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Sonntag, 19. Februar 2012
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F.A.Z.-Hörprobe: Folge 4 Rose Ausländer

12.10.2009 ·  Überraschend herb, fast burschikos rezitiert Rose Ausländer ihre Verse. Zum poetischen Glaubensbekenntnis steigert sie die Lesung von „Mutter Sprache“. Vierte Folge unserer F.A.Z.-Hörprobe aus der „Bibliothek der Poeten“.

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Über hundert der wichtigsten deutschen Dichterinnen und Dichter aus den letzten hundert Jahren werden in der Edition „Lyrikstimmen“ in Originalaufnahmen zusammengeführt und von ihren Verfassern, je nach Temperament, vorgetragen, abgelesen, aufgesagt, hingesemmelt und geschrien. Für die F.A.Z.-Hörprobe haben wir einige kuriose Beispiele ausgewählt.

Überraschend herb, fast burschikos tönt die Stimme Rose Ausländers dem Hörer entgegen. Kaum hat man sich daran gewöhnt, ist das erste ihrer kurzen Gedichte - „Bukowina I“, an zweiter Stelle folgt „Damit kein Licht uns liebe“ - auch schon vorüber. Die Lesung von „Mutter Sprache“ aus dem Jahr 1976 gelingt ihr zum poetischen Glaubensbekenntnis: „Mutter Sprache / setzt mich zusammen / Menschmosaik“.

Kurzbiographie

Rose Ausländer, eigentlich Rosalie Scherzer, stammt aus Czernowitz, der Hauptstadt des damals österreichisch-ungarischen Kronlandes Bukowina. Nach dem Tod des Vaters musste sie ihr Studium aufgeben, wanderte 1921 mit ihrem Studienfreund Ignaz Ausländer, den sie 1923 heiratete, in die Vereinigten Staaten aus und arbeitete dort in verschiedenen Berufen, unter anderem als Bankangestellte, Sekretärin und Redakteurin. Im Jahr 1931 kehrte sie nach Czernowitz zurück, um ihre kranke Mutter zu pflegen. In Kellerverstecken überlebte sie als eine von etwa fünftausend der vorher sechzigtausend Juden in Czernowitz die Herrschaft des mit den Nazis verbündeten Diktators Antonescu in den Jahren 1941 bis 1944.

Nach dem Krieg fiel die Bukowina an die UdSSR und Rose Ausländer verließ erneut ihre Heimat. Im Jahr 1946 übersiedelte sie wieder in die Vereinigten Staaten. Dort arbeitete sie bis 1963 als Sekretärin, Korrespondentin und Übersetzerin in New York und schrieb gleichzeitig englischsprachige Gedichte für Zeitschriften und Rundfunkanstalten. Gedichte in deutscher Sprache waren ihr nach dem Erlebnis der Verfolgung zunächst nicht möglich.

Ab dem Jahr 1965 lebte die Lyrikerin in Düsseldorf, seit 1972 nach einem Unfall im Düsseldorfer Nelly-Sachs-Altersheim der jüdischen Gemeinde, das die gebrechliche Dichterin zuletzt nicht mehr verlassen konnte. Seit dem Tod von Nelly Sachs und Marie Luise Kaschnitz galt sie als die bedeutendste englisch- und deutschsprachige Lyrikerin der älteren Generation.

Zu ihren Veröffentlichungen zählen: „Der Regenbogen“ (1939), „Blinder Sommer“ (1965), „Inventar“ (1972), „Ohne Visum“ (1974), „Andere Zeichen“ (1975), „Noch ist Raum“ (1976), „Gesammelte Gedichte“ (1976), „Doppelspiel“ (1977), „Es ist alles anders“ (1977), „Aschensommer“ (1978), „Mutterland“ (1978), „Einverständnis“ (1980), „Mein Atem heißt jetzt“ (81). Am 3. Januar 1988 starb sie in Düsseldorf.

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