeichentrickserie durchgedrungen wäre, steht dahin. Aber daß Karel Gotts Behauptung „Maja, alle lieben Maja“ schon damals reichlich kühn war, ist sicher.

Glosse

Bartspalterei

Von Paul Ingendaay

Noch kann Pilar Abel Martínez nicht beweisen, dass sie die uneheliche Tochter von Salvador Dalí ist. Die Exhumierung seines Leichnams soll Klarheit bringen. Die Sache hat mehrere Pointen. Mehr 2 0

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